Proletarische Revolution Nr. 39 – Jänner 2010 – text

PR 39

INHALT

  • Untersuchung zur Mehrwertrate und Proftirate des österreichischen Kapitals
  • Grundlagen der politischen Ökonomie
  • Wie geht es weiter mit der Krise

Editorial

Die vorliegende Ausgabe der Proletarischen Revolution ist eine Schwerpunktnummer zur Politischen Ökonomie. Den Hauptartikel bildet eine wissenschaftliche „Untersuchung zur Mehrwertrate und Profitrate des österreichischen Kapitals“. Nach der theoretischen Einführung und Begriffsklärung sowie Erläuterungen und Kommentaren zum Umgang mit bürgerlichen Statistiken und ebensolchem Zahlenmaterial wird die Untersuchung zunehmend konkreter und geht ein auf Möglichkeiten der Berechnung des tatsächlichen Ausbeutungsrades, der Mehrwertrate (und Profitrate, einschließlich der Veranschaulichung und Aufschlüsselung der Extraprofite), die die österreichische Bourgeoisie hier und heute erzielt, aus den Arbeiter/innen herauspresst. Dazu kommen historische Darstellungen der Entwicklung der Profitrate in Österreich seit 1945.

Vielleicht ist der Text nicht ganz leicht verdaulich, doch wir meinen, er ist wichtig: Die marxistische Wissenschaft ist ein Werkzeug, auch zur konkreten Analyse der heutigen Wirklichkeit. Sie ist nützlich und anwendbar und kann uns zu Argumenten verhelfen, beispielsweise gegen solche, die ganz allgemein der bürgerlichen Wissenschaft blind vertrauen, weil es die Wissenschaft ist, die bürgerliche, das heißt herrschende Ideologie verbreitet oder gegen die, die, etwas konkreter, meinen, es gäbe gar kein Proletariat – im Sinne einer Klasse von Produzent/innen – mehr (und daher auch keine Klasse, die aufgrund ihrer Lebenslage zum revolutionäres Subjekt werden wird – zumindest nicht in den imperialistischen Metropolen); oder auch, um wieder einmal nachzuvollziehen, dass wirkliche Werte von wirklichen Produzent/innen geschaffen werden, dass Ausbeutung im Kapitalismus durch die Aneignung von Mehrwert organisiert ist und daraus der Profit der Kapitalisten entsteht. And so on.

Außerdem gehen wir sowieso davon aus, dass unsere interessierte Leser/innenschaft die Bereitschaft mitbringt, sich mit theoretischen Grundlagen, und die Politische Ökonomie gehört da fraglos dazu, und Anwendung der marxistischen Wissenschaft auseinanderzusetzen. – Klar, nicht zum Selbstzweck, um die Wirklichkeit besser begreifen und für unseren Kampf zu lernen.

Der zweite Text ist wesentlich einfacher (auch kürzer) und sehr didaktisch aufgebaut. Es ist ein Nachdruck eines Schulungsreferates für den Revolutionär Kommunistischen Jugendverband, der die Grundlagen der Politischen Ökonomie hoffentlich möglichst einfach erläutert. Mit der Materie wenig bewanderten Leser/innen empfehlen wir, diesen zweiten Text vor dem ersten zu lesen.

Am Schluss bringen wir noch einen kürzeren Bericht von einer Diskussion, bei der es um die Einschätzung der aktuellen Krise und ihre mögliche weitere Entwicklung geht.

Was jedenfalls klar ist: Ob Krise oder Konjunktur: Der Kapitalismus muss weg. Ob und inwieweit es der Bourgeoisie gelingt, die Lasten der Krise auf unsere Schultern abzuwälzen, die Ausbeutung zu steigern, unsere Lebenssituation zu verschlechtern hängt von uns, vom „subjektiven Faktor“, von der Kampfkraft der Arbeiter/innen und anderen Werktätigen ab. Geschehen lassen oder selbst Akteur/in sein, „Amboss oder Hammer“: Der Klassenkampf entscheidet.

Wird die Arbeiter/innenklasse (wieder) kämpfendes Subjekt, hat sie aber über das Führen von Abwehrkämpfen hinaus weit mehr und auch weit Bedeutenderes vor: Die proletarische Revolution, die Abschaffung des kapitalistischen Ausbeutersystems, die Zerschlagung des bürgerlichen Staates und der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft – dann, und nur dann wird Schluss sein mit kapitalistischen Krisen – und imperialistischen Kriegen, die bekanntlich ebenfalls ein erprobtes Krisenbewältigungsmittel der Bourgeoisie sind.

Wir wünschen euch konzentriertes und anregendes Studium und freuen uns wie immer auch über Diskussionsbeiträge.

Euer PR-Redaktionskollektiv


Untersuchung zur Mehrwertrate und Profitrate des österreichischen Kapitals

Technische Anmerkung des Site-Betreuers: Die Fußnoten zu diesem Artikel finden sich (leider) ganz am Ende des Gesamttextes der PR 39, nicht nach dem Artikel. Die Tabellen fehlen (noch).

Theoretisches zur Mehrwertrate und Profitrate

Dass man in der bürgerlichen Statistik nichts über die Mehrwertrate findet, verwundert nicht. Nicht nur besteht aus begreiflichen Gründen kein diesbezügliches Interesse der Bourgeoisie, es ist in der Realität der kapitalistischen Produktionsweise die Mehrwertrate hinter der Profitrate, der Mehrwert hinter dem Profit, die Produktion des Kapitals hinter der Zirkulation verborgen. Marx stellt dies in den drei Bänden des „Kapital“ ausführlich dar. „Aufstieg vom Abstrakten zum Konkreten“ nennt man das auf gut hegelisch: „Die Gestaltungen des Kapitals nähern sich also schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewusstsein der Produktionsagenten selbst auftreten.“ (MEW 25, S.33) Aus der Analyse des Produktionsprozesses und des Mehrwerts im „Kapital“ I entwickelt er den Prozess der Zirkulation im „Kapital“ II und schließlich im „Kapital“ III den Gesamtprozess des Kapitals, die Verwandlung des Mehrwerts in Profit und seine Aufspaltung in verschiedene Bestandteile. „Der Profit, wie wir ihn hier zunächst vor uns haben, ist also dasselbe, was der Mehrwert ist, nur in einer mystifizierten Form, die jedoch mit Notwendigkeit aus der kapitalistischen Produktionsweise herauswächst.“ (S.46) Der Mehrwert erhält „die verwandelte Form des Profits“ als „vorgestellter Abkömmling des vorgeschossenen Gesamtkapitals“ (ebenda) und macht sich als solcher „fortwährend praktisch gelten“ (S.34). Was den Kapitalisten treibt, ist in der Tat die Profitrate, die Rate zwischen dem erzielten Profit und dem von ihm eingesetzten Gesamtkapital, gleich ob variabel oder konstant. Wobei ihm natürlich zugleich sonnenklar ist, dass die Profitrate in erster Linie mit der Ausbeutung und ihrer Rate, eben der Mehrwertrate, steigt, wiewohl es auch andere Faktoren dafür gibt (z.B. Extraprofit aus Waren- und Kapitalexport, Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals, Erhöhung der Umschlagsgeschwindigkeit u.a.m.). „Man wird aus dem ‚Kapital’ Band III sehen, dass die Profitrate leicht zu begreifen ist, sobald man die Gesetze des Mehrwerts kennt. Auf dem umgekehrten Weg begreift man weder das eine noch das andere.“ (MEW 23, S.230) i

Ausgangspunkt, in der Wirklichkeit und in der marxistischen Politischen Ökonomie, ist der Mehrwert (und daher die Mehrwertrate). Aller Wert und Mehrwert wird von der Arbeiterklasse geschaffen. Das ist der Produktionsprozess des „produktiven Gesamtarbeiters“, wie Marx sagt. Erst in weiterer Folge verwandelt sich der Mehrwert in Profit. Nur was an Mehrwert produziert worden ist, kann sich in Profit verwandeln, kann sich in verschiedene Bestandteile (industrieller Profit, Handelsprofit, Zins, Grundrente) aufspalten, kann für unproduktive Funktionen verwendet werden. Der Weg von der Mehrwertrate zur Profitrate führt über eine Reihe von Schritten (die sich in den einzelnen Abschnitten des „Kapital“ III reflektieren): Ausgleich der Profitraten zur Durchschnittsprofitrate und Verwandlung der Werte in Produktionspreise, Eintritt des Handelskapitals in den Ausgleich der Profitraten und Abzug des Handelsprofits, Verkürzung des Mehrwerts bzw. Profits durch den Zins, Abzug der Grundrente, Verwandlung der Produktionspreise in Marktpreise. Es versteht sich von selbst, dass die bürgerliche Statistik nicht nach dieser Logik aufgebaut ist. Die Zirkulationssphäre verbirgt die Produktionssphäre. Man kann die Mehrwertrate prinzipiell nicht unmittelbar messen, feststellen, abfragen. Mehrwert und Mehrwertrate können in keiner „empirischen“ Statistik aufscheinen. Wir werden allenfalls bruchstückhafte und mystifizierte Daten vorfinden, die uns dabei helfen, die Ausbeutung eher schlecht als recht beleuchten. Soweit ist das sozusagen ein immanentes systemisches Problem. Marx spricht nicht umsonst vom „Schein der Konkurrenz“, einer Mystifikation, aber einer „reellen Mystifikation“, weil die oberflächlichen Erscheinungsformen durchaus als solche wirken und Triebkräfte des Kapitals darstellen. Marx weist darauf hin, dass der Weg der wissenschaftlichen Darstellung, z.B. im „Kapital“, unterschiedlich, ja entgegengesetzt ist zur unmittelbaren Anschauung der Realität, daher auch zur historischen Entwicklung der Politischen Ökonomie. Diese führt vom Profit, wie er an der Oberfläche erscheint, zum Mehrwert, der dem Profit zugrundeliegt, von der Erscheinung zum Wesen; und dann wieder zurück, vom Mehrwert zum Profit, vom zugrundeliegenden Ausbeutungsverhältnis zur Erklärung, wie und warum dieses an der Oberfläche der Zirkulation als Profit, der angeblich aus dem Gesamtkapital (den berühmten „Produktionsfaktoren“) entspringt, mystifiziert wird, vom Wesen zur Erscheinung ii. Auch eine Untersuchung wie unsere muss den „auf den Kopf gestellten“ Weg gehen. Sie muss ausgehen von den Erscheinungen, wie sie sich in der Zirkulation darstellen und daher in der bürgerlichen Statistik (auch das mehr schlecht als recht) widerspiegeln, also von der Profitrate, aufzeigen, was sich alles hinter der letztendlichen Profitrate verbirgt und sich dann schrittweise vorarbeiten zur Mehrwertrate. (Dass man auch über die Profitrate nicht viel Brauchbares in der bürgerlichen Statistik findet, überrascht ebenfalls nicht und macht die Sache nicht leichter.)

Reformistische Vernebelung des Problems: Ausbeutung oder „Verteilungsgerechtigkeit“?

Weil das alles so ist, sind marxistelnde Stümpereien von der Art, Kategorien der marxistischen Politischen Ökonomie einfach Aggregaten der bürgerlichen Statistik überzustülpen, unbrauchbar, und zwar ganz abgesehen von der „Qualität“ der bürgerlichen Statistik, weil es sich um den Unterschied zwischen bürgerlichen und marxistischen Kategorien handelt und demgemäß um qualitativ und begrifflich unterschiedliche Inhalte. Wenn es so einfach wäre, wie so manche „Marxisten“ glauben, hätte sich Marx die Bände II und III und sogar Teile des Bandes I des „Kapital“ (wo nämlich bereits Fragen der Verwandlung des Mehrwerts in den Profit angesprochen werden) sparen können. Die bürgerliche Statistik ist auch in sich überhaupt nicht konsistent: Ohne viel Federlesens werden für verschiedene Interessen verschiedene Statistiken über dasselbe fabriziert und publiziert, die nicht nur nicht zusammenpassen, sondern sich manchmal regelrecht widersprechen. Daher ist sowohl aus grundsätzlichen als auch aus praktischen Gründen Vorsicht im Umgang mit der bürgerlichen Statistik angesagt. Wir müssen sie benutzen, denn wir haben nichts anderes. Aber wir dürfen ihr nicht vertrauen, weder der Begrifflichkeit, noch dem Inhalt nach. Es muss genau geprüft werden, ob etwas und was und inwieweit aus der bürgerlichen Statistik zur Beurteilung der wirklichen Verhältnisse genutzt werden kann.

Hauptgrund eines falschen Umgangs mit der bürgerlichen Statistik ist die politische Linie. Wenn man im Prinzip genauso denkt wie die Bourgeoisie, glaubt man natürlich in einer Statistik der Einkommensverteilung die Wurzel des Bösen gefunden zu haben und freut man sich darüber, dass die bürgerliche Statistik das eigene „Gerechtigkeitsempfinden“ bestätigt. Nur ist das Gejammer gewisser „Antikapitalisten“ über die „Ungerechtigkeit“ der Einkommensverteilung ein zahnloser kleinbürgerlicher Schmarren. Wenn man z.B. – wie es oft geschieht – „anprangert“, dass sich (noch dazu laut „offizieller EU-Statistik“, unerhört!) von 1960 bis 2008 die Arbeitsproduktivität in Österreich mehr als verdoppelt hat (+115%), die „Profitquote“ am Bruttoinlandsprodukt (BIP) um +48% gestiegen ist, während die „Lohnquote“ (d.i. der Anteil der Löhne und Gehälter am BIP) um -21% gesunken ist – dann ist das natürlich eine viel sagende, wenn auch keinesfalls überraschende „Enthüllung“. Aber das hat man schon oft genug gehört, zu oft, das nimmt man auch tagtäglich an dieser oder jener Erscheinung wahr, aber das lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Die Entrüstung über Altbekanntes und Selbstverständliches hält sich in Grenzen. Vor allem aber trägt es überhaupt nichts zur Klärung der Klassenverhältnisse und Klassenfronten bei. Es ist eben nur ein Hinweis auf die Verteilungsverhältnisse, über die zugrundeliegenden Produktionsverhältnisse sagt es nichts. Dementsprechend setzen auch die Rezepte dieser Sorte von „Antikapitalisten“ zur Beseitigung oder Abmilderung der „Ungerechtigkeit“ stets an den Verteilungsverhältnissen an. So wenig sie die Ausbeutungsverhältnisse interessieren, so kreativ sind sie bei der Erfindung von Rezepten für mehr „Gerechtigkeit“, von der „(wirklich!) radikalen Umverteilung“ bis zur ein bisschen weniger „radikalen“ Forderung nach einer „Reichensteuer“ und anderem Käse, der seit Jahrzehnten durch die Landschaft spukt. Ein besonders beliebter „Aufreger“ und Ablenker sind im Moment neben diversen „Reichensteuern“ auch die Managergehälter, seien doch diese, die Manager mit ihrer „Gier“ und die Art und Höhe ihrer Bezahlung, schuld an der Krise. Würden die Managerbezüge „limitiert“, würde alles anders. Erstens würde dadurch überhaupt nichts anders, Ausbeutung bliebe Ausbeutung, Lohnarbeit bliebe Lohnarbeit, Profit bliebe Profit. Zweitens kann es der Arbeiterklasse im Grunde egal sein, was die Bourgeoisie mit dem ihr abgepressten Mehrwert macht, ob sie ihn re-investiert, verprasst, an Manager auszahlt oder an geeignete NGOs („(steuerbegünstigte(!) Einbeziehung der Zivilgesellschaft“) verschenkt, …. , sobald er ihr einmal abgepresst worden ist (denn das höhere Management, um das es hier geht, also Vorstände, Geschäftsführer etc., sind Teil der Bourgeoisie). Und drittens sprechen wir von Nebensächlichkeiten: Die Vorstandsbezüge bei den großen Aktiengesellschaften machen weniger als 1% des Profits aus iii. Toll, den „Kampf“ auf diesen lächerlich kleinen Prozentanteil des Profits zu konzentrieren, den Profit selbst aber zu „übersehen“. Toll, die Milliardenprofite durch Vermögens- oder Transaktionssteuern im Promillebereich anknabbern zu wollen und das für „antikapitalistisch“ auszugeben. Die Verteilungsverhältnisse widerspiegeln die Produktionsverhältnisse und können ohne deren Umwälzung nicht wirklich geändert werden. Nicht einmal Teile der SPÖ haben ein Problem mit dieser Sorte „Antikapitalismus“. Ein sozialdemokratischer Verein namens „Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung“ setzte im Oktober 2008 eine die „aufrüttelnde“ Presseaussendung ab, dass sich die Gewinne der 40 wichtigsten börsenotierten Firmen von 2003 bis 2007 vervierfacht hätten, ebenso die ausgeschütteten Dividenden, die Vorstandsgehälter verdoppelt, während die Löhne und Gehälter um 10% gesunken seien. Der Herr oder die Dame des Vorstands würde jetzt 890.000 Euro pro Jahr verdienen, der „Mitarbeiter“ aber nur 34.700. Die Herren und Damen „Politikberater“, die sich da scheinbar entrüsten, wissen natürlich, dass das keinerlei politische Sprengkraft hat, sonst würden sie es nicht schreiben (und würde die Wiener Städtische Versicherung es nicht sponsern). Aber ein wenig in „Gerechtigkeit“ machen, kann nicht schaden, um Dampf abzulassen und seinen Beitrag zur Gehirnverkleisterung beizusteuern. Alle diese Leute, von den „Antikapitalisten“ à la ATTAC über die KPÖ bis zu „Sozialkritikern“ im Schoß oder am Rockzipfel der SPÖ, wünschen sich Gerechtigkeit, ein bisschen mehr Gerechtigkeit wenigstens. Sie treiben sich in der „Verteilungsgerechtigkeit“ herum. Bestenfalls ist das ein reformistisches Geschwätz, wenn nicht reine Augenauswischerei. Bleibt man auf dieser Ebene, trägt man nicht nur nichts zur Entwicklung des Klassenbewusstseins bei, vielmehr beteiligt man sich an der Befestigung des ideologischen Plunders, der die österreichische Arbeiterklasse dahin gebracht hat, wo sie heute ist, und der sie vom Kampf gegen die eben „enthüllten“ Zustände abhält. Hinter der „Verteilung“ steckt nämlich die Produktion, hinter der „Ungerechtigkeit“ steckt die Ausbeutung, hinter den „Reichen“ steckt das Kapital. Wir wollen nicht Herrn oder Frau Vorstandsdirektor(in) das Gehalt kürzen, sondern die Kapitalistenklasse beseitigen und den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital aufheben iv. Wir wollen nicht nur, und es wäre ohnedies verlorene Liebesmüh’, die Verteilungsverhältnisse reformieren, sondern wir wollen den heutigen Verteilungsverhältnissen die Grundlage entziehen, indem wir die Produktionsverhältnisse ändern. Der gesamte „Kuchen“ wird von der Arbeiterklasse produziert, warum soll sie ihn eigentlich mit der Bourgeoisie und ihrem ganzen parasitären Hofstaat teilen? Warum sollte sie um einen „gerechten Anteil am Kuchen“ v kämpfen, statt um den Kuchen selbst? Solange die Bourgeoisie nicht gestürzt und enteignet ist, ist selbst der Kampf bloß um einen etwas größeren „Anteil am Kuchen“ ein Unterfangen, das wenn überhaupt nur zeitweilige und relative Erfolge bringen kann. Man sieht ja, wie heutzutage, mit dem sich verschärfenden Kampf um das Hochhalten der Profitrate und mit der Verschärfung der internationalen Konkurrenz, unser „Kuchenanteil“ immer kleiner und armseliger wird. Deshalb soll man nicht in erster Linie die „ungerechte“ Einkommensverteilung kritisieren, sondern muss man der Mehrwertrate auf die Spur kommen. Man muss den Blick auf die Produktionsverhältnisse richten. Tut man das, ist die Konsequenz die sozialistische Revolution, tut man es nicht, ist die Konsequenz halt eine Steuerreform oder die Beschränkung der Managergehälter.

Das bürgerliche Datenmaterial und wie man sich dennoch behelfen kann

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als in die und hinter die Kulissen der bürgerlichen Statistik zu schauen, um etwas über Ausbeutung, Mehrwert und Profit zu erfahren, und haben daher zunächst zu prüfen, ob bzw. was sich aus der bürgerlichen Statistik entnehmen lässt, das bei der Abschätzung der Profitrate und der Mehrwertrate vi helfen kann.

Es gibt mehrere Statistiken, die einen Zusammenhang mit unserer Fragestellung haben oder wenigstens auf den ersten Blick haben könnten vii, aber genau genommen ist nur die „Leistungs- und Strukturstatistik“ der Statistik Austria wirklich zu gebrauchen. Die „Aktiengesellschaften-Statistik“ liefert sehr detaillierte Daten, die für einige Fragen (z.B. Kapital- bzw. Bilanzstruktur, variables und konstantes Kapital, fixes und zirkulierendes konstantes Kapital, Zinsquote, Steuerquote, Bilanzdaten über den Handel …) gut zu gebrauchen sind, ist aber bezüglich des Profits insgesamt nicht schlüssig, zeigt unrealistische Zeitreihen, macht keinen verlässlichen Eindruck – und zwar umso mehr, je näher man dem heikeln Thema des Profits kommt viii. Außerdem erfasst sie zwar alle Aktiengesellschaften, deckt aber damit nur ein Fünftel der österreichischen produktiven Wirtschaft ab (gemessen an der „Bruttowertschöpfung“ oder auch am Umsatz). Die „Leistungs- und Strukturstatistik“ geht (ebenfalls) von einer Erfassung „von unten nach oben“, von den einzelnen Firmen zu globaleren Aggregaten aus, ist aber wesentlich weniger detailliert. Allerdings umfasst sie alle Firmen ix, reicht sie etwas weiter zurück und ist sie etwas aktueller (2007), und vor allem ist sie in sich konsistenter. Wir stützen uns in dieser Untersuchung daher in erster Linie auf letztere und verwenden die erstere (und dort oder da auch die AMECO-Daten) für ergänzende Informationen und zur Plausibilisierung.

Alle diese Statistiken berücksichtigen den Profit aus dem Kapitalexport nur teilweise, nämlich nur insoweit, als er sich in den inländischen Bilanzen niederschlägt. Erfasst ist also nur die inländische „Wertschöpfung“ plus die nach Österreich ausgeschütteten („repatriierten“) Profite aus dem Kapitalexport, nicht allerdings die im Ausland verbliebenen (sei es dort re-investierten, sei es im Ausland ausgeschütteten) Profite. Die wirkliche ökonomische Dimension und Stärke der österreichischen Bourgeoisie wie auch ihre Rolle als internationaler und nicht nur österreichischer Ausbeuter kommen daher in allen diesen Statistiken nicht wirklich zum Ausdruck. Allerdings geht es in dieser Untersuchung ohnedies um die Schätzung der „inländischen“ Mehrwertrate und Profitrate und im Hinblick darauf wirft der Kapitalexport nur die Frage auf, wie groß die in der (österreichischen) Statistik ausgewiesenen „repatriierten“ Profite aus dem Kapitalexport sind, also Profitbestandteile, die nicht durch die österreichische Arbeiterklasse erzeugt wurden und daher aus einer österreichischen Mehrwertrate und Profitrate auszuklammern sind. Dazu weiter unten. Natürlich wäre es wichtig und nützlich, auch Mehrwertrate und Profitrate der „ausländischen“ Verwertung des österreichischen Kapitals exakt ermitteln zu können und so die österreichische Bourgeoisie ganzheitlich zu betrachten; aber das ist ein aussichtsloses Unterfangen. Relevante Daten über variables und konstantes Kapital könnte man allenfalls bruchstückhaft in lokalen Bilanzen der ausländischen Tochtergesellschaften finden. Globale Daten, ähnlich dem, was wir in Österreich vorfinden, gibt es in den meisten Ländern, aber eben nur für diese Länder insgesamt oder vielleicht einzelne Wirtschaftssektoren, das österreichische Kapital im besonderen wird man aber nicht ausgewiesen sehen. Wie es hierzulande keine Statistik gibt, die z.B. speziell das italienische Kapital in Österreich erfasst, gibt es auch keine für das österreichische z.B. in Ungarn.

Es gibt noch eine Reihe weiterer und zum Teil sehr banaler Probleme mit der bürgerlichen Statistik. So sind Teile des Mehrwerts bzw. Profits im variablen Kapital verborgen: Z.B. sind Gehälter, Bonifikationen, „Erfolgsbeteiligungen“, Abfertigungen, Pensionszahlungen etc. des Managements (Vorstände, Aufsichtsräte, Geschäftsführer…) im „Personalaufwand“ enthalten. Das Management ist aber Teil der Bourgeoisie und seine „Remuneration“ daher Teil des Mehrwerts. Im „Personalaufwand“ sind auch die Kosten der Offiziere und Unteroffiziere des Kapitals und mannigfacher unproduktiver, nur der Unterdrückung und Verschleierung dienender Schichten enthalten. Genauso sind im „sonstigen betrieblichen Aufwand“, der Elemente des variablen und des konstanten Kapitals einschließt, alle möglichen unproduktiven Aufwendungen verborgen, die in Wahrheit ebenfalls aus dem Mehrwert bezahlt werden, vom „Lobbying“ bis zur „Unternehmensberatung“, vom Schmiergeld bis zur „Steueroptimierung“ usw. usf. Und das ist noch lange nicht alles. Denn hier beginnt erst die eigentliche „Kunst“ der „Bilanzpolitik“, der „Gestaltung“ der Bilanz, berechnet auf das Steuersystem, auf die Börse und die Banken etc., und damit die weitere Vernebelung. Daran ist leider nichts zu ändern.

Die Profitrate, wie sie an der Oberfläche des kapitalistischen Verwertungsprozesses, d.h. in der Zirkulation des Kapitals, erscheint

Wir gehen aus von der Profitrate des produktiven Bereichs, wie sie sich unmittelbar in der „Leistungs- und Strukturstatistik“ 2007 darstellt. Es ergibt sich mit einiger Rechnerei und nach Eliminierung der unproduktiven Bereiche für den produktiven Bereich eine Profitrate von etwa 18 % x. Diese Profitrate ist nichts anderes als der gewichtete Durchschnitt der Profitraten des Einzelkapitale, wie sie sich unmittelbar für das Einzelkapital in der Zirkulation darstellt, die Rate, die dem (produktiven) Kapital tatsächlich nach Durchlaufen nicht nur des Produktions-, sondern auch des Zirkulationsprozesses des Kapitals (Ausgleich der Profitraten und Verwandlung der Werte in Produktionspreise, Eintritt des Handelskapitals in den Prozess, Abzug von Zins und Grundrente, Transformation der Produktionspreise in Marktpreise) auf das eingesetzte Kapital zurückfließt. Das ist die Profitrate, wie sie „auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewusstsein der Produktionsagenten selbst“ (Marx) auftritt und wie sie daher den einzelnen Kapitalisten interessiert und treibt. Diese unmittelbar an den Tag tretende Profitrate wird in der Statistik mit Sicherheit untertrieben, verbergen sich doch wie erwähnt Profitbestandteile im variablen Kapital wie auch im konstanten.

Eine Profitrate von 18% erscheint auf den ersten Blick relativ hoch, verglichen mit früheren (wirklich oder vermeintlich) am Marxismus orientierten Schätzungen xi (und sowieso mit solchen reformistisch-kleinbürgerlicher Provenienz, die ja von vornherein bei allem „Gerechtigkeitsstreben“ ganz andere Anliegen haben). Wir sprechen allerdings von Schätzungen über frühere Zeitperioden, bevor noch – jedenfalls was Österreich betrifft – die Explosion der Industrieproduktivität und der Waren- und Kapitalexport in den 1990er Jahren richtig in Fahrt kamen bzw. ihre Wirkung auf die Profitrate voll entfalteten. Die „Produktivitätsrally“ setzte 1993 ein und legte ab 1995 nochmals zu, die des Kapitalexports Mitte der 1990er Jahre, um in den letzten zehn Jahren förmlich zu explodieren. Eine „Untersuchung zum Kapitalexport“ der ia.rkp aus Mai 2009 (siehe „Proletarische Revolution“ Nr.37) schätzt die Profitrate aus den österreichischen Direktinvestitionen mit zwischen 15% und (tendenziell eher gegen) 20% und das trägt mit dem repatriierten Anteil des ausländischen Profits zur Erhöhung der Profitrate bei. Und noch etwas hat die Profitrate erhöht: Da das Kapital immer weniger produktive Anlagesphären findet, stürzt es sich auf die reine Verwertung des Geldkapitals, das „Finanzgeschäft“, das höhere und schnellere Profite – zumindest zeitweilig – verspricht xii. Im Bereich des „produktiven Kapitals“ führt das dazu, dass man sich selbst mehr und mehr an der reinen Geldkapitalverwertung, Börsenspekulation etc. beteiligen muss, will man nicht hoffnungslos zurückbleiben. Also stürzt sich auch der Maschinenfabrikant in Finanzabenteuer und Spekulationsgeschäfte (oft ohne eigentlichen kommerziellen Hintergrund). In „guten Zeiten“ bläht das den Profit und die Profitrate auf.

Abzüge vom Mehrwert: Handelsprofit, Zins, Grundrente, unproduktive Bereiche

Zielte unsere Untersuchung nur auf die Profitrate, wie sie sich an der Oberfläche der kapitalistischen Zirkulation darstellt, wäre sie mit den o.a. 18% zu Ende. Sie begnügt sich damit aber nicht. Um uns Schritt für Schritt dahin vorzuarbeiten, ein Bild von den Ausbeutungsverhältnissen in Österreich zu gewinnen, um von hier aus in Richtung Mehrwertrate, und das heißt Mehrwertrate des produktiven Bereichs xiii, weiterzugehen, muss zunächst diese unmittelbar in der Zirkulation in Erscheinung tretende Profitrate „modifiziert“ werden. Es muss ihr vor allem zugerechnet werden, was das Handelskapital, das „zinstragende Kapital“ (Bankkapital, Börse, Kapitalmarkt, alles eben was Geldhandel betreibt und Zinsen lukriert) und das Grundeigentum sich an Mehrwert aneignen. Und was sonst noch alles an unproduktiven Bereichen und Kosten aus dem Mehrwert gedeckt werden muss. Der in der Zirkulation erscheinende Profit des produktiven Sektors setzt ja voraus, dass diese Abzüge vom Mehrwert schon erfolgt sind.

Beginnen wir mit dem Handelskapital. Das Handelskapital ist zwingend notwendig für die Zirkulation und damit den Gesamtprozess des Kapitals. Ohne Abschluss nicht nur des Produktions-, sondern auch des Zirkulationsprozesses, ohne definitive Realisierung des Warenwertes auf dem Markt könnte sich der Kreislauf des Kapitals, die Kapitalverwertung nicht materialisieren. Gäbe es kein Handelskapital, müsste das produktive Kapital diese Funktion selbst wahrnehmen und aus dem produzierten Mehrwert decken. Deshalb geht das Handelskapital in den Ausgleich der Profitraten genauso ein wie das produktive Kapital. Dennoch ist das Handelskapital unproduktiv, da es nur dem Umschlag der Waren, die Realisierung der Warenwerte, die Verwandlung von Ware in Geld und umgekehrt zum Gegenstand hat. Es lebt aus dem im produktiven Bereich erzeugten Mehrwert. Das Handelskapital zieht von diesem Mehrwert an sich, was es zur Deckung seines variablen Kapitals braucht plus zur Deckung seines Handelsprofits, und zwar letzteres entsprechend der gesamtwirtschaftlichen Durchschnittsprofitrate. Allerdings zählt nicht alles, was sich in der Sphäre des Handels abspielt, im eigentlichen Sinn zur Zirkulationssphäre. Es gibt eine Reihe von Funktionen, die mit der bloßen Realisierung der Warenwerte, dem „Formwechsel des Werts“, nichts zu tun haben, sondern eine „Verlängerung der Produktions- in die Zirkulationssphäre“ (Marx) sind, z.B. Transport, Lagerung, Sortierung, Aufbereitung und Verpackung, teilweise Endfertigung vor Ort. Diese Funktionen werden entweder vom Handelskapital oder von spezifischen Firmen (und manchmal auch vom produzierenden Kapital selbst) wahrgenommen. Als „Verlängerung der Produktions- in die Zirkulationssphäre“ sind sie produktiv und wird von den dort beschäftigten Arbeitern und Angestellten Mehrwert geschaffen. Man müsste daher genau genommen aus dem Handelskapital diese Funktionen herausnehmen, was aber mangels verlässlicher Daten unmöglich ist, sodass man auf eine Schätzung angewiesen ist. Wir nehmen zunächst das Handelskapital als Ganzes. Der Profit des Handelskapitals, gemessen am (verbliebenen) Profit des produktiven Kapitals, ist 25% xiv, das variable Kapital im Handelsbereich, ebenfalls aus dem Mehrwert zu zahlen, ist 42% davon, macht zusammen 67%. Allerdings sind darin auch die produktiven Elemente enthalten. Wie hoch sind diese? Soweit Struktur, Funktionsweise und Kostenrechnung großer Handelsketten oder Supermärkte, soweit man in diese trotz aller Publizitätsscheue einen Einblick gewinnen kann, hier als Anhaltspunkt taugen, schätzen wir den produktiven Anteil im Handelssektor (incl. der Transport-, Lager-, Verteil-, punktuell auch Endaufbereitungs- und Endproduktionsfunktion) mit 10% xv. Aus den 67% werden dann durch entsprechende Regruppierung des produktiven (der mehr wird) und des unproduktiven (der weniger wird) Bereichs etwa 57%, die tatsächlich als unproduktiver Abzug vom im produktiven Bereich erzeugten Mehrwert anzusetzen sind xvi.

Weiters muss man sonstige unproduktive Teile des Dienstleistungssektors, v.a. das Versicherungs- und Realitätenwesen, aber auch das ganze Gesockse von Beratern, Konsulenten und Anwälten, heraus- bzw. unsere Raten entsprechend hochrechnen. Es ergibt sich dafür, analog zur Vorgangsweise beim Handel, Profit und variables Kapital zusammengenommen, ein Wert von 48% .

Das „zinstragende Kapital“, d.s. Banken, Börsen, Investmentgesellschaften, aber auch Versicherungen usw., ist zwar praktisch nicht nur nicht wegzudenken aus dem Kapitalismus, sondern gewinnt im Gegenteil ein immer größeres Gewicht im Rahmen des Gesamtkapitals, ist aber dennoch nicht – wie das Handelskapital – in einem absoluten Sinn zwingend notwendig für den eigentlichen Kreislauf des Kapitals, für die Kapitalverwertung als solche. Es geht daher nicht in den Ausgleich der Profitraten ein. Es lukriert nicht eine Profitrate, die um die Durchschnittsprofitrate schwankt, sondern zieht je nach der Lage auf dem Geldmarkt einen größeren oder kleineren Anteil des Mehrwerts zu Lasten des produktiven (und auch des Handelskapitals) in Form von Zins an sich. Diesen Anteil des zinstragenden Kapitals schätzen wir mit 20%xvii.

Den Anteil der Grundrente kann man nicht vernünftig schätzen, braucht man aber auch nicht zwingend, da die Kapitalisten häufig entweder selbst Eigentümer ihrer Liegenschaften sind und dann die Grundrente selbst kassieren, oder die Grundrente sich – jedenfalls bei den größeren Firmen – oft als „Zinsen und zinsähnlicher Aufwand“ darstellt, weil sie gar nicht (rechtliche) Eigentümer ihrer Immobilien sind, sondern diese zwecks Liquiditätserhöhung bzw. Bilanzverkürzung und damit Kennzahlenschönung in sogenannte „sale and lease back“-Verträge ausgelagert haben, für die sie zuerst den „Verkaufserlös“ kassieren und dann zinsähnliche Leasingraten zahlen (um am Ende der Laufzeit das Leasingobjekt wieder zurückzukaufen).

Genauso muss man die unproduktiven Kosten in der produktiven Industrie selbst xviii, da ebenfalls Mehrwertbestandteile, schätzen und aus dem variablen und konstanten Kapital herausrechnen und dem Mehrwert bzw. Profit zuschlagen. Das ist ohne Zugriff zum Rechnungswesen der Firmen unmöglich. Man findet im publizierten Material keine Anhaltspunkte, weder in der bürgerlichen Statistik, noch in den Geschäftsberichten der Firmen, und in der Tat stellt sich dieser Unterschied zwischen produktiven und unproduktiven Kosten für den praktischen Kapitalisten auf der Jagd nach dem Profit nicht als wesentlich dar, Kosten sind für ihn Kosten. Was es aber in jeder Firma mit einer ordentlichen Kostenrechnung gibt, sind Aufschlagsätze auf die „Fertigungskosten“, um die „Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten“ (oder wie immer sie heißen mögen) abzudecken und in der Kalkulation unterzubringen. Wie weit das etwas über produktiv oder unproduktiv aussagt, sei dahingestellt (denn nicht alles, was nicht als direkt zuordenbare Einzelkosten erfasst wird, ist deshalb unproduktiv), aber es bietet uns immerhin einen Anhaltspunkt. Diese Sätze liegen in großen Industriekonzernen meist zwischen 10% und 20%. Wir setzen also hier 15% unproduktive Kosten an xix.

Durch neuerliches Hinzurechnen aller dieser Abzüge ergibt sich die tatsächliche Profit- und Mehrwertrate

Wenn das alles so ist, wird aus einer Profitrate von 18% eine „modifizierte“ (d.h. um die Umverteilung von Profitbestandteilen zu unproduktiven Sektoren bereinigte) Profitrate von etwa 64% xx. Bezieht man den Profit (= Zähler) nicht auf das Gesamtkapital, variabel und konstant, sondern nur auf das variable Kapital als Nenner, ergibt sich – bei der in der Statistik ausgewiesenen organischen Zusammensetzung des Kapitals von 2,7 – eine „modifizierte“ Mehrwertrate von etwa 237% xxi. Das heißt, der Mehrwert steht zum variablen Kapital im Verhältnis 70:30 xxii oder das Kapital eignet sich 70% des Wertprodukts der Arbeiterklasse an. Berücksichtigte man noch die im Zuge der Untersuchung erwähnten Faktoren, die Profitbestandteile im variablen und konstanten Kapital verbergen, einige sehr „vorsichtige“ Ansätze (z.B. bei der Zinsquote) etc., käme man wohl auf eine Ausbeutungsrate von an die 240%.

Auswirkungen des Kapitalexports: Bereinigung der Profit- und Mehrwertrate um die repatriierten Auslandsprofite

Allerdings: Es stammen Teile des Profits nicht aus der Ausbeutung österreichischer, sondern aus der ausländischer Arbeitskraft. Dazu kommen wir gleich noch. Dennoch sagen diese Zahlen etwas aus, denn woher immer der Mehrwert bzw. Profit kommt, die österreichische Bourgeoisie verfügt darüber xxiii. Um aber die sozusagen innere österreichische Profit- und Mehrwertrate scharf herauszuarbeiten, müsste man den aus dem Kapitalexport, aus der Ausbeutung ausländischer Arbeitskraft stammenden Profitteil herausrechnen. Wie wirkt sich der Kapitalexport bzw. das im Ausland akkumulierte Kapital auf unsere Raten aus? Auf den respektiven Nenner (d.i. v bzw. (c+v)) überhaupt nicht, denn c und v befinden sich im Ausland und finden sich in keiner österreichischen Statistik. Auf den Zähler (m) schon, und zwar insofern, als Teile des im Ausland erzeugten Mehrwerts bzw. Profits nach Österreich repatriiert werden und sich dadurch der in Österreich, auch in unseren Statistiken, ausgewiesene „österreichische“ Mehrwert bzw. Profit vergrößert. Die ermittelten Raten sind daher um diesen Einfluss zu neutralisieren. Andernfalls ginge ja in unsere Schätzung von ausländischen Abteilungen der Arbeiterklasse produzierter und von der österreichischen Bourgeoisie angeeigneter Mehrwert bzw. Profit ein, obwohl das dementsprechende variable und konstante Kapital in dieser Schätzung nicht berücksichtigt wäre. Um das neutralisieren zu können, müsste man wissen, wieviel vom Profit auf im Ausland erzeugten Mehrwert bzw. Profit entfällt. Wir haben diesen Anteil mit etwa24% xxiv berechnet.

Es ergibt sich durch Herausrechnung dieses aus dem Kapitalexport herrührenden Profitanteils xxv eine erstens um die Zirkulationssphäre und anderes Unproduktives „bereinigte“ und zweitens um den Beitrag des Kapitalexports neutralisierte Profitrate von 49% und eine analoge Mehrwertrate der inländischen Kapitalverwertung von 180%. Dies heißt, dass die ständig steigende Produktivität und Intensität der Arbeit inzwischen dazu geführt hat, dass von einem durchschnittlichen österreichischen Arbeitstag 64% oder fast zwei Drittel auf Mehrarbeit und 36% auf notwendige Arbeit entfallen, notwendig nämlich zur Reproduktion des Werts der Arbeitskraft derjenigen, die durch ihre Arbeit 100% des Werts, inklusive Mehrwert, produzieren. Oder, um es anschaulicher zu machen, bei einem 8-Stunden-Tag arbeitet der Arbeiter nur mehr 2,9 Stunden für seine eigene Reproduktion und 5,1 Stunden für den Kapitalisten.

Wir betonen aber nochmals, dass, wenn wir – für den Zweck dieser Untersuchung – aus dem realisierten Gesamtprofit herausgerechnet haben, was in ihm an im Ausland erzeugten Mehrwert enthalten ist, das natürlich nichts daran ändert, dass die österreichische Bourgeoisie über diesen genauso verfügt wie über den in Österreich angeeigneten. Im Gegenteil macht gerade das große Gewicht des ausländischen Teils des Gesamtprofits die spezifische Ausprägung und relative Bedeutung des österreichischen Imperialismus aus.

Widerspruch zwischen langfristiger Tendenz des Falls der Profitrate und zeitweiligen Gegenbewegungen

Soweit ist das eine „Momentaufnahme“ des Jahres 2007. Wie hat sich die Profitrate über einen längeren Zeitraum historisch entwickelt? Das Kapital, davon geht die marxistische Politische Ökonomie aus, produziert selbst im Zuge seines Akkumulationsprozesses einen tendenziellen Fall der Profitrate. Diese Gesetzmäßigkeit wird im „Kapital“ III ausführlich begründet und erörtert. Ohne hier ins Detail gehen zu können, nur soviel: Das Kapital muss in seiner Jagd nach Maximalprofit stets danach trachten, nicht nur die Ausbeutung des Arbeiters zu steigern, sondern auch die Produktivität zu erhöhen. Das geht aber – neben sonstigen Verbesserungen des Produktionsprozesses – nur durch Verbesserung der Produktionsmittel, was wiederum in aller Regel höhere Investitionen in dieselbe verlangt. Außerdem – mindestens genauso wichtig – bewegt der Arbeiter dadurch größere Massen zirkulierenden Kapitals (Rohstoffe, Betriebsstoffe, Werkzeuge…). Zunehmend wird in der kapitalistischen Produktion der Arbeiter durch die Maschine ersetzt. Damit wird aber die „lebendige Arbeit“, die alleine Wert und damit Mehrwert schafft, zunehmend durch „tote Arbeit“, vergegenständlicht im fixen Kapital, ersetzt. Der produzierte Mehrwert wird zwar, wenn zugleich die Ausbeutung steigt (Senkung der Löhne, Steigerung der Arbeitsintensität, Verlängerung des Arbeitstages…), größer, die Mehrwertrate steigt, aber bezogen auf das noch stärker wachsende konstante Kapital sinkt dennoch die Rate des Profits. In ihrer Jagd nach dem Maximalprofit untergraben sich daher die Kapitalisten auf Dauer die Basis der Mehrwertproduktion.

An der Oberfläche der Erscheinungen kommt diese Gesetzmäßigkeit z.B. in langfristig sinkenden Wachstumsraten xxvi zum Ausdruck.

……………………………  BIP            BWS               BWS/Industrie

1960-1970                4,72           n.a.                 5,36

1970-1980                3,62           3,02                 3,69

1980-1990                2,16           2,24                 2,42

1990-2000                2,53           2,58                 2,68

2000-2008                2,07           2,21                 3,53

2000-2009e              1,45           1,59                 n.a.

2000-2005                1,59           1,72                 2,04

2005-2009e              1,28           1,43                 n.a.

Schätzung 2009e      -3,75          -3,80                n.a.

Seit Jahren dümpelt das Werkel mit immer niedrigeren Wachstumsraten dahin. Das ganze System neigt zu Stagnation und steigender Krisenanfälligkeit. Dauerdepression tritt tendenziell an die Stelle des klassischen Konjunkturzyklus mit abwechselnden Aufschwüngen und Krisen. Kennzeichnend werden immer mehr Phasen geringen Wachstums oder „Nullwachstums“, Stagnation, Phasen der Depression, gepaart mit nur kurzen und oberflächlichen Aufschwüngen, dauerhafte Überkapazitäten und dauerhafte Massenarbeitslosigkeit. Das Kapital leidet unter akutem Mangel an produktiven Anlagesphären, die einen ordentlichen Profit abwerfen. Daher muss es, neben der immer wilderen Steigerung der Ausbeutung im Inneren und der immer brutaleren Ausplünderung der abhängigen Länder, in Finanzanlagen und Finanzspekulation drängen, die – gegründet nur auf Umverteilung des anderswo produzierten Mehrwerts einerseits und auf spekulativen Vorgriff auf in Zukunft zu produzierenden Mehrwert andererseits – einen höheren Profit versprechen. Nur die dadurch zwangsläufig entstehenden Spekulationsblasen, die wir in regelmäßigen Abständen erleben, bringen ein bisschen Leben in die Bude und könnten allenfalls noch als Zeugen der „Vitalität“ des kapitalistischen Systems angeführt werden. Der tendenzielle Fall der Profitrate ist daher auch die Wurzel des Anstiegs der Finanzspekulation, der Spekulationsblasen, des immer krasseren Übergewichtes des Geldkapitals gegenüber dem produktiven Kapital, des massenhaft herumvagabundierenden Geldkapitals, das Anlagemöglichkeiten sucht, aber anderswo als in diesen Spekulationsblasen nicht findet. Sie steckt auch hinter der Verschärfung der kapitalistischen Konkurrenz und der steigenden Militarisierung und Kriegsgefahr. In den oben angeführten Zahlen kommen sowohl diese jüngste „Vitalität“ als auch ihr abruptes Ende deutlich zum Ausdruck: Der auf Sand gebaute „Boom“ im Zeitraum 2005-2008, der sich jetzt, gegen Ende des Jahrzehnts in Luft auflöst. Ebenso deutlich sichtbar der „Aufschwung“ der 1990er Jahre, der mit der Wirtschaftskrise 2001-2003 (die zugleich ein krachendes Zerplatzen der „new technologies“ bzw. „new markets“ Blase war) sein jähes Ende fand und nur durch den systematischen Aufbau der inzwischen zu trauriger Berühmtheit gelangten sogenannten „sub prime“ Blase „überwunden“ wurde.

Aber das Kapital versucht klarerweise mit aller Macht, gegen den tendenziellen Fall der Profitrate anzuarbeiten. Das ist der Hintergrund der Feldzüge zur Steigerung der Ausbeutung und Ausplünderung im Inneren und des aufblühenden Expansionismus und Neokolonialismus nach außen. Der tendenziell sinkenden Profitrate kann entgegengewirkt werden: Steigerung der Ausbeutung in noch nie da gewesenem Ausmaß durch Intensivierung und Verlängerung des Arbeitstags sowie Lohndrückerei (und neuerdings immer mehr Lohnprellerei), bei gleichzeitiger Pauperisierung großer Teile der Arbeiterklasse und des Volkes; stärkere innere Durchkapitalisierung der kapitalistischen Gesellschaften, indem immer neue und weitere Bereiche, die früher überhaupt nicht Gegenstand einer kapitalistischen Verwertung waren, in diese einbezogen werden, oft mit einer niedrigen organischen Zusammensetzung des Kapitals („Dienstleistungen“!); Entstehen neuer Branchen ebenfalls mit hohem Anteil der lebendigen Arbeit (z.B. in der IT-Branche); Extraprofit aus dem Warenexport (weil in der Konkurrenz mit technologisch schwächeren, daher weniger produktiven, aber arbeitsintensiveren Kapitalen durch den Ausgleich der Profitraten Mehrwert umverteilt wird) und aus dem Warenimport (Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals xxvii, ggf. auch von Konsumgütern und damit der Reproduktionskosten des variablen); Steigerung der Umschlagsgeschwindigkeit des Kapitals; Kapitalexport und zunehmende Durchkapitalisierung der abhängigen Länder, für Österreich vor allem auch die „Einbeziehung“ Osteuropas und der früheren Sowjetunion in die Kapitalverwertung, die Restauration und neuen Blüte des Kapitalismus in China…; und als Grundlage von bzw. bei alledem banal die Erhöhung der Produktivität der Arbeit, die zwar auf weitere Sicht den tendenziellen Fall der Profitrate gerade verursacht, aber zugleich temporär dem Kapital die Möglichkeit gibt, sich fremden Mehrwert zu Lasten des weniger produktiven Kapitals anzueignen und Elemente des konstanten Kapitals zu verbilligen. Diese dem tendenziellen Fall der Profitrate entgegenwirkenden Faktoren können zeitweise sogar überwiegen, wenn nämlich z.B. sprunghafte Erweiterungen des kapitalistischen Verwertungsraumes eintreten (wie es durch die Entwicklung in Osteuropa und der Sowjetunion sowie etwas später in China der Fall war) oder durch neue Technologien ausgelöste Produktivitätssprünge stattfinden oder aufgrund der objektiven und subjektiven Lage der Arbeiterklasse, so dass diese sich gegen die Steigerung von Ausbeutung und Ausplünderung nicht (ausreichend) zur Wehr setzen kann – aber sie können den Gang der Dinge letztlich nicht aufhalten. Beide Seiten, das Wirken der langfristigen Tendenz und die entgegenwirkenden Faktoren, sind nur zwei Seiten ein- und desselben kapitalistischen Akkumulationsprozesses und untrennbar miteinander verbunden, es ist nämlich so, „dass dieselben Ursachen, die das Fallen der allgemeinen Profitrate hervorbringen, Gegenwirkungen hervorrufen, die diesen Fall hemmen, verlangsamen und teilweise paralysieren. Sie heben das Gesetz nicht auf, schwächen aber seine Wirkung ab. Ohne das wäre nicht das Fallen der allgemeinen Profitrate unbegreiflich, sondern umgekehrt die relative Langsamkeit dieses Falls. So wirkt das Gesetz nur als Tendenz, dessen Wirkung nur unter bestimmten Umständen und im Verlauf langer Perioden schlagend hervortritt.“ (MEW 25, S.249)

Die Rolle der „Finanzsphäre“ bei der scheinbaren oder zeitweise auch wirklichen „Überwindung“ der Tendenz der Profitrate zum Sinken wurde schon erwähnt und wird derzeit aus aktuellem Anlass sehr oft und sehr breit, aber meistens sehr falsch ausgewalzt. Hier ist nicht der Platz, das näher zu behandeln (obwohl es dazu viel zu sagen und übrigens auch viel Unsinn, der darüber geschrieben wird, zu korrigieren gäbe). Wir werfen statt dessen einen – selten geworfenen – Blick auf ein anderes charakteristisches Phänomen, nämlich die sinkende „Investitionsneigung“, wie dieses Sorgenkind der Bourgeoisie in der bürgerlichen Ökonomie heißt. Es geht um die „Sachanlageinvestitionen“ (also nicht „Investments“ in „Finanzanlagen“ und Luftblasen). Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Brutto- und der Nettoanlageinvestitionen seit 1960, jeweils ausgedrückt in % des BIP.

Anlageinvestitionen (in % des BIP)

……….. brutto                     netto

1960   24,8                       11,2

1965   27,0                       12,7

1970   25,3                       11,8

1975   26,2                       12,3

1980   25,4                       11,5

1985   22,2                       7,9

1990   23,7                       9,5

1995   23,6                       8,8

2000   24,0                       8,9

2005   21,7                       6,4

2008   21,8                       6,9

Der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen fiel von seinem Höhepunkt 1965 mit 27% auf 21-22% in den letzten Jahren. Noch signifikanter die Entwicklung der Nettoanlageinvestitionen, das sind die Bruttoinvestitionen abzüglich dem Verschleiß an fixem Kapital, also den planmäßigen Abschreibungen und gegebenenfalls (z.B. im Fall von Krisen, Bankrotten, Zusperren wegen Produktionsverlagerungen, aber auch technischen Sprüngen, sodass die alte Technologie und der alte Produktionsapparat nicht mehr profitabel zu gebrauchen sind) Sonderabschreibungen oder Entwertungen des fixen Kapitals. Der Anteil der Nettoanlageinvestitionen am BIP fiel von seinem Höhepunkt mit 12,7% auf 6-7%, also fast auf die Hälfte. Das heißt, dass erstens nur mehr etwas mehr als ein Fünftel des BIP überhaupt für Sachanlageinvestitionen verwendet wird und zweitens der investierte Kapitalstock – nach Abzug der immer größer werdenden Abschreibungen (der Ersatz verschlissenen bzw. abgeschriebenen Kapitals macht schon mehr als zwei Drittel der gesamten Bruttoinvestitionen aus) – nur mehr um ein Fünfzehntel des BIP wächst. Der investierte Kapitalstock wächst mit 6-7% pro Jahr nur mehr halb so viel wie vor 30-40 Jahren. Dabei ist zudem zu bedenken, dass in diesen Zahlen nicht nur die Investitionen des produktiven Kapitals, sondern auch die der unproduktiven Sektoren (z.B. die der Banken, Versicherungen, des Handels und anderer unproduktiver Bereiche) enthalten sind xxviii. (Es handelt sich hierbei wohlgemerkt um das inländische BIP und die inländischen Investitionen. Der Kapitalexport ist in diesen Zahlen nicht abgebildet und er stellt in der Tat einen zwar zeitweiligen, aber wichtigen Ausweg aus dem Dilemma dar.)

So steuert der Imperialismus in Richtung progressiver Verlangsamung der Akkumulation und Stagnation (außer, wie schon erwähnt, dem periodischen Aufbäumen bei den „Finanzanlagen“ und Luftblasen). Natürlich gilt das nicht in einem absoluten Sinn, im Gegenteil entwickelt die ungeheure Masse des akkumulierten Kapitals (wie die Masse des produzierten Mehrwerts) für sich genommen schon eine große Wucht, schwillt die Profitmasse weiter an, sehr wohl aber gilt es relativ im Verhältnis zum investierten Kapital. Genau das aber, die sich fortgesetzt potenzierende Akkumulation und progressiv wachsende Profite, ist der eigentliche Lebensnerv des Kapitals. So wächst die ökonomische Bredouille, in der sich das kapitalistische System befindet. Alle Lösungs- und Ausbruchsversuche, von den Finanzblasen über Wirtschaftskrisen bis zu Kriegen und der mit allen diesen wunderbaren Errungenschaften „der besten aller Welten“ verbundenen Kapitalvernichtung, wirken nur zeitweilig und relativ. Der antagonistische Widerspruch zwischen der Entwicklung der Produktivkräfte, wenn auch längst in die Fesseln des Kapitals geschlagen, behindert, pervertiert, und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen tritt gerade heute wieder machtvoll und augenscheinlich hervor xxix.

Wenn bzw. insoweit die wirkliche Akkumulation mangels profitabler Investitionsmöglichkeiten nicht mehr klappt, stürzt sich das Kapital in die Akkumulation von Geldkapital außerhalb der produktiven Sphäre und in deren spekulative Aufblähung. Statt zu („sach“)investieren, wird im Finanzbereich, im unproduktiven Kreislauf des reinen Geldkapitals, „gearbeitet“ und spekuliert. Gesellschaftlich stellt sich das dar als wachsende Macht des Finanzkapitals und speziell des reinen Geldkapitals (Banken, Versicherungen, Börsen, Fonds jeder Art und andere Geldkapitalanhäufungen sowie angelagerte Bereiche wie Rating-Agenturen…). Auf Ebene der produktiv tätigen Firmen stellt es sich dar als wachsende Bedeutung solcher unproduktiven Aktivitäten zwecks Partizipation an der Mehrwertumverteilung und als zunehmender Druck in Richtung immer höherer Dividendenausschüttungen. Kein Wunder, dass das in Form von Geldkapital existierende Kapital eine fulminante Entwicklung nimmt. Warum kann aber diese Anhäufung und Aufblähung von über weite Strecken fiktivem Kapital überhaupt funktionieren? Was ist ihr Inhalt? Es sind Wetten auf zukünftigen Profit. Wie ein Pyramidenspiel. Kommt die Spirale aus inneren oder äußeren Gründen ins Stocken, erweist sie sich als das, was sie ist, als Luft, als dubiose Wette auf eine plötzlich wieder ganz ungewiss erscheinende Zukunft. Aber zeitweilig ist das „Finanzgeschäft“ eine Möglichkeit, dem tendenziellen Fall der Profitrate entgegenzuwirken, zeitweilig wohlgemerkt, bis zum nächsten Krach oder (sofern der Staat einspringt) bis zum übernächsten. Die Profitrate kann dann sogar zeitweise steigen, aber dieses Steigen ist auf Sand gebaut und nimmt, wie wir soeben sahen, früher oder später ein jähes Ende.

Die Entwicklung der Profitrate von 1945 bis 2008

Vor diesem Hintergrund jetzt ein kurzer kursorischer Blick auf die Entwicklung der Profitrate seit dem Zweiten Weltkrieg xxx. Wir hatten ab 1945 zunächst bis etwa Mitte der 1950 Jahre eine steigende Profitrate. Das war der Rekonstruktionsphase nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet und ein Sonderphänomen; ab 1955, als sich diese Phase allmählich ihrem Ende zuneigte, ging es mit der Profitrate wieder bergab und immer steiler bergab. Bis etwa 1953/1954 war der Fixkapitalstock (Fabriken, Anlagen, Maschinen…) „wiederaufgebaut“ (was die Konversion der Rüstungsindustrie einschließt), ab nun wurden Erweiterungs- und Rationalisierungsinvestitionen in großem Stil und in raschem Tempo vorgenommen. Das „Wirtschaftswunder“ der 1950er Jahre war nicht nur eine Zeit steigender Produktionsvolumina, sondern auch steigender Investitionen, eines rasch wachsenden Fixkapitalstocks, steigender Produktivität der Arbeit mit dementsprechend höheren Einsatz von zirkulierendem Kapital, steigende organische Zusammensetzung des Kapitals. Das alles drückt – selbst bei steigender Mehrwertrate – tendenziell auf die Profitrate, auch wenn es zeitweilig – vermittels von Produktivitätsvorsprüngen – die Umverteilung von Mehrwert und damit ihre Erhöhung erlaubt. Und was war mit dem Ausbeutungsgrad bzw. der Mehrwertrate? Mit diesem Investitionsschub und dieser Produktivitätserhöhung war untrennbar verbunden einerseits die Erhöhung der Intensität der Arbeit, was dämpfend auf die Nachfrage nach Arbeitskraft wirkt, aber es bedeutete andererseits auch, und zwar in noch stärkerem Maß, eine Ausdehnung der notwendigen Arbeiterzahl, was zusammen mit demographischen Faktoren zu „Vollbeschäftigung“ und „Anspannung des Arbeitsmarktes“ führte, was der Steigerung der Ausbeutung vor allem auf der Lohnseite Schranken setzte. Zwar wirkten die Steigerung der Intensität und der Produktivität der Arbeit (und auch die gewaltige staatliche Umverteilungsmaschinerie) positiv auf die Profitrate, aber insgesamt überwogen die negativen Faktoren. Die Profitrate sank trotz steigender Mehrwertrate kontinuierlich bis Mitte der 1970er Jahre, und zwar erheblich xxxi. Dann konnte diese Entwicklung durch einen gewaltigen Schub in der Steigerung der Ausbeutung gestoppt und zeitweise sogar umgedreht werden. Warum war das möglich, was hatte sich verändert? Die schon tot geglaubten Wirtschaftskrisen hatten wieder eingesetzt (die erste Nachkriegskrise von 1963 löste unter anderem den Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods aus), eine industrielle Reservearmee in Form wachsender Arbeitslosigkeit hatte sich gebildet, die Organisierung von Arbeiternachschub in Form von „Gastarbeitern“ hatte begonnen. Die Arbeiterklasse hatte zwar Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre Abwehrkämpfe geführt, auch in Österreich gab es die bedeutende Streiks, noch dazu meist selbständige Streiks gegen Willen und Widerstand der ÖGB-Bürokratie, aber sie war letztlich gescheitert, zu einem großen und dauerhaften Aufschwung des Klassenkampfes kam es nicht. Überkommene Schranken der Steigerung der Ausbeutung wurden niedergerissen. Ab Ende der 1970er und in den 1980er Jahren setzte eine Aufholjagd der österreichischen Bourgeoisie gegenüber den anderen imperialistischen Ländern bezüglich Ausdehnung der Produktion, technologischem Niveau und Produktivitätssteigerung ein. In den 1990er Jahre zeigten sich bereits klar die Erfolge. Ein wichtiger Punkt neben anderen war die Überwindung des chronischen Handelsbilanzdefizits durch Steigerung der Exporte und die Verbesserung der Exportstruktur in Richtung höherwertiger Produkte und Leistungen. Das Handelsbilanzdefizit betrug 1980 noch – 8,7% vom BIP, 1990 nur mehr – 4,8%, um schließlich ab 2002 ausgeglichen zu sein. International hatte eine neue Welle der neokolonialen Durchdringung der abhängigen Länder eingesetzt, alles an Unabhängigkeitsbestrebungen war im Bündnis mit sich neu formierenden Kompradorenbourgeoisien nieder- und zunichte gemacht worden. Und es erwuchsen dem Kapital durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und des COMECON sowie auch – etwas später – im Gefolge der kapitalistischen Restauration in China neue Verwertungssphären. Anfang der 1990er Jahre setzte der Kapitalexport ein, zuerst noch etwas schüchtern, ab etwa Mitte des Jahrzehntes sich exponentiell beschleunigend. Das alles, Anstieg des Waren- wie des Kapitalexports, erhöhte die Profitmasse der Bourgeoisie massiv. Aber ebenfalls, ja Hand in Hand damit hatte – mit dem Wachstum der Industrieproduktion xxxii – ab 1982 die „Industrieproduktivität“ xxxiii deutlich und kontinuierlich zu steigen begonnen und ab 1993 ging dieser Prozess in eine formidable Beschleunigung der Produktivitätssteigerung über, sodass die österreichische Produktivität den EU-Durchschnitt 1995 „durchstieß“ und richtiggehend davonzog (die jährliche Produktivitätssteigerung 1995-2005 war doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt!). Während die massive Steigerung der Produktivität, die ebenso massive Steigerung der Ausbeutung einer völlig am Boden liegenden und immer weiter niedergetretenen Arbeiterklasse, der Warenexport (Extraprofit durch Mehrwertumverteilung!) sowie der Extraprofit aus dem Kapitalexport (direkte Aneignung ausländischen Mehrwerts!) die Profitrate erhöhen, wird sie gleichzeitig durch die steigende organische Zusammensetzung des Kapitals, die mit der technologischen Entwicklung und der Produktivitätssteigerung unweigerlich einhergeht, gesenkt. Es liegt kein ausreichendes statistisches Material vor, aber es ist bei Abwägung aller Faktoren wohl davon auszugehen, dass – nach dem Fall der Profitrate bis in die zweite Hälfte der 1970er Jahre – sich in den 1980er Jahren die erhöhenden und die senkenden Faktoren kompensierten und eher von einer unentschieden oszillierenden Profitrate auszugehen ist, während in den 1990er Jahren die erhöhenden Faktoren überwogen und es daher zu einem Anstieg der Profitrate kam xxxiv.

Im letzten Jahrzehnt, und in den allerletzten Jahren immer mehr, entfaltete sich zudem voll die Aufblähung des Finanzsektors, sowohl des Bankensektors als auch der Rolle von Finanztransaktionen bei den Industrieunternehmen und unglaubliche Spekulationsblasen. Damit einher ging die Aufblähung der Profite, zu einem erheblichen Teil zwar nur „heiße Luft“, aber dennoch zumindest zeitweise im kapitalistischen Werkel „wirklich“, wirksam und in den Bilanzen und in der Profitrate tatsächlich abgebildet. Die massiv „steigenden Unternehmensgewinne“ des letzten Jahrzehnts, die regelrecht zu explodieren schienen, weit über das Wachstum der wirklichen „Wertschöpfung“ und Produktion hinaus, waren in erheblichem Maß fiktiv. In der Zeit der financialisation und des shareholder value musste jedes Kapital, um attraktiv zu sein, mindestens zweistellige Wachstumsraten haben, einige Sektoren sogar über 20%, um an den Börsen zu reüssieren und gegenüber den Banken kreditwürdig zu bleiben. Sogar ein ganz gewöhnlicher Maschinenfabrikant musste sich mehr mit „Finanzmanagement“ und Bilanzmanipulation befassen als mit Maschinen. Ein bisschen hatte sie schon die letzte Krise 2001-03 eingeholt, aber das Spiel ging munter weiter, auf die „new technologies“- Blase 2000-2002 folgte ein nur auf Spekulation und Schulden gestützter „Aufschwung“, der schließlich zur Immobilienblase 2007-08 führte. (Kaum war diese Blase geplatzt, kam es schon wieder zu einer neuen Blase, der auf den Rohstoffmärkten 2008, die sich allerdings wieder unspektakulär zurückbildete xxxv.) Alle begleitet von Börsen- und Finanzkrisen. Alle begleitet auch von Krisen der „Realwirtschaft“, wobei die jetzige die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ist xxxvi.

Profitrate und Mehrwertrate 1995 bis 2008

Werfen wir jetzt noch einen Blick auf die jüngste Vergangenheit, d.h. den Zeitraum 1995 – 2007, für den eine halbwegs aussagekräftige und konsistente Statistik verfügbar ist xxxvii:

………….. Mehrwertrate     Profitrate              Organ.Zus.setzung.

1995   42,5                 15,1                     1,8

1997   47,9                 16,5                     1,9

1998   50,6                 17,3                     1,9

1999   50,6                 17,3                     1,9

2000   51,2                 16,5                     2,1

2001   53,2                 16,7                     2,2

2002   58,7                 18,0                     2,3

2003   58,4                 17,6                     2,3

2004   59,0                 17,0                     2,5

2005   61,5                 17,1                     2,6

2006   65,7                 17,3                     2,8

2007   69,3                 17,8                     2,9

Wir sehen einen Anstieg der Profitrate zu Ende der 1990er Jahre bis zur Krise 2001-2003 und einen Einbruch bei Krisenbeginn. Der „Ausreißer“ nach oben 2002 und auch 2003, kurz vor bzw. am Ende der Krise, muss auf Sonderfaktoren zurückzuführen sein und erklärt sich wahrscheinlich hauptsächlich daraus, dass die Industrieproduktion und die industrielle Produktivität bereits ab 2001 wieder deutlich anzogen, gestützt auf eine (immer noch) anhaltende relativ günstige Exportkonjunktur und die damit verbundenen Extraprofite xxxviii. Seit 2004 stieg dann die Profitrate Jahr für Jahr an. Legt man einen längerfristigen Trend in diese Zahlen, sieht man eher eine stagnierende Profitrate; kurzfristig sieht man die Aufwärtswelle bis zur Krise 2001-2003, den Einbruch im Zuge der Krise und einen neuerlichen Anstieg seit 2004. Die Mehrwertrate steigt Jahr für Jahr an, insgesamt um 63%. Aber es steigt eben auch die organische Zusammensetzung des Kapitals in der gleichen Größenordnung (61%); das konstante Kapital, das vorgeschossen werden muss, wird – relativ zum variablen – immer größer, und das drückt auf die Profitrate. Die seit 2004 wieder steigende Profitrate erklärt sich daraus, dass – neben der Steigerung der Ausbeutungsrate – auch andere „dem Fall der Profitrate entgegenwirkende Faktoren“ gewirkt haben, namentlich der Kapitalexport und das „Finanz“geschäft. Man kann sich leicht ausmalen, wie es der Profitrate gegangen wäre, wenn es keinen Kapitalexport und kein „Investment“-, „Finanz“- und Spekulationsgeschäft zur Aufblähung der Profite gegeben hätte, wenn es keine „Bilanzgestaltung“ xxxix gäbe und die Bilanzierungsregeln nicht geändert worden wären. Wenn man das alles bedenkt, nimmt sich die Entwicklung der Profitrate in diesem Zeitraum sogar bescheiden aus. Bei allem zeitweiligen Steigen macht sich eben doch der langfristige Trend bemerkbar.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick in die Geschäftsberichte der wichtigsten Firmen. Offenbar, auch nicht überraschend, verteilen sich Profit und Profitrate unter Bedingungen des monopolistischen Kapitalismus nicht gleichmäßig auf alles Kapital. Es zeigt sich auf den ersten Blick sofort ein massiver Anstieg nicht nur der Profitmasse, sondern auch der Profitrate bei den großen börsenotierten Kapitalen. So stieg z.B. die jeweils verwendete bilanzielle Profitratenkennzahl („return on capital employed“ oder „return on equity“) bei der „Verbundgesellschaft“ 2004-2008 um +94% oder bei der Strabag 2004-2007 um +78%, wobei es allerdings 2008 ein Rückgang von -18% gab. Die ÖMV erreichte den Höhepunkt 2005 (mit +47% gegenüber 2003!), allerdings mit einem darauf folgenden Rückgang von -27% bis 2008, die Voest Alpine 2006 (mit +175% gegenüber 2004!), allerdings einem Einbruch von -55% seither. Allerdings stand der relative Höhenflug, wie man spätestens 2008 sah, auf tönernen Füßen. Das Schwächeln und dann der Rückgang der Profitrate in vielen Bereichen ab 2006/07 war schon Vorbote der Krise, die trotz aller Finanz- und Bilanzspielchen heranreifte.

2009 gibt es mit Sicherheit einen erheblichen Einbruch der Profitrate. Zugleich aber ist die Krise ein gewaltiger Anschub zur Steigerung der Ausbeutung, zur beschleunigten Konzentration und Zentralisation des Kapitals etc. Wie es weitergeht hängt davon ab, wie tief die Krise wird, wieweit es zu tatsächlicher Kapitalvernichtung kommt, tatsächliche Kapitalvernichtung in Form von Produktionskapazitäten wohlgemerkt, nicht das Ablassen „heißer Luft“, und wie es, sobald einmal der Tiefpunkt der Krise erreicht ist, weitergeht, anders gesagt, wie stark und andauernd die Depression sein wird, die auf die akute Form der Krise folgen dürfte, nachdem von staatlicher Seite alles getan wird, um die Kapitalvernichtung in Grenzen zu halten, was aber wiederum die Staatsverschuldung gewaltig erhöht und zu weiterer Beschränkung der Konsumkraft der Massen, aber auch zur starken Einengung staatlicher Handlungsspielräume führen wird. Wenn sich die Dinge so entwickeln, wie es aus heutiger Sicht ausschaut, nämlich eine „Überwindung“ der Krise ohne „ausreichende“ Kapitalvernichtung (Vernichtung von wirklichem Kapital!) in dem Ausmaß, wie es notwendig wäre, um die Akkumulation des Kapitals wieder auf „angemessenem“ Niveau der Profitrate in Gang zu bringen xl, damit weiterhin hoher Druck auf die Profitrate, aber in Zukunft eingeschränktere Möglichkeiten der Kompensation durch Waren- und Kapitalexport, massiv sinkende Konsumtionskraft der Massen…, dann besteht die Perspektive in einer Dauerdepression. Klar ist, bei allen Fragezeichen über den konkreten Verlauf, dass die Bourgeoisie nur eine Chance hat, den Verfall der Profitrate in der Krise zu bremsen oder sogar zeitweilig zu stoppen, nämlich einen neuerlichen, noch einmal verschärften gewaltigen Ausbeutungs- und Ausplünderungsfeldzug nach innen und auf internationaler Ebene zu führen und zugleich den Widerstand der Arbeiterklasse und des Volkes niederzuhalten – oder, wenn Sozialdemokratismus, Reformismus und Revisionismus es „friedlich“ nicht mehr schaffen, – Widerstand und Rebellion eben niederzuschlagen. Klar ist ebenfalls, dass sich die imperialistische Konkurrenz, der Wirtschaftskrieg, die politische und militärische Rivalität zwischen den verschiedenen Abteilungen der internationalen Bourgeoisie (unter Konstellationen, die noch in Entwicklung und Umgruppierung begriffen sind) massiv verschärfen werden. Das System steuert daher in beschleunigtem Tempo auf neue Kriege zwischen den Imperialisten zu. Der Krieg war, ist und bleibt die „ultima ratio“ des Imperialismus.

GLOSSAR

Mehrwertrate, Profitrate, organische Zusammensetzung des Kapitals

Die Mehrwertrate (m’) ist das Verhältnis des Mehrwerts (m) zum variablen Kapital (v), d.i. der Arbeitslohn i.w.S., also m/v. Letzteres, die „lebendige Arbeit“, heißt variabel, weil sie, d.h. der Arbeiter, im Zug des Produktionsprozesses Wert schafft, und zwar mehr Wert, als er zur Reproduktion seiner eigenen Arbeitskraft braucht, daher Mehrwert. Zur Produktion wird aber auch das konstante Kapital (c) benötigt, dessen Wert ebenfalls in Warengestalt kristallisierte Arbeit darstellt, aber „tote Arbeit“, die sich selbst nicht vermehrt und nur auf das neue Produkt übertragen wird. Das konstante Kapital besteht wiederum aus zirkulierendem (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Vormaterialien…) und fixem (Maschinerie, Fahrzeuge, Gebäude…). So sehr die Ausbeutung, gemessen an der Mehrwertrate, die Grundlage der Kapitalverwertung ist, so sehr interessiert den Kapitalisten in erster Linie, wieviel Profit ihm das gesamte eingesetzte Kapital abwirft, also die Profitrate (p’), das ist das Verhältnis des Mehrwerts zur Summe aus c und v, also m/(c+v). Der Zusammenhang von Mehrwertrate und Profitrate vermittelt sich rechnerisch über die organische Zusammensetzung des Kapitals, das ist das Verhältnis c/v. Und zwar ergibt sich – mit ein bisschen Algebra – dass m’ = p’ *(1 + (c/v)).


Grundlagen der Politischen Ökonomie

Vorbemerkung:

In dieser Schulung für den RKJV ging es darum, grundlegende Begriffe der marxistischen politischen Ökonomie zu erklären. Ziel war, den teilnehmenden Genoss/innen ein Grundverständnis für die politische Ökonomie des Kapitalismus zu vermitteln und in die Lage zu versetzen, weiterführende Werke der marxistischen politischen Ökonomie begrifflich zu verstehen. Ziel war ausdrücklich nicht und konnte nicht sein, nachher alle Erscheinungen beispielsweise der heutigen Krise erklären zu können.

Die Darstellung bezieht sich aus mehreren Gründen auf den Konkurrenzkapitalismus. Eine Klärung der Vorgänge im Imperialismus muss in einer aufbauenden Schulungsveranstaltung erfolgen.

1.

Die bürgerliche Wissenschaft ist in allererster Linie dazu da, Herrschaft zu legitimieren (zu stützen und zu rechtfertigen), sie verschleiert die Zusammenhänge – sowohl zwischen den Einzelwissenschaften, und sie verschleiert auch den Blick auf die Gesellschaft als Ganzes und die Beziehungen.

In der marxistischen politischen Ökonomie geht es nicht drum, alles (gemeint sind soziale Beziehungen und gesellschaftliche Vorgänge) auf den ökonomischen „eigentlichen“ Inhalt zu reduzieren, wie das Marx oft unterstellt worden ist.

Es geht, ganz im Gegenteil darum, die gesellschaftlichen Zusammenhänge und die sozialen Beziehungen, die hinter den ökonomischen Vorgängen stecken, herauszubekommen, zu analysieren und somit durchschaubar und veränderbar zu machen.

– Weil in der kapitalistischen Gesellschaft die Beziehungen zwischen Menschen sehr stark zu Tauschverhältnissen geworden und auf solche reduziert sind, ist die Analyse der ökonomischen Vorgänge notwendig, damit hinter diesen Tauschbeziehungen die wirklichen sozialen Verhältnisse erkennbar, analysierbar und dadurch eben auch bewusst veränderbar werden.

Marx sagt in seiner berühmten Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie:

Meine Untersuchung mündete in dem Ergebnis, dass Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel nach dem Vorgang der Engländer und Franzosen des 18. Jahrhunderts unter dem Namen „bürgerliche Gesellschaft“ zusammenfasst, dass aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu finden sei. …

Das allgemeine Resultat, das sich mir ergab, und, einmal gewonnen, meinem Studium als Leitfaden diente kann kurz so formuliert werden:

In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“

2.

Soziale Beziehungen sind Beziehungen zwischen Menschen. Sozial bedeutet gesellschaftlich.

Gesellschaftliche Ordnungen gab und gibt es in der menschlichen Geschichte viele, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, ohne Gesellschaft wäre er nicht – Mensch.

An gesellschaftlichen Ordnungen kennen wir z.B.:

Urgesellschaft, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus und Sozialismus/Kommunismus.

Es gibt noch andere gesellschaftliche Formationen und natürlich viele Mischformen.

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Menschen und Tieren ist, dass Menschen arbeiten, dass sie produzieren. Sie wirken bewusst auf ihre Umwelt ein.

Das Tier ist unmittelbar eins mit seiner Lebenstätigkeit. Es unterscheidet sich nicht von ihr. Es ist sie. Der Mensch macht seine Lebenstätigkeit selbst zum Gegenstand seines Wollens und seines Bewusstseins. Er hat bewusste Lebenstätigkeit.“ (MEW E1, S. 516)

Der Mensch arbeitet. Auch die Werkzeuge, die er benützt, sind Produkte von Arbeit.

Arbeit ist zuallererst Verausgabung von Körperkraft / Energie. (Auf den Begriff „Arbeit“ wird weiter unten noch zurückgekommen).

In sogenannten primitiven Gesellschaften wird im Wesentlichen gemeinschaftlich produziert, damit der Stamm überleben kann. Das ist oft schwierig genug. Im Vordergrund steht hier der unmittelbare Kampf mit der Natur. Es geht um die Befriedigung der Bedürfnisse der Produktionsgemeinschaft.

Hier gibt es noch keine Klassen, die Gemeinschaft ist ein Kollektiv.

Ziel ist das Überleben, nicht der Tausch von Produkten oder die Bereicherung.

Mit der fortschreitenden Arbeitsteilung, weil die Produktivkräfte sich entwickeln, mit verschiedenen Spezialisierungen und mit der Produktion eines gesellschaftlichen Überschusses (das heißt, dass die Menschen imstande sind mehr, als unmittelbar, sofort und direkt, vom Stamm verbraucht/gegessen wird, zu produzieren) und weil die Produktion dieses Überschusses auch zunehmend sicherer wird, wird das Kollektiv immer stärker strukturiert – Großfamilien, patriarchalische Familien werden zu den Produktionseinheiten, die – zumindest auch – unabhängig voneinander arbeiten. Dadurch entsteht (neben anderem) auch so etwas wie Privatheit.

Der Charakter der Arbeit wird privat und so auch die Produkte, sie werden zu Eigentum.

Mehr und mehr werden die Beziehungen der Mitglieder der Gesellschaft bestimmt durch den Tausch ihrer Arbeitserzeugnisse.

Erst wenn eine Gesellschaft produktiv genug ist, ein bestimmtes gesellschaftliches Mehrprodukt zu erzeugen, können Tauschbeziehungen zustande kommen.

Aber: Nicht jede Gesellschaft, in der Tausch existiert, ist deswegen schon eine Gesellschaft, die Waren produziert.

Eine Waren produzierende Gesellschaft unterscheidet sich grundsätzlich von einer für den Gebrauch der Gemeinschaft produzierenden, auch wenn in ihr Tauschverhältnisse vorkommen.

Waren nämlich sind Arbeits-Produkte, die extra produziert werden, um getauscht zu werden.

Eine Ware wird gegen eine andere Ware getauscht, schon recht früh in der historischen Entwicklung praktischerweise vermittels des Geldes, (das selbst eine – zwischengeschaltete – Ware ist, ein sog. „Allgemeines Äquivalent“, eine Ware die sich gegen alle anderen in bestimmten Quanten tauschen lässt).

Dazu gibt es eine Formel: Ware-Geld-Ware (W-G-W)

Die erste Warenproduktion taucht historisch vor ca. 10- bis 12-tausend Jahren im mittleren Osten im Zusammenhang mit der ersten grundlegenden Arbeitsteilung zwischen Handwerkern und Bauern, das heißt nach dem Entstehen der ersten Städte, auf.

Die Produzenten bestimmen ihre Produktionsbedingungen hier noch weitgehend selber. Ich, die Schusterin, stelle Schuhe her, die ich zum Beispiel gegen Honig tauschen möchte.

Ich produziere die Schuhe nicht im Auftrag von jemand anderem, das Leder und das Werkzeug gehören mir, aber ich produziere Waren, denn ich produziere für den Tausch.

So eine Produktionsweise heißt „einfache Warenproduktion“

In Gesellschaften, wo die einfache Warenproduktion vorherrschend ist, verläuft die Produktion ungeplant und anarchisch, ganz anders, als wenn die Gesellschaft unmittelbar für den Verbrauch produziert. In der einfachen Warenproduktion produziert jeder vor sich hin, einen Schuh nach dem anderen. Ob ich auf meinen Schuhen sitzen bleibe, entscheidet „der Markt“, Angebot und Nachfrage und der Zufall. Auch, welche anderen Berufe entstehen, also wie sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung entwickelt, geschieht so, nicht geplant, sondern ergibt sich.

Durch die Warenproduktion hat der Mensch seine Produktionskapazität ungeheuer vergrößert, die Produkte haben sich vermehrt und die Produktivität ist gestiegen. Zugleich aber hat er damit die Kontrolle über seine gesellschaftlichen Beziehungen verloren.

3.

Marx beginnt den 1. Band des Kapitals mit der Analyse der Ware. Er untersucht sozusagen die kleinste Einheit und er beginnt auf einem sehr abstrakten Niveau, auch wenn es vorerst vielleicht nicht so aussieht. Im 1. Band des Kapitals werden die Vorgänge „rein“ gezeigt, viele Faktoren werden vernachlässigt, damit die Wirkweise und der Kern sichtbar werden. Nicht alle Marx-Leser haben die Methode der Marx´schen Analyse verstanden und auch gerade der Grad der Abstraktion ist seit 150 Jahren eine Quelle von Missverständnissen und Verflachungen der marxistischen Politischen Ökonomie.

Wir haben gesagt: Eine Ware ist ein Ding, das für den Tausch produziert wurde.

Eine Ware hat außerdem die wichtige Eigenschaft, ein nützliches Produkt menschlicher Arbeit zu sein. Zwar ist sie nicht nützlich für mich als Produzentin (ich will sie ja tauschen), aber für jemand anderen muss sie wohl nützlich sein, sonst gelänge mir mein Vorhaben nicht. Das Ding hat also Gebrauchswert für jemand anderen.

Für mich als Produzentin hat das Ding keinen Gebrauchswert (ich tausche nicht zufällig ausgerechnet Schuhe. Ich tausche Schuhe, weil ich sie extra für den Tausch hergestellt habe). Für mich hat diese Ware, das Paar Schuhe, Tauschwert.

Lenin sagt dazu: „Eine Ware ist erstens ein Ding, das irgendein menschliches Bedürfnis befriedigt; sie ist zweitens ein Ding, das gegen ein anderes austauschbar ist. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert Der Tauschwert (oder einfach Wert) ist vor allem ein Verhältnis, die Proportion, worin sich eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten einer Art gegen eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten anderer Art austauscht.“ (LW 21, S. 48)

Getauscht werden stets unterschiedliche Qualitäten (Schuhe gegen Schuhe zu tauschen wäre im Allgemeinen sinnlos). Ich tausche eine Ware, die die Qualität hat, ein Paar Schuhe zu sein gegen die Ware mit der Qualität Honig.

Die Frage ist in welchem Verhältnis so ein Tausch vor sich gehen kann, in welcher Proportion getauscht wird, oder anders ausgedrückt: woran sich der Tauschwert misst.

Noch einmal anders herum: Die Frage heißt: Wie komme ich von unterschiedlichen Qualitäten (der Schuhe und des Honigs) auf ein quantitatives Verhältnis: Wie viele Schuhe sind gegen wie viel Honig tauschbar.

Die Antwort auf diese Frage nehme ich vorweg, sie heißt:

Der Wert einer Ware misst sich an der Menge der Arbeit, die in ihr steckt.

In meinem einfachen Beispiel heißt das zunächst: Schuhe, die ich in einem Arbeitstag produziert habe sind so viel wert wie Honig, den meine Tauschpartnerin in einem Tag produziert hat.

Wenn ich aber besonders langsam arbeite und mein Nachbar, der auch Schuhe produziert besonders schnell, geht die Honigproduzentin zu meinem Nachbarn.

Der Wert einer Ware misst sich daher an der durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit. Durchschnittlich notwendig heißt: Die Menge, die ein durchschnittlich geschickter Mensch mit den in der Gesellschaft üblichen Werkzeugen produziert.

4.

Der Begriff Arbeit:

Auch der Begriff Arbeit hat zwei Aspekte, die mit Gebrauchswert einerseits und Tauschwert andererseits korrespondieren, ihnen entsprechen:

Auf der Seite der Ware als Gebrauchswert entspricht die Arbeit als nützliche Arbeit. Klar, produziert werden Dinge, die für irgendwen nützlich sind.

Auf der Seite der Ware als Tauschwert ist Arbeit nichts als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Ich habe vom konkreten Aspekt, dass Arbeit nützlich ist und daher Gebrauchswerte schafft, abstrahiert.

Noch einmal:

Arbeit konkret: nützliche Arbeit, sie schafft Gebrauchswert

Arbeit abstrakt: Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, entspricht dem Tauschwert.

Nur wenn ich also vom Gebrauchswert, vom konkreten Inhalt der Arbeit, abstrahiere ist es möglich, die Arbeit in Quanten zu messen.

Dann kann ich sagen: Wie lange wird gearbeitet, um das Produkt xyz herzustellen.

Ich habe Arbeit rückgeführt auf einen gemeinsamen Nenner, damit Arbeiten unterschiedlicher Qualität vergleichbar werden.

(Denn Qualitäten lassen sich nicht vergleichen, nur Quantitäten).

5.

Das Verhältnis zwischen Qualität und Quantität, das Verhältnis zwischen konkret (-er Arbeit) und abstrakt (-er Arbeit) sind von unmittelbarer Bedeutung.

Ähnlich das Verhältnis zwischen Inhalt und Form.

In der Warenproduktion nimmt das Verhältnis zwischen Menschen, also die sozialen Beziehungen die Form eines Verhältnisses zwischen Dingen an.

Und diese Verdinglichung menschlicher Beziehungen ist das Kernstück dessen, was Marx den Fetischcharakter der Ware oder den Fetischismus nennt.

Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eigenem Leibe begabte, untereinander und mit dem Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und daher von der Warenproduktion unzertrennlich sind. Dieser Fetischcharakter der Warenwelt entspringt aus dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, welche Waren produziert. Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten sind. Der Komplex dieser Privatarbeiten bildet die gesellschaftliche Gesamtarbeit. Da die Produzenten erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch ihrer Produkte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch der Arbeitsprodukte und vermittels derselben die Produzenten versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen, in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen.“ (MEW 23, S. 86f.)

… „Ihre eigene gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren.“ (MEW 23, S. 89)

Dass die eigentlichen sozialen Beziehungen zwischen Menschen unter dieser Oberfläche der Warenwelt verborgen liegen, bewirkt auch, dass die Menschen nicht mehr einfach erkennen, dass ihre Umwelt veränderbar ist, nämlich durch sie. Die Warenwelt wird, wie die Natur, als gegeben vorausgesetzt. An ihr ist scheinbar keine Änderung möglich. Das ist ein Phänomen, mit dem wir stark zu kämpfen haben. Diese Art von „Verdinglichung“ hat sich in den letzten 250 Jahren extrem verfestigt und damit hängt auch zusammen, dass es vielen Leuten, auch aus der Arbeiter/innenklasse, extrem schwer fällt sich vorzustellen, dass etwas anderes als der Kapitalismus möglich sein kann und dass ein bewusstes Eingreifen in die als naturgegeben wahrgenommene gesellschaftliche, ökonomische und politische Umgebung möglich ist.

Die Form der Wartenproduktion legt einen Schleier über den wahren Charakter der kapitalistischen Gesellschaft. Jeder Mensch erscheint als Eigentümer von Gütern, jeder hat irgendwas zu verkaufen, alle stehen einander gegenüber als Eigentümer von Waren auf gleicher Ebene, ihre Beziehungen sind nicht die Herr-Knecht-Beziehungen, die sie tatsächlich sind, wenn die persönlichen Beziehungen betrachtet werden, sondern vertragliche Beziehungen freier und gleicher Menschen.

Den einzelnen Arbeiter/innen fällt nicht auf, dass ihr eigener Mangel, nämlich dass sie keinen Zugang zu den Produktionsmitteln haben, sie dazu zwingt, zu Bedingungen zu arbeiten, die von denen diktiert werden, die Produktionsmittel monopolisieren, dass sie daher ausgebeutet werden.

Weil die Warenwelt als eine Welt von Gleichen erscheint, ist die Arbeitskraft des Arbeiters von ihm abgetrennt, er verkauft sie.

Das ist der Augenschein. Die Analyse der Warenbeziehungen ist deshalb so ausführlich notwendig, weil diejenigen, die die kapitalistischen Formen als ewig betrachten, diesen Augenschein als echte Repräsentation der sozialen Beziehungen nehmen.

Soweit zum Fetischcharakter, dessen Konsequenzen wie wir gesehen haben weit über das reine Gebiet der politischen Ökonomie hinausgehen.

Das war sozusagen zur qualitativen Seite des Prozesses. Nun wenden wir uns wieder der quantitativen zu.

6.

Wir schon gesagt: Die Arbeitszeit ist das Quantum oder Maß, worin sich Waren austauschen.

Dazu zwei Einschränkungen.

Einschränkung 1) Es handelt sich um gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit

Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen“. MEW 23, S. 53)

Gesellschaftlich notwendige Arbeit“ hat nichts mit dem Gebrauchswert oder Nutzen zu tun, sondern eben mit der quantitativen Seite, mit dem Tauschwert.

Einschränkung 2):

Arbeit, die qualifizierter ist als die durchschnittliche oder einfache (Hand)arbeit „gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit“ ist. (MEW 23, S. 59)

Und: „Die verschiedenen Proportionen, worin verschiedene Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozeß hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt… und scheinen ihnen daher … gegeben.“

Das war im Wesentlichen der Kern der sogenannten Arbeitswerttheorie, die übrigens nicht von Marx, sondern von einem früheren politischen Ökonomen namens Ricardo aufgestellt wurde.

In den weiteren Ausführungen im Kapital wird der Einfachheit der Darstellung halber, jede Arbeit als „einfache Arbeit“ angenommen. Auch das ist wieder eine Abstraktion von der Wirklichkeit, um diese besser „reiner“ darstellen zu können.

7.

Ich komme jetzt zum nächsten Begriff: Zur Arbeitskraft

Zuerst kurz historisch:

Ein Sklave ist als ganzer Mensch eine Ware, er ist Eigentum seines Herrn und er selber besitzt nichts. Er oder sie selber hat Gebrauchswert für ihren Herrn. Er hat Tauschwert, denn er kann am Markt verkauft werden. Der Überschuss, den er produziert, wird von seinem Herrn vollständig angeeignet.

Ein Leibeigener ist keine Ware. Er hat selber Werkzeuge. Er ist verpflichtet, seinem Herrn einen Teil des Überschusses abzuliefern (entweder eine festgesetzte Menge, meistens Getreide, das heißt dann Naturalrente) oder er muss eine festgesetzte Anzahl an Tagen auf dem Gut des Herrn arbeiten (das heißt Frondienst)

Wie schaut es nun mit dem Lohnarbeiter, der Lohnarbeiterin im Kapitalismus aus? Die Beziehung zwischen Lohnarbeiter und Kapitalist ist eine zwischen Käufer und Verkäufer. Der Arbeiter bekommt einen Lohn (in Geldform) für seine Arbeit.

Der Kapitalist kauft aber nicht Arbeit, sondern er kauft Arbeitskraft vom Arbeiter. Arbeitskraft ist die Fähigkeit zu arbeiten.

Das Besondere ist: Arbeitskraft ist im Kapitalismus zu einer Ware geworden, und als solche hat sie, wie alle Waren, zwei Seiten: Gebrauchswert und Tauschwert.

Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft ist die Fähigkeit zu arbeiten, also die Qualität der Ware Arbeitskraft ist, dass sie produzieren kann.

Der Tauschwert der Ware Arbeitskraft, ihre quantitative Messbarkeit, aber wird bestimmt so wie der jeder anderen Ware: durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die zu ihrer Produktion aufgebracht werden muss.

Wie können diese Kosten der Produktion der Ware Arbeitskraft berechnet werden?

Anders gefragt: Was ist notwendig, damit ich arbeiten kann, was braucht es, damit eine Arbeiterin ihre Arbeitskraft verausgaben kann:

Ich brauche was zu essen, was anzuziehen, was zum Wohnen, eine Ausbildung. Diese Faktoren sind im Wesentlichen jene, die den Wert der Ware, die ich besitze, nämlich meiner Arbeitskraft, bestimmen.

Diese Faktoren unterscheiden sich, wie unschwer zu erkennen, in verschiedenen Weltgegenden sehr stark voneinander. Zum Beispiel ist das allgemeine Lebensniveau in großen Teilen Asiens ein ganz anderes als in Europa, in weiten Teilen Afrikas ganz anders als in den USA. Es setzt sich anders zusammen. Doch überall gilt, das was notwendig ist, um die Arbeiter/innenklasse auf einem Niveau zu erhalten, dass sie ihre Arbeitskraft wieder und wieder verkaufen kann, das bestimmt den Tauschwert der Arbeitskräfte.

Und: Berechnet wird nicht jede einzelne Arbeitskraft, sondern die Arbeiterklasse als gesamtes, also kommt zu Nahrung, Kleidung, Wohnung, Ausbildung auch noch die Wiederherstellung in Form von Produktion der nächsten Generation (inklusive Grund-Ausbildung der Kinder usw.) dazu.

Also nochmal: Die Arbeitskraft im Kapitalismus ist eine Ware. Sie hat Gebrauchswert und Tauschwert.

8.

Aber die Arbeitskraft ist eine besondere Ware. Denn dadurch, dass sie verausgabt wird, dass ihr Gebrauchswert angewendet wird, wird etwas Neues produziert.

Bei Brot z.B. ist das anders. Der Gebrauchswert des Brotes nimmt ab, je mehr ich davon esse.

Durch den Gebrauch der Arbeitskraft aber entsteht eine neue Ware, so auch neuer Wert.

Das ist es was die Besonderheit der Ware Arbeitskraft ausmacht und das ist auch die Quelle des Mehrwerts und der Ausbeutung.

Zwar bekommt der Arbeiter Lohn vom Unternehmer, vom Kapitalisten. Aber dieser Lohn misst sich nicht an dem neuen Gebrauchswert, z.B. den produzierten Schuhen, sondern er misst sich am Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Der Lohn macht nur einen kleinen Teil des während der Produktion neuen geschaffenen Wertes aus. Der Rest ist Mehrwert, den sich er Kapitalist aneignet. Über den Mehrwert, der die Quelle des Profits ist, wird in der Folge noch die Rede sein.

Zunächst aber muss gesagt werden, was der Unterschied zwischen einem Handelskapitalisten und einem industriellen Kapitalisten ist.

Handelskapitalisten gibt es in allen Klassengesellschaften, also auch schon vor dem Kapitalismus.

Ein Handelskapitalist lebt davon, dass er etwas kauft, um es teurer wieder anzubringen. Er hat Geld – kauft eine Ware – und verkauft sie teurer wieder. Die Formel dafür heißt: G – W – G´.

Der Strich bei G´ drückt den sogenannten Mehrwert aus, die Differenz. Der Handelskapitalist lebt davon, dass er sich diesen Mehr-Wert aneignet. Dieser Mehr-Wert kommt während der Zirkulation zustande.

Im Kapitalismus, im Falle des industriellen Kapitalisten läuft es anders. Der lebt auch vom Mehrwert, aber dieser Mehrwert wird in der unmittelbaren Produktion geschaffen. Der Kapitalist hat Geld, er kauft Waren (die Produktionsmittel, das sind die Rohstoffe, die Maschinen und auch die Arbeitskraft), es wird produziert, danach sind neue Waren da, die er verkauft und für sie bekommt der Kapitalist mehr Geld, als er aufgewendet hat.

Die Formel für diesen Prozesse heißt: Geld – Ware- Produktionsprozess – Ware´- Geld´: (G – W – P – W´ – G´), oder kürzer: G-W-G´.

Danach beginnts von vorne. Ein Teil von G´ wird aufgewendet, um neue Rohstoffe zu kaufen, die Maschinen zu warten und um dem Arbeiter Lohn zu bezahlen, der andere Teil bleibt dem Kapitalisten als Profit. Die Differenz zwischen G und G´, der Mehrwert, bildet den „direkten Zweck und (ist) bestimmendes Motiv der Produktion“

Das ist ganz wichtig zu begreifen: Im Kapitalismus wird nicht produziert, um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen, sondern um Mehrwert für die Kapitalisten zu produzieren.

Die einfache Warenzirkulation – der Verkauf für den Kauf – dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes als Kapital dagegen ist Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos. … Der Gebrauchswert ist also nie als unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln. Auch nicht der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinns.“ (MEW 23, S. 167f.)

Der Arbeiter schafft während des Produktionsprozesses Wert. Das ist eben das besondere an der Ware Arbeitskraft: Indem sie verausgabt wird, schießt sie Wert zu.

Ein Teil dieses geschaffenen Wertes geht an den Arbeiter als Lohn, ein Teil eignet sich der Kapitalist einfach so an, dieser Teil ist unbezahlte Arbeit. Der Profit des Kapitalisten, die Tatsache, dass sich sein Geld vermehrt, oder anders: sein Kapital, kommt eben aus dem unbezahlten Teil, aus der unbezahlten Arbeit des Arbeiters.

Der Lohn misst sich daran, was zur Reproduktion (Wiederherstellung) der Ware Arbeitskraft erforderlich ist. Wie viel an Wert während der Produktion geschaffen wurde, ist davon ganz unabhängig.

Je mehr der Kapitalist den Lohn drückt, desto höher wird der Mehrwert oder die unbezahlte Arbeit.

Begriffe:

Notwendige Arbeit heißt der Teil eines Arbeitstages, den der Arbeiter braucht. um Werte zu schaffen, die dem Gegenwert seines Lohnes entsprechen, also wie viel er als Gegenwert für den Verkauf seiner Arbeitskraft bekommt.

Mehrarbeit: ist, was darüber hinausgeht. Der Arbeiter arbeitet danach ausschließlich für den Kapitalisten. Er setzt zwar Wert zu, er produziert etwas, das eignet sich der Kapitalist aber an.

9.

In diesem Sinn heißt es: der Lohnarbeiter ist frei in einem doppelten Sinn:

Er ist frei, seine Arbeitskraft zu verkaufen, denn er ist kein Sklave und kein Leibeigener. Und er ist auch frei von Produktionsmitteln.

Aber er ist nicht frei, denn er ist gezwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen.

Geld und Ware sind nicht von vornherein Kapital, sowenig wie Produktions- und Lebensmittel. Sie bedürfen der Verwandlung in Kapital. Diese Verwandlung selbst aber kann nur unter bestimmten Umständen vorgehn, die sich dahin zusammenspitzen: Zweierlei sehr verschiedne Sorten von Warenbesitzern müssen sich gegenüber und in Kontakt treten, einerseits Eigner von Geld, Produktions- und Lebensmitteln, denen es gilt, die von ihnen geeignete Wertsumme zu verwerten durch Ankauf fremder Arbeitskraft; andererseits freie Arbeiter, Verkäufer der eigenen Arbeitskraft und daher Verkäufer von Arbeit. Freie Arbeiter in dem Doppelsinn, dass weder sie selbst unmittelbar zu den Produktionsmitteln gehören, wie die Sklaven, Leibeigene usw., noch auch die Produktionsmittel ihnen gehören, wie beim selbstwirtschaftenden Bauer usw., sie davon vielmehr frei, los und ledig sind.“ (MEW 23, S. 742).

Man muß gestehn, dass unser Arbeiter anders aus dem Produktionsprozess herauskommt, als er in ihn eintrat. Auf dem Markt trat er als Besitzer der Ware „Arbeitskraft“ andren Warenbesitzern gegenüber, Warenbesitzer dem Warenbesitzer. Der Kontrakt, wodurch er dem Kapitalisten seine Arbeitskraft verkaufte, bewies sozusagen schwarz auf weiß, daß er frei über sich selbst verfügt. Nach geschlossenem Handel wird entdeckt, dass er „kein freier Agent“ war, daß die Zeit, wofür es ihm freisteht, seine Arbeitskraft zu verkaufen, die Zeit ist, wofür er gezwungen ist, sie zu verkaufen, dass in der Tat sein Sauger nicht loslässt, „solange noch ein Muskel, eine Sehne, ein Tropfen Bluts auszubeuten“. (MEW 23, S. 319)f

10.

Wie alle anderen ökonomischen Kategorien kann der Begriff „Kapital“ nur verstanden werden, wenn verstanden wird, dass dahinter soziale Beziehungen, Beziehungen zwischen Menschen stehen. Beziehungen, die es einem Kapitalbesitzer erlauben, sich Mehrwert, der von einem anderen erzeugt wurde, anzueignen.

Kapital drückt also in erster Linie ein Verhältnis zwischen Menschen aus.

Es beginnt mit dem Handelskapital und dem Wucherkapital, das gibt es schon Jahrhunderte vor dem Kapitalismus. Mit Änderung der politischen Verhältnisse beginnen Kapitalisten, Produktionsmittel zu kaufen, Kapital dringt in die Produktionssphäre ein, Händler und Bankiers werden zu Besitzern von Produktionsmitteln, was noch fehlt ist Arbeitskraft, doch auch diese kann gekauft werden. So entsteht nach und nach die kapitalistische Produktionsweise, wo das Kapital sich vermehrt, indem sich Mehrwert angeeignet wird, der in der Produktion geschaffen wurde.

Zur Rekapitulation:

Voraussetzungen für das Aufkommen des Kapitalismus waren:

  • Die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln und ihrer Existenzgrundlage. In der Landwirtschaft ist das passiert, indem die kleinen Bauern von ihren Höfen vertrieben wurden. Bei den Handwerkern in den Städten, indem die mittelalterlichen Innungen zerstört wurden.
  • Die Bildung einer gesellschaftlichen Klasse, die ein Monopol auf das Eigentum an diesen Produktionsmitteln hat: das war die moderne Bourgeoisie, die sich als Klasse entwickeln konnte, weil sie eine genügende Masse an Geldkapital akkumuliert hatte, das in die Produktion investiert werden konnte, eine weitere Voraussetzung ist die Entwicklung von Produktionsmitteln, die so teuer sind, dass nur die Eigentümer von viel Geld sie erwerben können. In der sog. Industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts sind dafür durch die Mechanisierung der Produktion die Voraussetzungen geschaffen worden.
  • Die Verwandlung der Arbeitskraft in eine Ware. Oder anders: Das Entstehen einer Klasse, die, um leben zu können gezwungen ist, ihre Arbeitskraft zu verkaufen – und zwar an Besitzer von Produktionsmitteln, an die Kapitalisten.

Ausbeutung, also die Aneignung des produzierten Mehr-Produkts durch eine gesellschaftliche Klasse gibt es schon vor dem Kapitalismus. Was charakteristisch für den Kapitalismus ist, ist die Form, die die Ausbeutung annimmt, nämlich die Produktion des Mehr-Werts.

11.

Der Wert der unter kapitalistischen Bedingungen produzierten Ware kann in drei Bestandteile zerlegt werden:

Wert = Konstantes Kapital + Variables Kapital + Mehrwert

W= c +v + m

Konstantes Kapital ist der Wert des benützten Materials und der Maschinen. Konstant deswegen, weil er seine Wertgröße im Produktionsprozess nicht verändert.

Variables Kapital bezeichnet den Wert der Ware Arbeitskraft. Variabel, denn dieser Teil produziert eine Wertänderung: … „er reproduziert sein eigenes Äquivalent und einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln kann, größer oder kleiner sein kann…“

Der dritte Teil ist der Mehrwert selbst, also die Differenz zwischen G und G´.

Diese Formel bezieht sich nicht nur auf eine Ware, sondern lässt sich ausdehnen auf die Summe der produzierten Waren eines Kapitalisten oder einer Gruppe von Kapitalisten, oder auf die gesamte Wirtschaft.

Die Rate des Mehrwerts, das ist die Exploitations-, also Ausbeutungsrate,

das Verhältnis von Mehrwert zu notwendiger Arbeit.

Mehrwertrate m´= m Mehrwert

v variables Kapital

Also: angenommen der Arbeitstag beträgt 8 Stunden, die Arbeiterin arbeitet 4 Stunden, um das Äquivalent ihres Lohnes zu produzieren, also für sich und weitere 4 Stunden verrichtet sie Mehrarbeit ausschließlich für den Kapitalisten, dann ist das eine Ausbeutungsrate von 100%.

Oder in Geld ausgedrückt:

In einer Stunde produziert die Arbeiterin einen Wert von z.B. 5 Euro, in 4 Stunden von 20 Euro, in weiteren 4 Stunden noch einmal 20 Euro, die Ausbeutungsrate beträgt 100%.

Für den Kapitalisten ist die Rate der Ausbeutung aber eigentlich egal. Ihn interessiert die Rate des Profits. Diese errechnet sich aus dem Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten Kapitalaufwand.

Und heißt:

Profitrate p´= m Mehrwert

c+v konstantes+variables Kapital

12.

Der Kapitalist ist nicht damit zufrieden, wenn er aus dem Produktionsprozess einmal Mehrwert schöpft. Der Prozess wird ein Produktions-Kreislauf. Er muss re-investieren. Und zwar re-investiert er Teile des vorher produzierten Mehrwerts in die Produktion und dieser Vorgang heißt Akkumulation von Kapital. Der Kapitalist ist ständig gezwungen Kapital zu akkumulieren, wenn er in der Konkurrenz bestehen will.

13.

Noch ein anderer wichtiger Begriff, um die politische Ökonomie zu verstehen ist der der sog. Organischen Zusammensetzung des Kapitals

Das ist das Verhältnis von konstantem zu variablem Kapital, c:v.

Also wie viel Kapital in einem Produktionsprozess für die Maschinen und wie viel für menschliche Arbeitskraft aufgewendet wird.

Für den Kapitalisten ist dieses Verhältnis ganz entscheidend, denn es bestimmt die Profitrate. Je mehr sein Aufwand für konstantes Kapital steigt, je mehr er in Maschinen investiert, desto mehr sinkt sein Mehrwert und so auch die Profitrate, tendenziell. Weil die Maschinen ständig verbessert werden müssen, weil der Kapitalist laufend gezwungen ist, in modernere Maschinen zu investieren, gibt es eine Tendenz zum Fallen der Profitrate. Das ist bitter für den Kapitalisten.

Gleichzeitig wird durch die Verbesserung der Maschinen die Produktivität erhöht, es wird rationeller produziert, Arbeitskräfte werden überflüssig und entlassen.

Das geschieht im Lauf der Entwicklung schubweise. Ein Problem für den Kapitalisten dabei ist, dass dadurch gleichzeitig die organische Zusammensetzung steigt und also die Profitrate tendenziell sinkt, wenn er nichts dagegen macht. Er kann die Ausbeutungsrate erhöhen, indem er die Löhne kürzt oder indem er den Arbeitstag verlängert oder verdichtet.

Die Entlassenen wiederum bilden als Lohnarbeitslose eine sogenannte industrielle Reservearmee, die z.B. die Funktion hat, die Löhne der im Produktionsprozess befindlichen Arbeiter/innen zu drücken.

Wie geht es weiter mit der Krise?

Im Dezember organisierte das „Kollektiv Proletarische Revolution“ eine Diskussion über die Frage wie sich der gegenwärtige Krisenzyklus weiterentwickeln wird.

Sicher ist, dass viele bürgerliche Ökonomen die angebliche Zwischenbelebung bewußt überbewerten und damit der Arbeiter/innenklasse Sand in die Augen streuen. Die negativen Auswirkungen der Rettungsmaßnahmen fürs Kapital werden in den nächsten Jahren jedenfalls nach über die Arbeiter/innenklasse und die Volksmassen hereinbrechen. Die massive Staatsverschuldung durch „Bankensanierungspakete“, „Verschrottungsprämien“ und Aufkauf bankrotter Banken wie der Hypo Alpe Adria wird jedenfalls den Banken Millionen an Zinseszinsen und der Arbeiter/innenklasse „Sparpakete“, d.h. reale Lohn- und Sozialkürzungen bringen.

In den folgenden Auszügen und Zusammenfassungen aus der Diskussion geht es aber nicht darum, sondern um die Frage, wie rasch die gegenwärtige Krise überwunden sein wird und wie bald ein neuer Aufschwung in Sicht ist, der die Verluste der Kapitalistenklasse in den letzten Jahren wett machen kann und die kapitalistische Wirtschaft insgesamt – und nicht nur das Spekulationskapital – wieder in Schwung bringt.

Gibt es eine Zwischenbelebung ? Ist der Boden der Krise erreicht?

Ich glaube nicht, dass man von Zwischenbelebung sprechen kann, weil zwar vielleicht (siehe weiter unten) das „zwischen“ stimmt, aber nicht, jedenfalls bisher nicht, die „Belebung“. Die kapitalistischen Ökonomien stecken immer noch mitten in der Krise. Außer Schönfärberei und „Stimmungsbarometern“ gibt es nicht viel „Positives“. Zwar ist im 3.Qu.09 das BIP in den meisten Ländern erstmals wieder ein bisschen gestiegen (außer UK, Spanien, Island, Ungarn…), aber erstens nur um +0,4% (OECD gesamt) und zweitens nachdem es seit dem 2.Qu.08 bis zum 2.Qu.09 um ein Vielfaches gefallen war, nämlich um -5,2%. D.h. es wurden bisher erst 7-8% des Verlustes wieder aufgeholt. Zweiter Indikator ist die Industrieproduktion. Diese ist vom Höchststand Februar 08 bis zum März 09 um -18% (OECD) gefallen und jetzt wieder, seit etwa April/Mai, um +4,8% gestiegen. Also auch kein viel schöneres Bild. Für Österreich sind die entsprechenden Zahlen +0,5% Anstieg des BIP im 3.Qu.09 gegenüber einem vorangegangenen Rückgang um -4,4% und, für die Industrieproduktion, -17% Einbruch bei einem anschließenden Anstieg um +0,8% (!).

War im 2.Qu.2009 der „Boden der Krise“ erreicht? Das Bild vom „Boden“ suggeriert zunächst einen sozusagen normalen Zyklus, bei dem es nach dem „Abwärts“ wieder (mehr oder weniger deutlich) „aufwärts“ geht, und gerade da bin ich mir nicht so sicher. Zweitens ist die „Belebung“, die man an obigen Zahlen sieht, ein sehr minimes und fragiles Pflänzchen und es kann jederzeit mit ihr wieder vorbei sein. Sie beruht zu einem erheblichen Teil auf staatlicher Nachfragesteigerung (Bauwirtschaft, „Schrottprämien“… bis zu den Impfkampagnen) durch die diversen Konjunkturprogramme, die in dieser Form nicht auf Dauer duchzuhalten wären (Staatsverschuldung, evt. Grenzen der Steuerausplünderung durch Volkswiderstand…). Ich glaube, dass dieser sogenannte Aufschwung bei der geringsten neuerlichen Störung wieder zusammenbrechen kann. Wenn er sich überhaupt weiter entwickelt. Der ganze „Aufschwung“ ist ja mehr eine Antizipation eines zukünftig erwarteten Aufschwungs. Störungen könnten sein, dass das, was da antizipiert wird, nicht eintritt. Kommt wirklich wieder, trotz Massenentlassungen, Lohnabbau etc. eine Konsumbelebung in den USA? Wie wirkt sich z.B. der in Europa wenig beachtete starke Rückgang des chinesischen Außenhandels in Asien auf China aus? Wie wirken steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne und die irgendwann wieder notwendige „Konsolidierung“ der Staatsfinanzen?

Ich würde das Bild vom „Boden“ vermeiden und stattdessen die möglichen Szenarien skizzieren. Kommt es nicht ohnehin, nach mehr oder weniger „Belebung“, zu einer neuerlichen Verschärfung der Krise in 2010, dann gehen wir wahrscheinlich in eine Periode der Depression, die auch eine ganze Zeitlang andauern kann. Denn es ist noch viel zu wenig (wirkliches) Kapital vernichtet worden. Es gibt immer noch überall massive Überkapazitäten. Siehe z.B. besonders exemplarisch die Autoindustrie. Unter diesen Bedingungen kann es aber keinen wirklichen Aufschwung geben, es sei denn einen auf Basis überwiegend von fiktivem Kapital und Spekulation, aber dann kracht es eben hier wieder. Die EU z.B. prognostiziert für 2011 (!) ein BIP, das immer noch unter dem von 2007 liegt. Das Vorkrisenniveau wird demnach – nach ihren eigenen (optimistischen!) Prognosen – bezüglich BIP frühestens 2012 erreicht. Und dafür muss alles so eintreten wie sie hoffen (Konsumboom in den USA, übrigens wieder auf Schuldenbasis, Boom auch in China, Aufschwung des Welthandels …) und es darf nichts „passieren“ (Platzen neuer Spekulationsblasen, neuerlicher Ausbruch von Bankenkrisen…). Ein wichtiger beschränkender Faktor ist der zunehmend (erst recht 2010 und 2011!) sinkende Massenkonsum. Dann unmittelbar ganz entscheidend die niedrige, um nicht zu sagen mangelnde „Investitionsneigung“ des Kapitals. Die Bruttoanlageinvestitionen in Österreich (also incl. Ersatz verschlissenen fixen Kapitals) sollen 2009 um -6,5% sinken bzw. gesunken sein und 2010 nur um +0,1% (!) steigen. (Sogar für 2011 prognostiziert man nur brutto +3,7%.) Die Nettoanlageinvestitionen (also die zusätzlichen Neuinvestitionen) sollen 2009 um -26% fallen bzw. gefallen sein und 2010 sogar weiter sinken, nämlich um -4%, und erst 2011 wieder steigen (um +11%). Selbst wenn das so kommt, lägen sie damit im Jahr 2011 auf dem Niveau von 2002! Das heißt blanke Stagnation dessen, auf dessen Ankurbelung alle „Pakete“, ob vorgeblich oder ernst gemeint, zielen, nämlich der Investitionstätigkeit. Wo soll dann aber der Aufschwung herkommen? Man hofft allerorts auf „externe Faktoren“, aber dort sieht es auch nicht besser aus. Es mangelt einfach an eigenständigen und halbwegs robusten Triebkräften für einen Aufschwung. Die aus der Überakkumulation resultierende Tendenz zu Stagnation wirkt mächtig. Deshalb hält sich ja auch der (in den zitierten Prognosen zum Ausdruck kommende) tatsächliche, nicht der den Massen gegenüber zur Schau getragene Optimismus bei der Bourgeoisie in Grenzen. Von „Boden erreicht“ und „neuer Aufschwung begonnen“ kann daher in einem halbwegs soliden Sinne heute keine Rede sein.

Auswege aus der Krise?

Der einzige, wenigstens kurzfristige, Ausweg aus der Profitklemme ist die Steigerung der Ausbeutung und Ausplünderung der Arbeiterklasse und der Volksmassen. Ein Raubzug großen Stils steht bevor. Aber Lohn- und Sozialabbau, so gut sie den Profiten und dem Staatshaushalt tun, senken auch das Lebensniveau und damit die „Konsumkraft“ der Arbeiterklasse und der Angestellten. Die Arbeitslosigkeit steigt überall massiv weiter. In der OECD stieg sie (immer die offizielle Rate) von 5,9% im 2.Qu.08 auf 8,8% im Oktober 09, also auf das Eineinhalbfache. Tendenz für 2010 und 2011, trotz des Bourgeoisoptimismus bezüglich der Krise, stark steigend. In Österreich war sie im November 09 5,8% und wird sie für November 2010 mit 7,1% und November 2011 mit 7,3% geschätzt! Auch außerhalb der großen Industrie wirkt die Krise: Die Pleiten bei Klein- und Mittelbetrieben werden sich weiter verschärfen. Hier ist der Höhepunkt noch lange nicht erreicht, zumal die Konzentration und Zentralisation des Kapitals und die Unterordnung und Auspressung der kleineren unter die großen Kapitale sich immer mehr verschärfen werden. Probleme auch in der Landwirtschaft. In Frankreich, lese ich gerade, werden die landwirtschaftlichen Pro-Kopf-Einkommen 2009 um 34% sinken…..

Die Staatsverschuldung ist 2009 explodiert. Die Neuverschuldung Österreichs ist von 0,4% des BIP in 2008 auf 3,9% in 2009 gestiegen und wird vom „Staatsschuldenausschuss“ für 2010 auf 5,5% des BIP geschätzt. Der Schuldenstand insgesamt wird damit 2009 68,2% des BIP (189 Mrd. Euro) erreichen (nach 59,5% in 2007). Das bedeutet Einschränkung des staatlichen Handlungsspielraums, inflationären Druck, Volksausplünderung durch Steuern, Tarife etc., Sozialabbau…

Im Banken- und Börsebereich „boomt“ es dafür schon wieder. Die Banken verdienen prächtig, die Aktienkurse sind seit ihrem Tiefpunkt Anfang März 2009 schon wieder um über 60% gestiegen, neue und alte Spekulationsblasen gedeihen ebenfalls prächtig. Der Markt der berüchtigten Kreditderivate in den USA z.B. hat schon wieder den Marktanteil (am gesamten Finanzmarkt) erreicht wie vor der Krise. Wenn aber Bank- und Börsegewinne mitten in der Krise explodieren, kann das nur entweder auf noch schärferer Umverteilung zugunsten des Geldkapitals beruhen oder mit Spekulationsblasen zu tun haben wie zuvor. Diese Entwicklung des „Finanzsektors“ ist auch eine gut vorstellbare und bedrohliche, auch so von der Bourgeoisie empfundene, „Störungsgefahr“ eines evt. Aufschwungs. Das trägt – neben den weiterhin vorhandenen Überkapazitäten, also nicht bereinigter Überakkumulation, die die Grundlage von allem ist, auch der Entwicklung des „Finanzsektors“ – ebenfalls zur Instabilität bei. Auch kleine Spekulationskrisen wie zuletzt die in Dubai können unter solchen Umständen große Wirkungen haben.

An „negativen Auswirkungen der Rettungsmaßnahmen von 2008 und 2009“ für das Kapital, also für das Monopolkapital als Ganzes, sehe ich nichts außer der Einschränkung der Möglichkeiten staatlicher „Rettungs-„ oder generell Subventionspolitik. Noch einmal solche „Banken- und Konjunkturpakete“ dürften schwierig zu finanzieren werden. Vielleicht wird auch der Spielraum für weitere steuerliche Maßnahmen zugunsten des Kapitals enger. Eine andere Geschichte ist natürlich die weitere Konzentration und Zentralisation des Kapitals, die durch die Krise sehr beschleunigt wurde und wird und der eine Reihe von einzelnen Kapitalisten zum Opfer fallen. (Sofern man aber mit „negativen Auswirkungen“ eine weitere oder neuerliche Vertiefung der Krise meint, weil eben alle „Krisenpakete“ nur in der Umverteilung von Geld, in Vorzieheffekten, in Palliativmitteln bestehen, die letztlich die Krisenfaktoren nicht abschwächen, sondern erhöhen, auch weil nichts gegen die „Exzesse“ des Bank- und Spekulationskapitals getan wird bzw. werden kann, – wenn man das meint, dann ist dazu zu sagen, dass das alles im Gang der kapitalistischen Akkumulation begründet ist und nicht am bourgeoisen „Krisenmanagement“ liegt.)

Wie sind die Aussichten?

Das weltweite imperialistische System ist ein eine tiefe ökonomische Krise geraten. Der angebliche „Aufschwung“ und die angebliche „Trendwende“ sind hauptsächlich Bourgeoispropaganda. Die geringfügigen Zuwachsraten der letzten Monate kompensieren den Einbruch bisher nur zu einem sehr geringen Teil. Eine echte „Bereinigung“ der Überkapazitäten durch Kapitalvernichtung ist bisher nur in geringem Maß erfolgt. Die nicht wirklich überwundenen Faktoren, die die Krise ausgelöst haben, führen zu Tendenzen der Stagnation und Depression, aber auch zu einer anhaltenden Instabilität der Kapitalverwertung. Der staatliche Handlungsspielraum wird durch die sprunghafte Zunahme der Staatsverschuldung eingeschränkt. Neue und alte Spekulationsblasen gedeihen schon wieder prächtig. Es wird daher entweder rasch zu einem Abflauen des bisschen „Aufschwungs“ und einer weiteren Vertiefung der Krise kommen; oder der „Aufschwung“, wenn auch noch so moderat, hält noch einige Zeit an, um dann, und das könnte auch schon 2010 sein, zu einer neuerlichen Krise oder besser gesagt: Verschärfung der Krise führen; oder es kommt, weniger spektakulär, aber mit ebenfalls gewaltigen Auswirkungen auf Arbeiterklasse und Volk, zu einer anhaltenden Depression. In jedem Fall werden Arbeitslosigkeit, Lohn- und Sozialabbau, staatliche Ausplünderung stark zunehmen. 2010 wird die Bourgeoisie massiv an allen diesen Schrauben drehen.“

i Zur Definition von Mehrwertrate, Profitrate und organischer Zusammensetzung des Kapitals siehe Glossar.

ii Marx wies einmal darauf hin, dass man eine Sache erst dann wissenschaftlich durchdrungen hat, wenn man nicht nur erklären kann, was hinter einer bestimmten Erscheinungsform steckt, ihr Wesen, sondern wenn man auch erklären kann, warum dieses Wesen diese oder jene Erscheinungsform annimmt.

iii Jeder kann das in den Geschäftsberichten nachlesen. Gehälter plus „Bonifikationen“ (incl. der jüngst berühmt gewordenen Optionen auf eigene Aktien =„stock options“) plus „Pensionsvorsorgen“ des Vorstandes machen gemessen am Profit („Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“) z.B. bei der Voest Alpine 0,8%, bei Siemens 0,7%, bei der „Verbundgesellschaft“ 0,6%, bei der ÖMV 0,8% aus. Dazu kommen noch Abfertigungen und „fringe benefits“ (Autos, Wohnungen, Unfall- und Lebensversicherungen…). Ebenfalls aus dem Profit gezahlt werden Zuwendungen jeder Art an frühere Vorstandsmitglieder. (Das ist oft nicht im Detail ausgewiesen; bei Siemens z.B. schon und dort summiert sich alles letztlich, samt Aufsichtsratstantiemen, auf 2,5%.) Wobei natürlich z.B. die 15 Millionen Euro für die 5 Vorstandsmitglieder der ÖMV im letzten Jahr kein Pappenstiel sind, aber es wird für den ÖMV-Arbeiter nichts anders, wenn man sie auf die Hälfte oder ein Viertel oder auch auf ein Hundertstel (das wären immer noch 2.500 Euro/Monat!) kürzt.

iv Eine ganz andere Frage ist, ob man, die Bourgeoisie einmal gestürzt und enteignet, einzelne Bourgeois eine Zeitlang auf Basis eines solchen Lohnes, wie sie ihn für absolut sozial und völlig ausreichend halten, z.B. desjenigen für die Leiharbeiter, arbeiten lässt. Das wird sich weisen. Das ist aber eine ganz andere Frage, nämlich ihnen die Chance zu geben, ihr System und ihre Ideologie einmal selbst auszuprobieren und daraus praktische Erkenntnisse zu ziehen. Bis dahin geht es aber nicht um die einzelnen Bourgeois-Individuen, sondern um Macht und Eigentum der Klasse.

v Dass die Ideologie der „Verteilung des Kuchens“ das Denken der meisten Menschen heute dermaßen umklammert, ist zwar historisch erklärbar, verblüfft aber doch immer wieder, zumal wenn man beispielsweise bedenkt, dass Menschen schon vor 200 Jahren, als der Widerspruch von Kapital und Arbeit noch bei weitem nicht so klar und ausgereift hervortrat, durchschauten, dass es sich nicht um einen gemeinsam gebackenen Kuchen handelt, sondern schlicht darum, dass Bourgeoisie und Gesellschaft auf Kosten des Proletariats leben: „Das beständige Streben dessen, was wir Gesellschaft nennen, bestand darin, durch Betrug oder Beredung, durch Schrecken oder Zwang, den produktiven Arbeiter zu bewegen, die Arbeit zu verrichten für den möglichst kleinen Teil des Produkts seiner eigenen Arbeit… Warum soll der Arbeiter nicht das ganze absolute Produkt seiner Arbeit erhalten?“ (W.Thompson, 1822 (!), zitiert von Engels im Vorwort zum „Kapital“ II (MEW 24, S.21) Es ist sogar schon die Erkenntnis da, dass der Arbeiter nicht seine Arbeit um einen „ungerechten“ Lohn verkauft und die Ausbeutung darin bestünde, sondern dass er seine Arbeitskraft zu – als grundlegende Regel, die freilich vom Kapital immer wieder vergewaltigt wird – ihrem Wert verkauft, aber mehr Wert erzeugt als den Wert seiner Arbeitskraft, dass es sich also nicht um „Gerechtigkeit“ dreht, sondern um die Revolutionierung der Produktionsverhältnisse. Intuitiv hatte der Mann schon 1822 den Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital in radikaler Weise erfasst und war – vor 200 Jahren! – den meisten unserer heutigen „antikapitalistischen“ Weltverbesserer und Kuchenstückeumverteiler meilenweit voraus.

vi Wir sprechen hier von der Profit- und Mehrwertrate der produktiven Wirtschaftssektoren und -bereiche. In der bürgerlichen Statistik sind diese nicht unter dem Gesichtspunkt definiert, ob sie produktiv oder unproduktiv sind, was nicht wundert, denn das Unterscheidungskriterium wäre ja der Beitrag zur Mehrwertproduktion. Die bürgerliche Statistik unterscheidet zwischen „produzierendem Bereich“ und „Dienstleistungsbereich“, was aber keine besondere Bedeutung hat, außer dass man halt seit langem die Wirtschaft so einteilt. Produktiv ist für die Bourgeoisie sowieso alles, was Profit abwirft. Wenn ein Kapitalist seine EDV selbst fährt, gehört sie in der Statistik zum „produzierenden Bereich“, wenn er sie ausgelagert hat, figuriert sie unter „unternehmensbezogene Dienstleistungen“. Wenn die Firma X Fertiggerichte herstellt, ist das „produzierender Bereich“, wenn ein Restaurantbetrieb im Grunde genommen genau dasselbe tut, ist es eine „Dienstleistung“, wenn es sich dabei um eine Werkskantine handelt, ist es wieder „produzierender Bereich“. Wenn die Firma Y den selbst produzierten Speck in Scheiben schneidet, ist das „Produktion“, wenn sie ihn im Ganzen liefert und er im Supermarkt in Scheiben geschnitten wird, ist diese Schneidetätigkeit keine „Produktion“, sondern eine „Dienstleistung“. Keinesfalls ist daher der „produzierende Bereich“ als produktiv, der „Dienstleistungsbereich“ dagegen als nicht produktiv zu betrachten. Vielmehr hängt das davon ab, ob jemand „Teil des produktiven Gesamtarbeiters“ (Marx) ist und seine Tätigkeit notwendig für den gesellschaftlichen Produktionsprozess. (Nicht hängt es davon ab, ob das Produkt oder die Dienstleistung „nützlich“ oder „sinnvoll“ ist, ob es sich um Gummibären, Sprenggranaten oder kompletten Unsinn handelt, ob Billigstkleidung oder Nerzmantel, ob der „Konsument“ sie „braucht“ oder nicht oder wer der „Konsument“ ist. Es kommt nur darauf an, erstens dass sie in einem kapitalistischen Produktionsprozess produziert wird (und damit der Kapitalverwertung dient) und zweitens dass die betreffende Tätigkeit in diesem Prozess notwendig ist, und zwar notwendig nicht nur für den Verwertungs-, sondern auch für den Arbeitsprozess, also für die „stoffliche“ Gebrauchswertsseite des Produkts.) Wir nehmen hier aus der Statistik als produktiv den gesamten „produzierenden Bereich“ und aus dem Dienstleistungsbereich alles das, was ebenfalls produktiv ist. Dazu gehört zweifellos „Verkehr und Nachrichtenübermittlung“, „Datenverarbeitung und Datenbanken“, das allermeiste an „Forschung und Entwicklung“ (95%, der Rest ist „wirtschafts- und sozialwissenschaftliche“ Bourgeoiserbauung). Bei den „unternehmensbezogenen Dienstleistungen“ sind, wenn man sie im Detail anschaut, 30% produktiv und 70% unproduktiv. Das „Beherbergungs- und Gaststättenwesen“ ist (soweit es sich um wirkliche kapitalistische Betriebe und nicht um Kleingewerbe (unter 10 Beschäftigten) handelt, aber dieses Problem haben wir in der gesamten „Leistungs- und Strukturstatistik“!) produktiv, es produziert nämlich Waren und Dienstleistungen. Unproduktiv sind das gesamte Kredit- und Versicherungswesen, das „Realitätenwesen“ und der ebenfalls sehr große (70% dieses Aggregats) Bereich der unproduktiven „unternehmensbezogenen Dienstleistungen“ (dessen Dimensionierung übrigens bemerkenswert ist: 10,7 Mrd. Euro Profit verglichen mit 40,4 Mrd. des gesamten produktiven Bereichs!). Im großenteils unproduktiven Bereich „Handel“ gibt es einige wenige (4%) von vornherein produktive Bereiche wie z.B. KFZ-Werkstätten und Reparatur von Gebrauchsgegenständen, aber auch, und nicht zu knapp, produktive Funktionen innerhalb des Handels wie Transport, Lagerung, Verpackung, Sortierung, Aufbereitung in verkaufsfähige Formen etc., darunter z.B. die Tankstellen (die eine besondere Kategorie in der Statistik sind), ganz abgesehen von der in den Supermarkt integrierten Fleischhauerei, Bäckerei oder Schneiderei, alles „Verlängerungen des Produktionsprozesses in die Zirkulationssphäre“ (Marx), also entweder direkte Produktionstätigkeit oder notwendig, um die Waren in einen konsumtionsfähigen Zustand zu bringen. Produktiv sind letztere Funktionen natürlich nur soweit, als sie zur Verlängerung des Produktionsprozesses tatsächlich notwendig sind. Soweit sie nur der kapitalistischen Konkurrenz, staatlicher Subvention und Umverteilung oder vergleichbaren Erscheinungen geschuldet sind (wie z.B. völlig überflüssige und womöglich auf Betrug und Irreführung zielende Verpackung, die eher der Reklame, also den reinen Zirkulationskosten zuzuordnen ist, oder Transportkosten, die ausschließlich der Spekulation oder Subventionsjägerei zuzuschreiben sind, also wenn z.B. eine Ware von Wien nach Graz über Neapel oder Warschau bewegt wird), sind sie dies natürlich nicht. Leider lässt sich das alles kaum quantifizieren, man kann den produktiven Anteil des Handels nur grob schätzen. [Übrigens spielt für die Frage, was notwendig ist, um eine Ware in konsumtionsfähigen Zustand zu bringen und daher „Verlängerung des Produktionsprozesses in die Zirkulationssphäre“, die vorherrschende gesellschaftliche Praxis eine Rolle. Nur zur Veranschaulichung zwei ins Absurde überzeichnete Beispiele. Würden alle sich aus irgendwelchen Gründen den Zucker in Form großer Würfel (oder „Zuckerhüte“, wie es sie im 19.Jahrhundert noch gab) in Zuckerfabriken oder – damit das Beispiel etwas weniger absurd erscheint – alle die landwirtschaftlichen Produkte direkt bei den Produzenten abholen, dann wäre keine weitere Distribution gesellschaftliche Praxis, daher auch nicht „notwendig“, dann wären auch ausnahmsweise Distributionsformen und -wege nicht gesellschaftlich notwendig und daher keine (notwendige!) „Verlängerung des Produktionsprozesses in die Zirkulationssphäre“. Sie wären daher unproduktiv. Oder umgekehrt: Wäre aus irgendwelchen Gründen die Hauszustellung von Waren herrschende gesellschaftliche Praxis und in diesem Sinn gesellschaftlich notwendig, dann wäre das eine notwendige „Verlängerung des Produktionsprozesses in die Zirkulationssphäre“. Sie wären daher produktiv. Alle Kategorien der Politischen Ökonomie sind nicht abstrakte Geistwesen, sondern gesellschaftliche Kategorien, die die gesellschaftliche Praxis widerspiegeln. Das beginnt mit dem Wert und der Wertbildung durch Arbeit und geht bis zu Fragestellungen wie die obige.

vii „Aktiengesellschaften-Statistik“ (2001- 2006), „Leistungs- und Strukturstatistik“ (1995- 2007) und „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“, im speziellen die „Verteilung des Bruttoinlandsproduktes (BIP)“ (bis 2008), alle zugänglich über die „ISIS“-Datenbank der Statistik Austria, sowie die „Annual Macro-Economic Database“ („AMECO“) von EUROSTAT, im speziellen „6. Domestic Product“, „7. Gross Domestic Product (Income Approach)“, „8. Capital Stock“ und „12. National Accounts by Branch of Activity“. Unsere Untersuchung wurde im Juli 2009 abgeschlossen und geht daher von der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Datenbasis aus.

viii Nach dieser Statistik wäre zwischen 2001 und 2006 (solange es die Statistik gibt) die Mehrwertrate um 163% gestiegen, die Profitrate um 146% und die organische Zusammensetzung des Kapitals um 9%. Der ausgewiesene Anstieg der Mehrwertrate um mehr als 20% pro Jahr ist unrealistisch hoch und der der organischen Zusammensetzung um nur 1,7% pro Jahr zu niedrig. Die Profitrate, obwohl ungeheuer gestiegen, läge aber dennoch 2006 nur bei 11,8% (2001: 4,8%). Das passt alles überhaupt nicht zusammen. Die bezüglich des Wachstums unrealistischen Werte müssen wohl mit Erhebungsfehlern oder mit Änderungen des Kreises der einbezogenen Firmen zu tun haben. Vielleicht spielt auch eine Rolle (aber das alleine kann es nicht sein), dass die Kapitalisten ihren Profit früher aus steuerlichen Gründen eher versteckt, in den letzten Jahren ihn aber aus Gründen des Auftretens gegenüber dem Bankkapital und den Börsen eher aufgebauscht haben. Denn das war und ist die Forderung des Finanzkapitals: nichts an „stillen Reserven“ verstecken, alles offen legen und ausräumen, hohe Dividenden auszahlen. Unter dem Druck der „Investoren“, der „Märkte“ (z.B. der Börsen), der Banken und der Verschuldung mussten in den letzten Jahren eher höhere Profite „vorgelegt“ werden. Immerhin: Auch diese Statistik zeigt seit 2004 steigende Mehrwert- und Profitraten, wenn auch mit einem unerklärlichen Sprung nach oben im Jahr 2005.

ix Auch die kleinen Gewerbebetriebe, die 257.000 der 294.000 Firmen ausmachen. Firmen mit bis zu 9 Beschäftigten machten mit 24,3% aller Beschäftigten 16,9% des Umsatzes und 17,8% der Bruttowertschöpfung. Ihr Profitanteil machte satte 26,6% aus, kein Wunder, denn ihr Personalaufwand nur 12,7%. (Diese Details sind interessant zur Beurteilung und politischen Behandlung der angeblich „antimonopolistischen“ Kleinbourgeois und ihrer angeblichen Rolle als Verbündete der Arbeiterklasse.)

x An dieser Stelle drei methodische Hinweise. Erstens: Das ist die Profitrate vor Steuern, denn wir lassen in dieser Untersuchung die Auswirkungen der staatlichen Umverteilung außer Betracht. Die Profitrate nach Steuern ist natürlich entsprechend niedriger. Wir lassen also einmal beiseite, wie weit sich auch die Bourgeoisie an der Finanzierung ihres Staates beteiligt bzw. wie weit das auf die Arbeiter- und Volksmassen abgewälzt wird, wissen allerdings, dass sich dieses Verhältnis immer mehr zugunsten der Bourgeoisie verschiebt. Steuersenkungen und direkte Steuergeschenke für die Bourgeoisie, Steuererhöhungen für das Volk. Und immer mehr direkte Subventionen an die Kapitalisten, von den Subventionen an Banken bis zu den „Kurzarbeitsunterstützungen“, die übrigens rasch zur Pleite der Arbeitslosenversicherung führen müssen. (Man darf sich übrigens nicht durch die offiziellen Steuersätze blenden lassen, die tatsächliche „Steuerquote“ der österreichischen Aktiengesellschaften lag laut offizieller Statistik in den letzten Jahren zwischen 7% und 13% !) Zweitens: Diese Profitrate wurde rechnerisch auf Grundlage von „Jahresaggregaten“ ermittelt, also wieviel variables Kapital (Löhne…) wurde im Verlauf des Jahres gezahlt, wieviel zirkulierendes konstantes Kapital verausgabt, wieviel fixes konstantes Kapital verbraucht (Abschreibungen incl. Wertverluste…) und wieviel Profit wurde im Verlauf dieses Jahres lukriert. Keine Rolle spielt in dieser Berechnung die Umschlagsdauer des Kapitals (die ihrerseits wieder aus der Produktions- und der Zirkulationszeit besteht). Verbrauchsgüter oder Dienstleistungen z.B. haben eine sehr kurze Umschlagsdauer, eine Werkzeugmaschine schon eine etwas längere, ein Flugzeug oder der Bau eines Walzwerks eine noch längere, und am anderen Ende geht es z.B. um Tunnel- oder andere Bauprojekte oder ein Wasserkraftwerk mit mehreren Jahren Bauzeit (wobei bei so langfristigen Projekten in der Regel eine Reihe von An- und Zwischenzahlungen das Problem, zumindest teilweise, kompensieren, manchmal – je nach Marktverhältnissen – sogar überkompensieren). Die Umschlagsdauer beeinflusst, wieviel Mehrwert Kapitale gleicher Größe in einem bestimmten Zeitraum produzieren können. Ein Kapital, das sechs Mal pro Jahr umschlägt, produziert pro Jahr unter sonst gleich bleibenden Umständen doppelt soviel Mehrwert bzw. Profit wie ein gleich großes, das nur drei Mal pro Jahr umschlägt. Allerdings werden die Umstände, sprich der Kapitalvorschuss, nicht gleichbleibend sein, sondern wird bei einem Umschlag ersteres Kapital vielleicht nur halb soviel (jedenfalls weniger) Kapitaleinsatz benötigen als zweiteres und daher auch nur mit Kapital in halber Höhe, wenn auch zweimal, in den Ausgleich der Profitraten eingehen. Jedenfalls gleicht sich alles über die Bildung einer Durchschnittsprofitrate auf dem Markt aus, sonst würde ja kein Kapitalist in Branchen mit langer Umschlagsdauer investieren. In den Jahresstatistiken und Jahresbilanzen der Firmen ist beides, die Wirkung der unterschiedlichen Umschlagsdauer und der Ausgleich der Profitraten schon eingeschlossen. (Abgesehen davon liefern weder die bürgerliche Statistik noch die veröffentlichten Bilanzen irgendwelche Anhaltspunkte für eine Ermittlung der Umschlagsdauer, während ohnehin Versuche, unterschiedliche Umschlagshäufigkeiten pro Jahr in die Berechnung hineinzubringen, erstens eine unnötige und überflüssige Komplikation und zweitens ein aussichtsloses Unterfangen wären.) Drittens: Wir gehen von dem in einem bestimmten Jahr tatsächlich verausgabten, verschlissenen, auf das Produkt übertragenen fixen Kapital, nicht vom insgesamt gebundenen fixen Kapital aus, also von den Abschreibungen dieses Jahres, nicht vom Kapitalstock. Das entspricht der üblichen Vorgangsweise des Kapitalisten und auch der Berechnungsweise von Marx. Je größer der Fixkapitalstock und je länger seine Bindungs- oder Lebensdauer ist, desto gravierender wird die Differenz zwischen den beiden Rechenweisen, desto mehr kommt aber die zweite, sich auf den gesamten Fixkapitalstock beziehende Methode in Widerspruch zur üblichen kapitalistischen Denkweise und Rechenpraxis und daher allen verfügbaren Statistiken und Bilanzen. Und das aus gutem Grund, denn je länger die Bindung und ergo der Abschreibungszeitraum des fixen Kapitals, über ein Bilanzjahr hinaus, ist, desto weniger kann es dem Kapitalisten gelingen, es in diesem einen Jahr in den Preisen unterzubringen, da es eben in die Preise der Waren nur pro rata und nicht zur Gänze eingeht, weil es ja auch nur pro rata verschlissen oder verausgabt wird und nicht zur Gänze. Übrigens ließe sich eine auf den Fixkapitalstock abstellende Rechenweise nur realisieren, wenn es eine Art makroökonomischer Gesamtbilanz des produktiven Sektors gäbe, was aber nicht der Fall ist.

xi Bei solchen historischen Vergleichen ist, neben der unterschiedlichen Zeitperiode, die betrachtet wird, auch zu beachten, dass wir hier erstens nicht vom „Bilanzgewinn“ ausgehen, sondern von dem Profit vor allerhand „Bilanzgestaltungen“, wir also den schon ziemlich „gestalteten“ „Bilanzgewinn“ um die (hauptsächlich steuerlich und gesellschaftsrechtlich induzierte) Bildung und Auflösung von Gewinn- und Kapitalrücklagen und den „außerordentlichen Aufwand und Ertrag“ (der meist nur aus Bewertungswillkür und „Ergebnissteuerung“ resultiert) erhöhen und dass wir zweitens vom Profit vor Steuern sprechen. Ginge man demgegenüber vom „Bilanzgewinn“ und noch dazu nach Steuern (oft als „Nettoprofit“ bezeichnet) aus, käme man natürlich auf eine wesentlich niedrigere Profitrate. (Zur Illustration: In der „Aktiengesellschaften-Statistik“ 2006 ist für den produktiven Bereich der „Bilanzgewinn nach Steuern“ um 23% niedriger als der von uns ermittelte Profit, wobei jeweils die Hälfte der Differenz auf „Bilanzgestaltung“ bzw. auf Steuer entfällt. Aus 18% „Bruttoprofit“ würden unter solchen Umständen unter 14% „Nettoprofit“.)

xii Extreme Beispiele dafür sind General Electric, dessen Profit in manchen Jahren zu 70% und mehr aus dem Bank- und Finanzgeschäft („GE Capital“) kam, oder der Siemens-Konzern, der über 7 Milliarden Euro cash hat, die er nicht in „produktive“, sondern in reine Geldkapitalanlage steckt.

xiii Eine Mehrwertrate im strengen Sinn kann es nur dort geben, wo es einen (selbst produzierten, nicht bloß aus anderer Quelle stammenden und über die Zirkulation angeeigneten) Mehrwert gibt. Das ändert freilich nichts daran, dass auch die Arbeiter und Angestellten im Handel, die Bankangestellten etc. von ihren Kapitalisten ausgebeutet werden und man selbstverständlich analog zum produktiven Bereich eine „Ausbeutungsrate“ ermitteln kann. Der Unterschied ist, wofür allerdings die „Unproduktiven“ nichts können und was ihre Lage nicht verbessert, dass auch ihre Löhne und Gehälter, also das variable Kapital in diesen Bereichen, aus dem in den produktiven Bereichen erzeugten Mehrwert gedeckt werden muss, da sie ja selbst keinen Mehrwert erzeugen.

xiv Wenn der Profit des Handelskapitals 25% desjenigen des produktiven Kapitals ausmacht, dann entspricht dies rechnerisch einem Anteil des Handelskapitals am Gesamtprofit (also vor Abzug des Handelsprofits) von etwa 20% [25/(100+25) = 25/125 = 0,20 = 20%. 1980 schätzten deutsche (sich auf den Marxismus berufende) Ökonomen diesen Prozentsatz auf 25%. Der Anteil wäre demnach, ganz gegen die langfristige Tendenz steigender Zirkulationskosten, in den letzten Jahrzehnten gesunken. Ist das möglich und, wenn ja, wodurch? Im Lauf der Zeit verändern sich Ausprägung und Struktur des Handels. Zunächst einmal springen die Faktoren ins Auge, die die Zirkulationssphäre und die Zirkulationskosten ausdehnen. Erstens wird durch chronische Überproduktion und immer wildere Konkurrenz zwischen den Handelsmonopolen („Verdrängungswettbewerb“) die Realisierung des Wertes und Mehrwerts immer schwieriger und verursacht daher höhere Kosten (z.B. Werbung, „Marketing“, überflüssige Verpackung und Aufbereitung, eine oft nur auf Verdrängung des Konkurrenten gerichtete Standortpolitik, die zu einem Überschuss an Verkaufsfläche führt, wirkliche und fiktive Preisschlachten, die unweigerlich mit minderwertigem Produkt, Mogelei, aber in der Folge unweigerlich mit Gewährleistungsthemen einhergehen, aufwendige „Programme“ zur Bindung der Kunden …). Zweitens schlägt der Handel heute aufgrund der sinkenden Werte der einzelnen Waren (da in ihnen aufgrund der durch technischen Fortschritt erzielten höheren Arbeitsproduktivität weniger lebendige Arbeit kristallisiert ist) größere Volumina bei gleichem Wert und Mehrwert um, die aber trotzdem stofflich bewegt werden müssen. Drittens wurden Produktions- wie auch Konsumgütermärkte globalisiert und damit die Transportwege verlängert und auch immer verschlungener (z.B. das Hin – und Hertransportieren von Milch oder Holz, die bekannten Beispiele der Joghurtbecher oder Zündhölzer, die zwischen Produktion und Konsumation Zehntausende Kilometer zurücklegen etc.) und die Verarbeitungskosten erhöht (z.B. die radioaktive Bestrahlung von weit her transportiertem Obst und Gemüse). Viertens übernimmt der Handel teilweise die „Endfertigung“ von Produkten etc., was früher das produzierende Gewerbe (z.B. ein Metzger oder Bäcker) machte (was allerdings produktive Tätigkeit ist, nicht Zirkulationskosten). Das alles erhöht das relative Gewicht der Handelskosten, wobei allerdings alle diese Faktoren teilweise dadurch kompensiert werden, dass die damit verbundenen Kosten zugleich durch die gestiegene Produktivität reduziert werden. Vor allem aber gibt es in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen „Strukturwandel“ des Handels, nämlich die Herausbildung riesiger Monopole, samt ihrer Marktmacht und ihrer Verzahnung mit der Produktion, einen gewaltigen Konzentrations- und Zentralisationsprozess, Super- und Übersupermärkte, Fachmärkte, Einkaufszentren. Das reduziert die Transport- und Lagerkosten. Es reduziert auch die Grundrente (genauso wie die Stadtrandlagen). Bei weitem das Wichtigste aber ist die brutale Steigerung der Ausbeutung der Handelsangestellten (eine Ausbeutung, die die skandalösesten Formen annimmt), die mit dem Konzentrations- und Zentralisationsprozess einhergehende gewaltige Produktivitätssteigerung, eine bessere Logistik und dadurch eine Reduzierung des in Form von Lagerbeständen gebundenen Kapitals relativ zum Umsatz (Lieferung „just in time“, computergesteuerte Lagersysteme…), die Erhöhung der Umschlagsgeschwindigkeit, die brutale Umverteilung von Mehrwert zu Lasten vorgelagerter Produktions- und Transportbereiche, der Entwicklung von Versand- und Internethandel, beide ohne oder mit nur wenig konstantem Kapital, etc. Auch gehen klassische Handels- bzw. Zirkulationsfunktionen (wie z.B. der Zahlungsverkehr, Zwischenfinanzierungen.., also was mit der eigentlichen Verwandlung der Waren- in die Geldform des Wertes und umgekehrt zu tun hat) auf das Bankensystem über (Bank- und Kreditkarten, Finanzierung des Ratengeschäftes und von Zahlungszielen über Banken…), und seien es von den großen Handelsketten selbst betriebene Banken oder Quasibanken. Einerseits wirken also langfristig Faktoren, die das im Handel vorzuschießende Kapital erhöhen, andererseits aber auch solche, die es senken. Anscheinend waren in der jüngsten Periode der Umwälzung der Struktur des Handels die Konzentration und Zentralisation des Kapitals, die Steigerung der Ausbeutung der Lohnabhängigen, die massive Erhöhung der Produktivität und der Umschlagsgeschwindigkeit so groß, dass die die Handelskosten erhöhenden Faktoren überkompensiert wurden. (Im „Lehrbuch der Politischen Ökonomie“ aus 1955 hieß es, dass „die ständige Zunahme der Zirkulationskosten ein Zeichen für den immer stärker werdenden Parasitismus in der bürgerlichen Gesellschaft (ist)“ (S.193). Das ist in der Tat eine dem Kapitalismus innewohnende Tendenz. Allerdings ist diese zuletzt offenbar durch die angeführten Faktoren kompensiert worden. Laut „Lehrbuch“ machten damals die Zirkulationskosten etwa ⅓ des Umsatzes aus; 2007 war der vergleichbare Wert laut österreichischer „Leistungs- und Strukturstatistik“ nur mehr 28%.

xv Diese 10% sind wahrscheinlich eine Untergrenze, es können auch 15% sein oder mehr. Es lässt sich nicht näher schätzen, weil es keine veröffentlichten Angaben dazu gibt. Zudem ist es zwar für die interne Kostenrechnung des Handels relevant, aber für die Profitabilität des Handelskapitals insgesamt irrelevant. Andererseits muss man folgendes bedenken: Wenn man an Handel denkt, denkt man natürlich nicht nur an die Supermarktkassa, sondern – neben anderen Dingen wie das In-die-Regale-Schlichten und die Endverarbeitung einiger Frischprodukte etc. – auch an die ganze Distribution dahinter, also an Transport und Lagerhaltung. Diese Bereiche sind aber häufig an andere Firmen ausgelagert, die von vornherein in der Statistik nicht unter „Handel“ rubriziert sind. Vieles der Transportfunktion wird auch von den Produktionsfirmen wahrgenommen und schlägt sich daher ebenfalls nicht unter „Handel“ nieder. Wir gehen daher per heute von diesen 10% aus, werden aber versuchen, weitere Untersuchungen über diese Frage anzustellen.

xvi Durch diese „Umgruppierung“ [Rechenvorgang: 67/100 60,3/106,7 und damit 67% 57% ergibt sich zugleich automatisch eine Erhöhung der Profitrate des produktiven Bereichs von 18% auf 19,2% [18% * (1 + 0,067), von der in weiterer Folge ausgegangen wird. Siehe Endnote 20.

xvii Die „Aktiengesellschaften-Statistik“ zeigt eine Zinsquote (Zinsensaldo/Profit vor Zinsen) von etwas über 20%. Repräsentative Zahlen für die gesamte Wirtschaft, z.B. in der „Leistungs- und Strukturstatistik“, gibt es nicht. Gilt das, was 2006 für die Aktiengesellschaften galt, auch 2007 oder 2008 für alle Firmen? Einerseits leben etliche große Firmen aufgrund hoher Profite (bei relativ niedrigen Dividenden) in der Vergangenheit immer noch von der sog. Selbst- oder Innenfinanzierung, auf deutsch: sie brauchen keine Bankkredite. Andererseits führte die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte, die mit dem Konzept des shareholder value verbunden ist, dazu, dass viele Firmen, vor allem, aber nicht nur im Zuge von Übernahmen und Fusionen, über hohe Dividenden finanziell ausgeräumt werden und daher hoch verschuldet sind. Druck in Richtung hoher Dividendenausschüttungen, die „der Markt erwartet“, immer höhere Verschuldung bei möglichst wenig Eigenkapital („hohes leveraging“ heißt das im Fachjargon) und gleichzeitig Reduzierung der produktiven Investitionen – das war jüngst und ist nach wie vor der Zug der Zeit. Bei den Klein- und Mittelbetrieben ist die Bankverschuldung von 2002 bis 2007 um 10% zurückgegangen und hat sich die „Eigenkapitalquote“ entsprechend (auf 23%) erhöht, was aber immer noch unter dem Durchschnitt der Aktiengesellschaften liegt. Wir haben also gegenlaufende Faktoren, deren Resultante schwer einzuschätzen ist. Insgesamt dürfte der Zinsabzug vom Mehrwert etwas höher als die von uns angesetzten 20% liegen und dieser Wert nur eine Untergrenze darstellen. (Eine deutsche Untersuchung aus 1980 kam für das Jahr 1974 auf eine Zinsquote von 15%, was damals einen deutlichen Anstieg gegenüber 1960 (7%) bedeutete. Das deutete auf die langfristig wachsende Verschuldung und zunehmende Rolle des Banken- und Finanzsektors hin.)

xviii Z.B. Werbung und Marketing , „Lobbying“, „Investor Relations“, Personalwesen (das zum größeren Teil der Ausbeutung und Unterdrückung und nicht der „Rechnungsführung“ über das Personal zuzuordnen ist), Bilanzbuchhaltung (zu einem Teil), die eigentliche Bilanzierung (zum großen Teil), Steuerwesen (weitestgehend), Kostenrechnung (nur soweit sie ganz oder überwiegend der Antreiberei dient), Controlling (detto), Recht, Patente und Lizenzen (weitestgehend, soweit nicht bloße Erfassung von Verfahren, Erfindungen etc.), Vertriebskosten (teilweise, z.B. das Schmiergeldwesen) usw. Diese Kosten gehören teils der Produktions-, teils der Zirkulationssphäre an. Soweit letzteres der Fall ist, sind sie von vornherein unproduktiv, denn die Zirkulation, der Formwechsel von Ware in Geld oder umgekehrt, ist nicht produktiv, sondern eben bloßer Formwechsel des Tauschwerts. Anders natürlich bei Funktionen, die sich zwar in der Zirkulationssphäre abspielen, die aber in Wirklichkeit eine „Verlängerung“ des Produktionsprozesses in die Zirkulationssphäre hinein sind (z.B. bei einem Teil des technischen Vertriebs). Soweit ersteres der Fall ist, muss unterschieden werden zwischen Tätigkeiten, die für den Produktionsprozess notwendig sind, und zwar notwendig, weil er Arbeitsprozess ist, von seiner stofflichen Seite her, nicht bloß weil er kapitalistischer Produktionsprozess, Verwertungsprozess ist, und solchen Tätigkeiten, die ausschließlich der kapitalistischen Form des Produktionsprozesses geschuldet sind, d.h. der Tatsache, dass sich Produkte nur als Waren und Träger von Tauschwert austauschen können und dass es einen Arbeitsprozess nur gibt, wenn er zugleich Verwertungsprozess des Kapitals ist. Letztere sind natürlich ebenfalls unproduktiv. [Von der Werbung zu unterscheiden ist die Produktinformation etc., die für die (individuelle oder produktive) Konsumtion einer Ware oder Dienstleistung notwendig ist. Z.B. kann eine Werkzeugmaschine nicht ohne Betriebshandbuch und eine Hi-Fi-Anlage nicht ohne Bedienungsanleitung ‚konsumiert’ werden. Diese sind daher nicht Werbung und nicht der Zirkulationssphäre zuzuordnen, sondern sind notwendiger Bestandteil des Produktes und stellen somit produktive Arbeit dar. Die eigentliche Werbung hingegen dient nur dazu, dass ein Kapitalist dem anderen Konkurrenz macht, sei es mit wahren, sei es mit erlogenen Argumenten, ob sich die Konkurrenz nun auf Produkteigenschaften, Zahlungskonditionen oder was auch immer bezieht. Sie ist für die Konsumtionsfähigkeit des Produkts nicht notwendig. Sie ist daher unproduktiv. Natürlich lässt sich das im Einzelfall oft schwer unterscheiden (häufig aber auch sehr leicht), aber begrifflich ist der Unterschied klar.

xix Tendenz unklar. Einerseits steigen Bedeutung und Ausmaß unproduktiver Funktionen, andererseits werden laufend Programme zur „Gemeinkostensenkung“ gefahren. Wahrscheinlich steigen die parasitären und nach Fäulnis stinkenden Kosten, während bei den zwar unproduktiven, aber doch notwendigen Kosten, vor allem bei den Lohnabhängigen, eingespart wird.

xx Der Sache nach bedeuten solche „modifizierten“ Raten solche Raten, wie wir sie vorfänden, wenn es keine Zirkulationssphäre und keine sonstigen unproduktiven Kosten gäbe. Das ist natürlich rein fiktiv und nur ein Konstrukt, das in der wirklichen Zirkulation, in der sich eben der Mehrwert in seine verschiedenen Elemente aufspaltet, gerade nicht in Erscheinung treten kann. Wir brauchen dieses Konstrukt aber rechnerisch auf dem Weg zur Abschätzung des eigentlichen Ausbeutungsgrads im produktiven Bereich. [Rechnerische Transformationsformel: p‘ mod = p‘ * 1,57 * 1,48 * (1/0,80) * 1,15. Bei p’ = 19,2% oder 0,192 ergibt sich für p‘ mod = 64%

xxi Auf reformistischer und revisionistischer Seite wird die Ausbeutungsrate, soweit sie irgendwo erwähnt wird, systematisch untertrieben. Gerne sorgt sich der „Gerechtigkeit“ propagierende Bourgeoisideologe um die „Lohnquote“ an der „Bruttowertschöpfung“ oder sogar am BIP (was ihn zur Annahme einer Ausbeutungs- oder besser gesagt „Ungerechtigkeits“rate von 50% veranlasst). Auf kommunistischer Seite wird manchmal, wohl aus dem Bemühen, die Fratze des Kapitals besonders abscheulich zu zeichnen, ein Bock in der anderen Richtung geschossen. „Im imperialistischen Deutschland z.B. schafft eine ArbeiterIn, die sieben Stunden am Tag arbeitet, durchschnittlich in 30 Minuten soviel Wert, wie ihr Lohn und die Abgaben ausmachen. Die restlichen sechseinhalb Stunden arbeitet sie sozusagen unentgeltlich für die Kapitalistenklasse.“ („Trotz alledem!“, Nr.51) Das hieße, die Mehrwertrate wäre 1.300%. Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Und vor allem: Geht so ein Schuss nicht nach hinten los? Welche ungeheure ökonomische Macht und welchen gewaltigen ökonomischen Handlungsspielraum hätte so eine Bourgeoisie, z.B. zur Korrumpierung der Arbeiteraristokratie oder zum Ausbau des Staatsapparats? Wird dadurch die Bourgeoisie nicht sehr überschätzt? Auch die MLPD glaubt („Stefan Engel’s Hamburger Rede“ am 22.8.2009), dass der deutsche Arbeiter nur 5 Minuten pro Stunde für seine eigene Reproduktion arbeitet, das wäre eine Mehrwertrate von 55/5 oder 1.100%. Bei der MLPD kann man sich allerdings diese Zahl erklären: Die MLPD geht in allen ihren Publikationen davon aus, dass der Quotient zwischen Lohnsumme und Umsatz (!) etwas über die Ausbeutungsrate aussagt, was natürlich Unsinn ist, weil in den Umsatz auch das konstante Kapital und auch sämtliche Preisbewegungen eingehen. Aber so ergibt sich dann eine „Mehrwertrate“ von 1.100%. Und das bei einer „Profitrate“ der 500 weltweit größten Monopole, die von der MLPD in der „Roten Fahne“ 30/2005 für das Jahr 2004 mit 1,4% „ermittelt“ wurde (seither wurde die „Profitrate“ offenbar nicht mehr „berechnet“, anscheinend machten diese 1,4% doch stutzig!). Mit ein bisschen Mathematik kann man sich ausrechnen, dass das eine organische Zusammensetzung des Kapitals von 785:1 bedeuten würde, d.h. es gäbe fast nur noch Maschinen und fast keine lebendige Arbeit mehr. Woher käme dann aber der Mehrwert? Absurdität kennt, scheint es, manchenorts keine Grenzen.)

xxii Der gesamte von der Arbeiterklasse geschaffene Neuwert teilt sich in Mehrwert und variables Kapital im Verhältnis 70:30 [Rechenformel: 237/(237+100) = 237/337 = 0,70 = 70%.

xxiii Das gilt mit der (wichtigen!) Einschränkung, dass ein Teil dieses Mehrwerts seinerseits ausländischem Kapital in Österreich zuzurechnen ist. Eine Untersuchung der ia.rkp aus Mai 2009 („Proletarische Revolution“ Nr.37) schätzt diesen Anteil auf etwa 35%. Diese Einschränkung gilt in weiterer Folge auch für die Raten, die sich letztendlich nach Neutralisierung um den Kapitalexport ergeben.

xxiv Wir gehen davon aus, dass sich etwa 40% des investierten fixen Kapitals im Ausland und 60% im Inland befinden. Dies ergibt sich einmal für den ausländischen „Kapitalstock“ aus einer spezifischen eigenen Untersuchung aus Mai 2009 (siehe PR Nr.37). Der inländische „Kapitalstock“ wurde mangels besserer Daten aus der „Aktiengesellschaften-Statistik“ hochgerechnet, indem das dort ausgewiesene „Anlagevermögen“ im Verhältnis des dort ausgewiesenen Umsatzes zum Gesamtumsatz der „Leistungs- und Strukturstatistik“ hochgerechnet wurde. Das ergibt ein Verhältnis des inländischen zum ausländischen Kapitalstock von 60:40. Wir gehen weiters – nach der soeben genannten Untersuchung – davon aus, dass von den ausländischen Profiten ein Drittel bis die Hälfte im Ausland verbleiben und die Hälfte bis zwei Drittel nach Österreich ausgeschüttet werden, dass die reinvestierten zu den repatriierten Profiten also in einem Verhältnis von etwa 40:60 stehen. Unter diesen beiden Voraussetzungen enthält der durchschnittliche „österreichische“ Profit eine Komponente ausländischen Ursprungs von 24%. (Es ist dabei zweierlei unterstellt: Erstens dass das Kapital im In- und Ausland eine gleich hohe Mehrwertrate lukriert und dass es zweitens eine gleiche organische Zusammensetzung hat. In Wirklichkeit bedeuten die in Osteuropa immer noch niedrigeren Löhne eine höhere Mehrwertrate. Was die organische Zusammensetzung des dorthin exportierten Kapitals betrifft, ist sie einerseits wegen der dort niedrigeren Löhne, bei gleicher stofflich-technischer Zusammensetzung, höher, was die Profitrate drückt, aber andrerseits durch die Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals (billigerer Einkauf von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen etc., aber auch von Maschinen und Werkzeugen) niedriger, was die Profitrate erhöht. Nach allem, was man von Kapitalistenseite hört, überwiegt letzteres.)

xxv Nicht „herausrechnen“ können wir bei bestem Willen die Umverteilung von anderswo erzeugtem Mehrwerts von weniger produktiven zu produktiveren Kapitalen, die sich über den Ausgleich der Profitraten zwischen den unterschiedlich produktiven nationalen Kapitalen vermittelt, im Warenexport (Mehrwertumverteilung!) wie im Warenimport (Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals wie auch der Lebensmittel, die auf den Wert der Arbeitskraft bzw. das variable Kapital wirken!). Dadurch wird fremder und somit Extramehrwert angeeignet, der im Profit der österreichischen Bourgeoisie steckt, ohne aber in der Statistik irgendein besonderes „Mascherl“ zu haben. Diese Umverteilung ist für ein Land wie Österreich mit seiner im internationalen Maßstab sehr hohen Produktivität sehr relevant. Gemessen am BIP pro Kopf ist Österreich weltweit die Nr.12, klar z.B. vor Deutschland (nämlich +12%), lässt man „Finanzzentren“ wie Luxemburg und Irland und das (gewesene) Spekulationswunderland Island weg, sogar Nr.9, in Europa sogar Nr.7. Zahlenmäßig erfassen lässt sich diese Umverteilung von Mehrwert aber nicht.

xxvi Wir nehmen als Maßstab die Entwicklung des BIP (Bruttoinlandsprodukt/gross domestic product), die etwas anders berechnete gesamtwirtschaftliche BWS (Bruttowertschöpfung/ gross value added) sowie diejenige nur der Industrie. Alle Werte sind durchschnittliche jährliche Wachstumsraten im betreffenden Zeitraum und jeweils inflationsbereinigt gemäß „AMECO“/EUROSTAT. Nur in dieser Tabelle wurde der Prognosewert („estimate“) für 2009 vor Drucklegung (Stand: November 2009) nochmals aktualisiert.

xxvii Die relative Verbilligung der Elemente des zirkulierenden konstanten Kapitals (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Vormaterialien und –produkte) ist von größter Bedeutung, wird aber oft unterschätzt. Immerhin machte laut „Aktiengesellschaften-Statistik“ 2006 das zirkulierende Kapital 87% und das fixe 13% des gesamten konstanten Kapitals aus. Von Kapitalistenseite wird immer wieder betont, dass in Osteuropa zumindest ebenso wie die niedrigeren Löhne die billigeren Zukaufsmöglichkeiten interessieren.

xxviii Der Bourgeoisökonom, soweit er zu diesem Thema etwas sagt oder sagen muss, verweist üblicherweise darauf, dass halt der relative Anteil des „sekundären Sektors“, d.i. die Industrie im weiten Sinne, zugunsten des „tertiären“ oder Dienstleistungssektors zurückginge. Warum geht es aber dann mit den Wachstumsraten des BIP insgesamt ebenfalls bergab, obwohl in diesem nicht nur die wirklichen Dienstleistungen, sondern alles bis zu ideologischen Fürzen jeder Art, soweit es zum Zweck kapitalistischer Verwertung geschieht und einen Preis erzielt, enthalten ist? Hier wird überhaupt viel Mystifikation betrieben. In den letzten zehn Jahren wuchs der „sekundäre Sektor“ um 48,3% und der „tertiäre“ (incl. Banken- und Finanzsektor) um ganze 50,2%. Nicht viel anders über zwanzig Jahre (100% versus 120%), etwas anders noch über dreißig Jahre (220% versus 330%). Der Aberglaube, dass es bald kaum mehr Produktion und nur mehr Dienstleistungen gibt, ist eben nur Aberglaube und der Mythos der „Dienstleistungsgesellschaft“, von der Bourgeoisie ausgedacht zur Marginalisierung des Proletariats, beruht, soweit er überhaupt einen realen Bezug hat, auf Entwicklungen der 1980er Jahre.

xxix Zur Vertiefung dieser Fragen siehe „Kapital“ III, Dritter Abschnitt, MEW 25: „Fall der Profitrate und beschleunigte Akkumulation sind insofern nur verschiedne Ausdrücke desselben Prozesses, als beide die Entwicklung der Produktivkraft ausdrücken. Die Akkumulation ihrerseits beschleunigt den Fall der Profitrate, sofern mit ihr die Konzentration der Arbeiten auf großer Stufenleiter und damit eine höhere Zusammensetzung des Kapitals gegeben ist. Andrerseits beschleunigt der Fall der Profitrate wieder die Konzentration des Kapitals und seine Zentralisation durch die Enteignung der kleinern Kapitalisten… Dadurch wird einerseits die Akkumulation, der Masse nach, beschleunigt, obgleich mit der Profitrate die Rate der Akkumulation fällt. Andrerseits, soweit die Rate der Verwertung des Gesamtkapitals, die Profitrate, der Stachel der kapitalistischen Produktion ist (wie die Verwertung des Kapitals ihr einziger Zweck), verlangsamt ihr Fall die Bildung neuer Kapitale und erscheint so als bedrohlich für die Entwicklung des kapitalistischen Produktionsprozesses; er befördert Überproduktion, Spekulation, Krisen, überflüssiges Kapital neben überflüssiger Bevölkerung.“ (S.251f.) Und zur Frage von Rate und Masse des Mehrwerts: „…die absolute Masse… des produzierten Profits kann also wachsen, und progressiv wachsen, trotz des progressiven Falls der Profitrate. Dies kann nicht nur der Fall sein. Es muss der Fall sein – vorübergehende Schwankungen abgerechnet – auf Basis der kapitalistischen Produktion.“ (S.228) „Dieselben Gesetze der Produktion und Akkumulation steigern, mit der Masse, den Wert des konstanten Kapitals in zunehmender Progression rascher als den des variablen, gegen lebendige Arbeit umgesetzten Kapitalteils. Dieselben Gesetze produzieren also für das Gesellschaftskapital eine wachsende absolute Profitmasse (Anm.: die übrigens in immer weniger Händen konzentriert und zentralisiert ist) und eine fallende Profitrate.“ (S.229) Was in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch geniale Analyse und Voraussage war, wurde durch den Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium nochmals massiv verstärkt und auf eine neue Stufenleiter gehoben. Aber, wie man sieht, sind die ökonomischen Entwicklungsgesetze des Imperialismus im Akkumulationsprozess des Kapitals schon angelegt.

xxx Die folgenden Überlegungen stammen aus der „Kreuzung“ von drei Schätzungen der Profit- und Mehrwertrate in Deutschland aus 1980 (Altvater, SOST, Schmierer) mit den bescheidenen verfügbaren makroökonomischen Daten über Österreich sowie mit Überlegungen über die Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung der Entwicklung des österreichischen mit der des deutschen Kapitals. Die drei deutschen Untersuchungen sind alle auf makroökonomischen Daten (aus der „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“) aufgebaut und dementsprechend mit Fragezeichen zu versehen, sie „definieren“(in Bezug auf die verfügbaren Statistiken) die Profitrate unterschiedlich, sie zeigen auch ziemlich unterschiedliche Ergebnisse bezüglich des absoluten Niveaus der Profitrate, aber eine erstaunliche Übereinstimmung über deren Entwicklung.

xxxi Die o.a. deutschen Untersuchungen zeigen für Deutschland einen Fall der Profitrate zwischen dem Höchststand 1955 (eine der drei Untersuchungen geht diesbezüglich von 1958 aus) und dem Tiefpunkt 1975 um 40-50%, also fast auf die Hälfte.

xxxii Das verlief nicht ohne zyklische Rückschläge und Krisen. Die „mageren Jahre“ des BIP fielen im Gleichschritt mit der internationalen Entwicklung in die Jahre 2001-2003, 1992-1993, eine Zwischenkrise 1984 und 1978-1981. Deutlicher noch fielen die Krisen in der Produktion aus. So schrumpfte die „Sachgütererzeugung“ 2002 um -0,5%, 1992-93 um -2,9%, 1987 um -1,4% und 1981-82 um -0,1%.

xxxiii Die „Industrieproduktivität“ der bürgerlichen Statistik schließt sowohl die Erhöhung der Arbeitsproduktivität als auch die Erhöhung der Arbeitsintensität durch unmittelbar erhöhte Ausbeutung ein. Ersteres erlaubt zwar die zeitweilige Realisierung von Extraprofit, wirkt aber langfristig, da untrennbar mit der Vergrößerung des konstanten Kapitals verbunden, senkend auf die Profitrate. Letzteres erhöht die Mehrwertrate und mit ihr die Profitrate.

xxxiv Die „Leistungs- und Strukturstatistik“ wird in ihrer heutigen Form erst seit 1997 geführt. Halbwegs aussagekräftige statistische Daten für die Zeit davor findet man kaum.

xxxv Unspektakulär für die Bourgeoisie, ohne krachendes Platzen, sehr spürbar allerdings für die Völker in den abhängigen Ländern: weltweite Hungersnöte, Hungerrevolten in zwei Dutzend Ländern, meistens aber schnell – und unspektakulär für die Öffentlichkeit der imperialistischen Länder – militärisch niedergeschlagen. „Krisenmanagement“ schaut nicht überall und jederzeit gleich aus!

xxxvi Die Dimension der „Weltwirtschaftskrise“ 1929-32 ist, per heute, allerdings noch lange nicht erreicht. Damals sank die Industrieproduktion in drei Jahren um 45-49%. Die OECD weist demgegenüber von Beginn der Industrierezession im 1.Qu.2008 an bis April 2009 insgesamt einen Rückgang der Industrieproduktion für die EU von -18,7% aus, für die OECD von -16,1%, für Österreich übrigens von -13,4%, Frankreich -18,2% und Deutschland -23,0%. Noch hat die Krise ihren tiefsten Punkt nicht erreicht, aber wir sind noch weit weg von dem Einbruch 1929-1932. Diesbezüglich begegnet man auch von kommunistischer Seite verbreitetem Unsinn, z.B. wenn jemand trommelt, „dass es sich um die tiefste Weltwirtschaftskrise in der Geschichte des Kapitalismus überhaupt handelt, denn es wurde bereits in den ersten Monaten der Krise Ende 2008 tausendmal mehr (Anm.: Hervorhebung durch uns) an Kapital vernichtet als Ende 1929 bei den Kursstürzen in den USA“ („Rote Fahne“ der MLPD, z.B. 27/2009). Abgesehen davon, dass hier Äpfel mit Birnen (USA mit der Welt, nur Aktienbörse mit allem Finanzgeschäft, schließlich nominelle Zahlen aus 1929 mit solchen von heute, obwohl einige Jährchen mit nicht zu knapper inflationärer Entwertung dazwischen liegen) verglichen werden, muss man zwischen der Vernichtung von wirklichem und der von fiktivem Kapital unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob produktives Kapital vernichtet (z.B. ein Autowerk geschlossen) wird oder einem bloß „heiße Luft“ zwischen den Fingern zerrinnt. Wenn eine Spekulationsblase auf Basis von Kreditderivaten oder von Währungsoptionen platzt, wird zunächst einmal nur fiktives Kapital vernichtet. Wirkliches Kapital wird nur vernichtet, wenn und insoweit dies zur Vernichtung oder zum gänzlichen Untergang z.B. des Eigenkapitals einer involvierten Bank oder Firma führt.

xxxvii „Leistungs- und Strukturstatistik“ 1995 – 2007, wobei wir hier der Einfachheit halber, aber völlig ausreichend zum Erkennen von Trends, auf das aufwendige Herausrechnen des produktiven Elements auch aus dem Dienstleistungsbereich verzichten. Daraus erklärt sich die geringfügige Abweichung der hier angeführten Profitrate für 2007 (17,8%) von den in Punkt 3 genannten 18% sowie der hier angeführten organischen Zusammensetzung des Kapitals (2,9) von der in Punkt 4 genannten von 2,7, die – beide – auf detaillierter Auseinanderrechnung von produktiven und unproduktiven Bereichen beruhen.

xxxviii Das Exportwachstum betrug nach einem Höhepunkt im Jahr 2000 (+15,6%) in den Jahren 2001 und 2002 immer noch +6,5% und +4,2%, brach erst 2003 auf (immerhin immer noch) +1,9% ein, um 2004 wieder auf +13,9% zu springen. Das zeigt, wie der Warenexport die Konjunktur stützte (relativ schwächere Ausprägung der Krise im Vergleich zu anderen imperialistischen Ländern!). Noch mehr stützte er die Profite.

xxxix Nicht nur wurden Maßnahmen zur „Bilanzverkürzung“ zum Muss, sondern es wurden auch die Bilanzierungsregeln drastisch geändert, indem von den alten „vorsichtigen“ handelsrechtlichen Regeln übergegangen wurde zu aus den USA importierten „risikofreudigeren“ und nur auf Börse und Finanzkapital orientierten Regeln (IFRS, US GAPP…).

xl Ein extremes Beispiel für das Ausmaß der „Überkapazitäten“ ist die Automobilindustrie: Einer Produktionskapazität von 94 Millionen Fahrzeugen pro Jahr stand Ende 2008 ein Markt von etwa 60 Millionen gegenüber, also eine weltweite „Überkapazität“ von 36%. Trotz der Kapazitätsvernichtungsprogramme bei GM oder Chrysler gehen in den USA selbst konjunktur-optimistische bürgerliche Experten davon aus, dass nicht ausreichend Kapazität vernichtet (Fabriken stillgelegt oder zurückgebaut, Arbeiter entlassen…) werden wird, um einen neuen Aufschwung anzukurbeln oder auch nur zu stützen. Trotz dieser Programme bestünde nämlich in den USA Ende 2009 immer noch eine Kapazität von 16,9 Millionen, die Nachfrage vor der Krise war zuhöchst 16 Millionen und sei 2009 voraussichtlich 9,5 Millionen, was eine Kapazitätsauslastung von bloß 56% bedeute – und das nach den Werkschließungen etc. Die 16 Millionen Fahrzeuge in den USA vor der derzeitigen Krise könne man frühestens 2013 wieder erreichen… Also lange Depression statt Konjunkturaufschwung. (Quelle: „Monthly Review“, June 2009).

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