Kriegskosten des französischen Imperialismus im Libyenkrieg

Die Imperialisten sind einerseits wirkliche Tiger und andererseits Papiertiger

(am Beispiel der Kriegskosten des französischen Imperialismus im Libyenkrieg)

Laut „Standard“ vom 22.Oktober belaufen sich die „offiziellen“ französischen Kriegskosten im Libyenkrieg auf 260 Mio. Euro. Das ist weit untertrieben, die Kosten müssen bei über 500 Mio. Euro liegen. Das französische Kriegsministerium hat nämlich die täglichen Kriegskosten mit mindestens 1,2 Mio. Euro beziffert. In den „offiziellen“ Zahlen dürften nur die „direkten“ Kosten berücksichtigt sein (z.B. die reinen Einsatzkosten des Jagdflugzeugs Rafale und die von ihm abgeschossenen Raketen, aber nicht dessen sowieso vorhandenen Fixkosten, ebenso für den Flugzeugträger Charles de Gaulle, ebenso wenig die ganze Logistikstruktur dahinter etc.). Oder es ist überhaupt eine gezinkte Zahl. Der französische Imperialismus hat einen Teil seiner Militärmaschinerie in Bewegung gesetzt. Deshalb und insofern ist er ein wirklicher Tiger.

Andererseits ist er ein Papiertiger. Der französische Staat hat nämlich nur beschränkte Ressourcen für solche Kriege verfügbar. Er schlägt sich ebenfalls mit der sog. „Schuldenkrise“ herum. Vor allem aber ist die französische Wirtschaft nicht auf Kriegswirtschaft ausgerichtet. Mit den drei gleichzeitigen Einsätzen der französischen Armee in Libyen, Afghanistan und Côte d’Ivoire erreichte er bereits – natürlich nur unter den gegebenen Bedingungen einer „Friedenswirtschaft“- Schranken seiner Einsatzkraft.

Ende Juni hatte das französische Kriegsministerium bereits bekannt gegeben, dass für das ganze Jahr 2011 für diese drei Auslandseinsätze 630 Mio. Euro budgetiert gewesen seien, dies aber bereits zur Jahreshälfte fast ausgeschöpft sei. Mindestens 900 Mio. Euro wurden damals bereits hochgerechnet – und damals rechnete niemand damit, dass sich der Libyenkrieg so in die Länge ziehen würde. (Auch Côte d’Ivoire gestaltet sich bis heute schwieriger als erwartet. Das Quislingregime von Ouattara hat bis heute das Land nicht gänzlich unter Kontrolle.)

700 Einsätze mit 3.800 Flugstunden hatten die französischen Imperialisten bis Juni gegen Libyen geflogen. Der Rafale-Einsatz (nur der Einsatz selbst, ohne Munition) kostet 13.000 Euro pro Stunde. Der Jäger wirft herkömmliche Bomben ab und verschießt Luft-Boden-Raketen. Eine einzige solche Rakete kostet aber 850.000 Euro. Der Generalstab hat daher rasch begonnen, Einsätze dieser Raketen durch wahllose Flächenbombardements zu ersetzen. Das verursacht zwar gewaltige „Kollateralschäden“ unter der Zivilbevölkerung,  ist aber viel billiger. Andererseits ist es aber auch viel weniger treffgenau und viel weniger „effizient“. Das erklärt zum Teil, warum man die Militärmaschinerie Gaddafis nie vollständig zerstören konnte. (Die meisten der 1.200 Boden-Luft-Raketen der libyschen Armee z.B. wurden nicht zerstört und sind jetzt entweder irgendwo versteckt oder von irgendjemandem in die Nachbarländer verkauft worden, u.a. in den Sudan, wie gemunkelt wird.)

Anderes Beispiel: der Flugzeugträger Charles de Gaulle. Frankreich hat nur diesen einen. Der Bau eines zweiten wurde vor einem Jahr aus Kostengründen gestoppt. Der einzige Träger war monatelang im Pazifik unterwegs und wurde bei seiner Rückkehr zur Reparaturwerft in Toulon kurzerhand vor die libysche Küste beordert. Jetzt ist er endlich in der Werft, wo er die nächsten Monate verbringen wird. Natürlich könnte man einen zweiten und dritten Träger bauen, aber dann würden vielleicht die „Bankenrettungen“ etwas weniger großzügig ausfallen müssen. Um diesen Widerspruch kommt die französische Finanzbourgeoisie nicht herum.

Die imperialistische Militärmaschinerie wirkt furchtbar und ist es auch, aber doch sind ihre Möglichkeiten beschränkt. Deshalb und insofern ist der Imperialismus auch bloß ein Papiertiger. Die Imperialisten sind nicht allmächtig. Auch in Libyen nicht. Sie können sich auch militärisch schon auf den nächsten Bürgerkrieg in Libyen einstellen.

Ein lang andauernder Volksbefreiungskrieg in einem oder mehreren Ländern würde auch die mächtigsten imperialistischen Länder bald an die Schranken ihrer Möglichkeiten führen, sowohl von der Finanzierung und den Kapazitäten der Rüstungsindustrie her als auch vom „Soldatenmaterial“ her, vor allem sobald es in größerem Maßstab Verluste auf der eigene Seite gibt. Außer sie stellen ihre Wirtschaften zumindest teilweise auf Kriegswirtschaft um. Das aber verschärft wieder andere Widersprüche, nicht zuletzt die sozialen und politischen im Inneren, den Klassenkampf.

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