Olympische Sommerspiele in London – mag sein ein Höhepunkt des Sports, vor allem aber einer des Polizeistaates

In der Juli-Nummer des „partisan“, Organ der französischen OCML-VP (Organisation communiste marxiste-léniniste – Voie prolétarienne), findet sich folgende kurze Notiz, die ihrerseits auf einem Artikel des US-Sportjournalisten Dave Zirin aufbaut.

Die Olympischen Sommerspiele in London stehen ins Haus, „mit seinen Scannern, seinen biometrischen Identitätskarten, seiner Videoüberwachung und seinen Einrichtungen zur Gesichtserkennung, seinen Regelungen zum Screening von Krankheitsfällen, seinen polizeilichen Kontrollzentren und Überwachungspunkten“ (dieses und alle folgenden Zitate nach der Londoner Zeitung „The Guardian“). Bis zu 48.000 „Sicherheitskräfte“ werden im Einsatz sein. 13.500 Soldaten. Boden-Luft-Raketen werden auf den Wohnanlagen installiert. Eine akustische Waffe ist bereit zum Einsatz, um Menschenansammlungen zu zerstreuen, eine Waffe, die „schreckliche Kopfschmerzen erzeugt“ [1]. Drohnen werden über den Sportstätten kreisen. Eine „Sicherheitszone“ mit einem elektrischen Zaun von 18 Kilometern Länge wird errichtet und durch 55 Polizeistaffeln mit Kampfhunden gesichert. Heute schon gibt es in London mehr Überwachungskameras als in irgendeiner anderen Stadt der Welt. Die Olympischen Spiele werden die größte Mobilisierung militärischer und „Sicherheitskräfte“ in Großbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg mit sich bringen. (Anm.: Vielleicht ziehen sie auch wieder gepanzerte Fahrzeuge oder sogar Kampfpanzer auf; nach dem „11.September“ waren auf allen Londoner Flughäfen jeweils einige Kampfpanzer in Stellung gebracht worden – natürlich nur zur Verbreitung einer terrorisierenden Atmosphäre und nicht etwa, um wirklich in die Terminals zu feuern.)

 

Diese „Sicherheitsoperation“ bedeutet Schikanierung und Repression gegen die Arbeiterklasse, vor allem gegen die jugendlichen Arbeiter. „The Guardian“ schreibt: „Die Polizisten haben das Recht, gegen jede Person vorzugehen, von der sie glauben, dass sie ein unsoziales Verhalten an den Tag legt, ob das nun Zusammenrottungen auf Bahnhöfen sind, ob es sich um Bettelei oder sexuelle Anbiederung handelt, ob einer eine Kapuze trägt, ob er obdachlos ist oder Lärm irgendwelcher Art erzeugt…“ Die Olympischen Spiele haben mit Sport genauso viel zu tun wie der Irakkrieg mit Demokratie!

 

In vieler Hinsicht trifft das auf die Olympischen Spiele seit jeher zu. Von denen Hitlers in Berlin 1936 bis zum Massaker an Studenten in Mexiko 1968, zu den Attacken auf Banden in Los Angeles 1984, zu den massiven Umsiedelungen 2008 in Peking – Unterdrückung war mit den Olympischen Spielen immer verbunden. Aber seit dem 11.September 2011 gilt das noch mehr und ist es noch entschiedener zu bekämpfen: Die Olympischen Spiele sind das Honiglöffelchen, mit dessen Hilfe man uns dazu bringen will, die Repression all dessen leichter zu schlucken, was die Herrschenden als Feind identifiziert haben. Und: dieser Feind – das sind wir!


[1] Anmerkung: Das ist zurückhaltend ausgedrückt. In der „Waffentechnik I, Band 2“ des Österreichischen Bundesheeres liest man im Abschnitt über „Nichttödliche Waffensysteme“ im Kapitel über akustische Waffen: „Die Wirkung dieser Schallwaffen reicht von geringem Übelsein über Erbrechen und Durchfall bis zum Tod… (Es ist möglich, die Waffe) auf unerwünschte Zusammenrottungen auf Entfernungen bis zu 4 km zu richten. Das sollte den Demonstranten (Anm.: wie offenherzig !, normalerweise spricht man doch von „Terroristen“!) ‚das Blut in den Adern gefrieren lassen’ . Und zu den akustischen Schock-Waffen: „(Bei Verwendung sehr niedriger Frequenzen) verursacht Infraschall Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Orientierungsverlust und kann er innere Organe versagen lassen… Schallwellen großer Energie aber niedriger Frequenz können von Parabolantennen mit 1 bis 2 m Durchmesser auf Einzelpersonen gerichtet werden und am Ziel ein Schock-Trauma erzeugen, dessen Wirkung von schwerem körperlichen Unbehagen bis zum Tod reicht.“ (S. 681/82)

 

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