Felix Baumgartner – eine unglaubliche Leistung, aber welche und wofür?

Über den Stratosphärensprung des Roten Bullen braucht man nicht mehr viel zu schwärmen. Soweit, neben der Bewunderung, kritische (oder zumindest relativierende) Stimmen zu hören waren, bezog sich das entweder darauf, dass das Risiko, im Gegensatz zum Medien-Hype, doch überschaubar war, oder zweitens darauf, dass das Abenteuer ohne jede wissenschaftliche Relevanz sei; es sei ja eh 1960 schon einmal ein US-Kampfpilot in extremer Höhe „ausgestiegen“ und hätte überlebt. (Dieser ehemalige Pilot war jetzt übrigens auch in den Baumgartner-Event eingebunden.)

Umso interessanter eine Stellungnahme eines gewissen Bernard Carnet in der „Le Monde“ vom 15.10. Der Mann war von 1982 bis 2001 der medizinische Betreuer französischer Astronauten und arbeitet jetzt am „Nationalen Zentrum für Weltraumstudien“ (CNES) in Toulouse, das ist die französische Raumfahrtagentur. In Google liest man: „Das CNES ist neben der zivilen Forschung auch für militärische zuständig und betreibt zum Beispiel das Syracuseprogramm für militärische Kommunikationssatelliten. Seit 1993 untersteht es formell sowohl dem französischen Forschungsministerium als auch dem Verteidigungsministerium.“

Carnet hält – im Gegensatz zu einem in den österreichischen Medien mehrfach vorgeführten und offenbar unwissenden und unbedarften Wurschtels von Physiker – die Leistung Baumgartners für wissenschaftlich und militärisch bedeutend. Denn, sagt er, der oft genannte US-Kampfpilot hätte erstens das Bewusstsein verloren und nur knapp überlebt und zweitens schwere Erfrierungen an den Händen davon getragen. Jetzt hingegen wisse man, dass Baumgartner, mit anderer Ausrüstung klarerweise, problemlos überlebt habe. Ab jetzt sei, im Gegensatz zu bisher, klar, „ein solcher Sprung ist möglich“ und das sei ein äußerst wichtiger Fortschritt und Test für zukünftig notwendig werdende „Ausstiege“ von Astronauten oder anderen Militärs in extremen Höhe.

Im Übrigen habe es eine ausgezeichnete Kooperation auch mit ihm, dem französischen CNES, gegeben, auch schon vorher, und auch während und nach dem Event.  Er hätte auch vorgeschlagen gehabt, Baumgartner mit einem Herzdaten-Messgerät auszustatten, aber das habe man leider leicht gemacht – das wäre wichtig gewesen für zukünftige Eignungstests für solche möglicherweise eintretenden Situationen.

Obwohl voll des Lobes über die Fähigkeiten und die Kaltblütigkeit Baumgartners, äußert Carnet die Meinung, dass das mit dem Abenteuer verbundene Risiko zwar groß, aber nicht so groß gewesen sei wie gemeinhin angenommen. Baumgartner habe in seinem Raumanzug einen „Stabilisator“ eingebaut gehabt, den er – mittels eines kleinen roten Knopfes, den man auf den Bildern gut gesehen habe – jederzeit hätte auslösen können (und, muss man ergänzen, der vielleicht unter bestimmten Bedingungen auch automatisch ausgelöst hätte), aber er hätte darauf offenkundig verzichtet. Auch die Entwicklung dieses „Stabilisators“ sei ein wichtiger Fortschritt für zukünftige mögliche Einsätze und er äußerste auch gleich Vorstellungen über den zukünftigen planmäßigen Einsatz eines solchen – da eben nicht jeder die Fähigkeiten und die Kaltblütigkeit eines Baumgartner habe.

Der ganze Event, ungeachtet des gut inszenierten medialen Wirbels und des Marketingeffekts für den Sponsor Red Bull, ist offenbar von einer gewissen wissenschaftlich-militärischen Bedeutung. Es war mit entsprechenden Militärkreisen, jedenfalls den französischen, sicher auch mit US-amerikanischen, verlinkt und wird für militärische Einsätze ausgewertet und weiterentwickelt werden. Das ist nichts übermäßig Furchtbares und Unfassbares, ganz im Gegenteil würde es überraschen, es wäre nicht so. Aber es ist eine ganz „übersehene“ Seite des Baumgartner’schen Abenteuers.

Baumgartner war übrigens früher Angehöriger des „Jagdkommandos“, einer in Wiener Neustadt stationierten Spezialeinheit des österreichischen Bundesheeres, einer – unter dem Deckmantel der „Terrorbekämpfung“ agierenden – Terroreinheit gegen das eigene und gegen fremde Völker. Das Jagdkommando wird in „Krisen- und Kriegsgebieten“ eingesetzt, wobei bekannt sind Einsätze in Albanien (gegen den „Lotterieaufstand“, im Kosovo, im Tschad und in Afghanistan. So schließt sich der Kreis.

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