„Für Österreich beginnt das Drohnenzeitalter“…

… freut sich die letzte 2013er Ausgabe der Zeitung „Der Soldat“, denn bald ist es soweit und die ersten der 18 bestellten Drohnen werden „in Dienst gestellt“. Es dreht sich in diesem Fall, dem „Erstlingsprojekt“ sozusagen, nicht um mit Raketen oder Bomben bestückte „Kampfdrohnen“, sondern um kleine Aufklärungsdrohnen für den militärischen und polizeilichen Einsatz. Die Traglast ist zu gering, um über die Kameras („eine Video-Zoom-Farbkamera und eine Infrarot-Kamera“) hinaus auch Raketen oder Granaten/Bomben nachzurüsten. Das Ding hat ein Gewicht von 8,5 kg und eine Spannweite von 3,6 m, eine Reichweite von 10 km, eine Einsatzdauer von 90 Minuten, eine Einsatzhöhe von 100 bis 600 m über Grund und sie kann eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h erreichen. Ein System, bestehend jeweils aus drei Drohnen und einer Bodenkontrollstation, kann von zwei Mann bedient und in zwei etwas größeren Rucksäcken transportiert werden.

Der bedeutendste österreichische Drohnenproduzent, die Firma Schiebel, kam nicht zum Zug. Den Zuschlag für den Auftrag „erhielt nach einem längeren Auswahlverfahren … die Wiener Firma Kapsch„, welche allerdings nur ein Vertriebs-Outlet ist, damit man halt sagen kann, man habe in Österreich gekauft. Tatsächlich wurden sechs Drohnensysteme des Typs Tracker (jedes bestehend aus drei Drohnen und einer Bodenstation) in Frankreich gekauft. Produzent ist eine Kooperation von Cassidian (gehört zu EADS) und Survey-Copter. Kapsch kassiert Provisionen und schult, natürlich unter  französischer „Begleitung“, das Bundesheer-Personal ein – und kann so vielleicht einen Fuß in den „zukunftsträchtigen“ Drohnenmarkt setzen.

Wozu braucht das Bundesheer die Drohnen? Zuerst führt der „Soldat“ die militärischen Aufgaben an: „Entdeckung, Aufklärung, Identifizierung und Verfolgung von Zielen, Feststellen der Waffenwirkung, Unterstützung bei Anti-Terrormissionen (Anm.: hat man den Bindestrich zwischen „Terror“ und „Missionen“ vergessen oder ist einem irrtümlich das Wort „Terrormissionen“ herausgerutscht?), Grenzüberwachung, Truppenschutz in gefährlichen Lagen, Unterstützung beim Ortskampf und Kampf in unübersichtlichem Gelände (Anm.: in den Städten z.B.)“. Dazu kommt „ein breites Einsatzspektrum im zivilen und polizeilichen Bereich“, nämlich u.a. „Grenzsicherung, Schlepperbekämpfung, Überwachung kritischer Infrastrukturen, Überwachung von Großveranstaltungen“, und in weiterer Folge wird auch alles Übliche heruntergeleiert, von der Verkehrsüberwachung bis zu den Waldbränden und von der Mure bis zur Lawine. Fehlt nur noch die Rettung des Rehleins im Kornfeld vor dem Mähdrescher (aus der Schiebel-Werbung). Als ein großer Vorzug wird hervorgehoben, dass „die Drohne dahingehend optimiert ist, relativ leise und kaum sichtbar zu fliegen“, und es wird ihr „fast lautloser Elektroantrieb“ gepriesen. Die Lawine oder der Waldbrand müssten schon sehr lärmempfindlich sein, wenn ihnen das ein echtes Anliegen wäre, und für das Rehlein im Kornfeld wäre es vielleicht sogar besser, es würde die Drohne hören und könnte noch rechtzeitig fliehen.

Die Staatsmacht hat die weitere Aufrüstung von Militär und Polizei im Auge, im Fall der Drohnen derzeit des Militärs auch für Polizeiaufgaben und zur Unterstützung der Polizei. Der staatliche Gewaltapparat soll fit gemacht werden für die erwarteten und gegenüber heute „robusteren“ Einsätze, für das Niederhalten oder ggf. Niederschlagen von „Unruhen“ im Inneren, für ihre Einsätze im Rahmen kriegerischer imperialistischer Operationen im Ausland, auch für die Bekämpfung von Migrationsströmen, die sie durch ihr Ausbeuter- und Unterdrückersystem unweigerlich in wachsendem Umfang produzieren, wobei sich letzteres an den österreichischen Grenzen abspielen kann, aber auch an den „EU-Außengrenzen“, denn auch dort möchte man sich beteiligen und profilieren.

Militär und Polizei kriegen mit den Drohnen ein weiteres Mittel in die Hand, Widerstand von Arbeiterklasse und Volk gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu bekämpfen. Der Widerstand muss daher die Verfügbarkeit dieses neuen, zusätzlichen Mittels in seine strategischen und taktischen Überlegungen einbeziehen, er braucht sich aber dadurch nicht einschüchtern lassen. Eine Drohne ist auch nur ein Kampfmittel, ggf. auch eine Waffe, wie alle anderen Kampfmittel und Waffen. Sie muss von Menschen bedient werden. Sie hat ihre technischen Begrenzungen, sie kann – z.B. bei Nacht – durch alles ausgehebelt werden, was jede andere Infrarotkamera auch aushebelt. Man kann sie durch Mittel der sogenannten „elektronischen Kampfführung“ ausschalten, indem man ihre Funkverbindung zur Bodenstation stört. Man kann sie auch abschießen, und diese Drohne wegen der geringen Flughöhe und langsamen Geschwindigkeit sogar relativ leicht. Sie hat auch ihre technischen Schwächen (z.B. Instabilität in Höhen über 2.000 m, bei Wind von mehr als 54 km/h, die mit eineinhalb Stunden ziemlich kurze Einsatzdauer …). Im Übrigen ist sie eine Waffe, derer man sich eines Tages – auf einer entwickelteren Stufe des Klassenkampfes – gut bemächtigen, die man ohne Weiteres „umdrehen“ und die man leicht bedienen kann. Auch aufständische Arbeiter- und Volksverbände können eine bessere Aufklärung und Überwachung der feindlichen Polizei- und Militärverbände gut gebrauchen. Man braucht dazu ein paar gute Elektrotechniker und wenn’s geht ein paar Leute, die schon Modellflugzeuge bedient haben, aber solche werden sich in so einer Situation zweifellos finden.

PS: Übrigens nimmt die EU 2014 einen neuen Anlauf, auch schwere „Kampfdrohnen“ überall im europäischen Luftraum starten und fliegen lassen zu können bzw. dies einheitlich zu regeln. Die deutsche Bundeswehr kann dann ihre Scharte von 2013, durch Voreiligkeit selbst herbeigeführt, auswetzen. Auch soll die europäische Produktion von schweren und leistungsfähigeren Drohnen angekurbelt werden. Dazu haben sich die französische Rüstungsschmiede Dassault, EADS und die italienische Finmeccanica zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um, wie es heißt, bis 2020 der amerikanischen und israelischen Konkurrenz in einigen technologischen Segmenten die Stirn bieten zu können. Auch das Bundesheer wird sich, nach dem jetzigen ersten „Einstieg in das Drohnen-Zeitalter“, früher oder später auch für bewaffnete Drohnen bzw. die Anschaffung bewaffnungsfähiger Drohnen interessieren.

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