Banlieu-Kämpfe 2005

10 Jahre nach den Revolten von 2005
Kampf dem Rassismus! Zerschlagung des Kapitalismus!

Am 27. Oktober 2005 revoltierte die Jugend der Arbeiterviertel nach dem Tod von Zyed Benna und Bouna Traoré in einer Trafo-Station in Clichy-Sous-Bois. Sie wollten sich vor der Polizei schützen. Zehn Jahre danach bleiben unser Zorn und unsere Trauer, jeden Tag aufs Neue, und unser Mitgefühl gilt den Familien der Opfer.

Damals haben wir, OCML Voie Prolétarienne, nicht mit den Wölfen gegen die Formen dieser Revolten geheult. Als Maoisten sagten wir, dass diese Jugendlichen die Kinder einer multikulturellen Arbeiterklasse sind. In ihren Revolten haben sie ihre Forderungen bezüglich Arbeit, gegen den Rassismus und die Polizeigewalt geltend gemacht, für ihre Würde und die ihrer Eltern.

Ihre Gewalt entsprach derjenigen, die vom Staat gegenüber den Familien der Arbeiterviertel ausgeübt wurde. Ihre organisatorische Beschränktheit reflektierte diejenige der Volksbewegung insgesamt.

Polizei/Justiz: Ihre Straffreiheit ist die Straffreiheit der Gewalttätigkeit des Staates!

10 Jahre danach sind die Polizisten trotz des Kampfes der Familien von Clichy-Sous-Bois und ihrer Unterstützer straffrei. Die Menschen leiden immer noch unter den Verbrechen der Polizei und Dutzende Familien fordern immer noch Wahrheit und Gerechtigkeit.

Wenn sie töten, wenn sie in den Kommissariaten und bei Razzien erniedrigen, wenn sie die Sans-papiers schikanieren und jeden sozialen Protest unterdrücken – das sind nicht etwa „Pannen“ oder „Entgleisungen“ der Polizei und der Staatsmacht, sondern das ist ihr Hass gegen das Volk und die rassistische und sexistische Ideologie der Polizeipraxis.

Sei es in Clichy-Sous-Bois, sei es in Ferguson: Die Polizeibrutalität gegen Migranten und kämpfende Arbeiter ist unauflöslich verbunden mit dem Regime des Kapitals. Es ist die Manifestation der Diktatur der Bourgeoisie, weil sie den „sozialen Frieden“ nicht mehr erkaufen können.

Der Staatsrassismus geht weit über die Verbrechen der Polizei hinaus

Der Staatsrassismus ist das Schicksal der Migranten. Schließung der Grenzen, Ausweisungen und Razzien. Aufteilung der Immigranten abhängig von ihrem Herkunftsland und ihrem „Statut“. Nicht dieselben Rechte für Arbeiter je nachdem, ob sie Sans-Papiers sind oder legale Einwanderer oder Franzosen. Die Aufenthaltsberechtigung für 10 Jahre, die durch die Kämpfe der immigrierten Arbeiter und den „Marsch für Gleichheit“ 1983 erkämpft wurde, wird in Frage gestellt.

Alles ideologische Gerede zielt auf die immigrierten Arbeiter und ihre Kinder als auf eine Bedrohung der „Werte der Republik“. Heute noch werden ganze Generationen, die die koloniale und imperialistische Plünderung nach Frankreich verschlagen hat, als „Feinde“ betrachtet und diskriminiert. Das rechtfertigt auch die imperialistischen Interventionen im Dienst ihrer Interessen.

Unser Antirassismus geht vom Klassenstandpunkt aus!

Um den Rassismus zu bekämpfen, muss man anerkennen, dass die Immigranten und ihre Kinder Erniedrigungen und Unrecht wegen ihrer Herkunft erleiden. Ihr Recht auf politische Autonomie ist notwendig zur Verfolgung ihrer eigenen Forderungen nach rechtlicher Gleichheit.

Aber wenn auch alle Immigranten unter dem Rassismus leiden, ist es doch so, dass nur die immigrierten Arbeiter ausgebeutet werden. Im Rahmen der Front der Immigranten haben wir also nicht alle dieselben Interessen.

Um gemeinsam gegen den Staatsrassismus zu kämpfen, müssen wir dieser Tatsache Rechnung tragen. Der Kampf gegen den Rassismus und darüber hinaus gegen jegliche Unterdrückung (auch der wegen des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung) ist Teil des Klassenkampfes.

Unser Antirassismus zielt auf die Revolution!

Unser Antirassismus hat nur Sinn, wenn er sich in den Kampf gegen Ausbeutung und kapitalistische Barbarei insgesamt einordnet.

Der Kampf gegen den Staatsrassismus wird zu nichts führen, wenn sich nicht auch das Leben in den Arbeitervierteln, mit seiner Ausbeutung und Arbeitslosigkeit, ändert. Wenn Profit und Zaster Herzstück des Funktionierens der Gesellschaft bleiben. Wenn Arbeit und Schule den Jugendlichen verschlossen bleiben.

Es gibt keinen Sieg, ohne die Wurzeln aller dieser von der langen kolonialen Vergangenheit Frankreichs ererbten Vorurteile auszureißen, Vorurteile, die es sogar in unserem Lager gibt. Der Kampf gegen den Rassismus wird nicht erfolgreich sein ohne die Bourgeoisie zu bekämpfen, die diesen Rassismus und das ganze soziale Elend organisiert.

Unser einziger Ausweg ist, die politische Macht zu ergreifen, für uns selbst und für eine andere Gesellschaft, den Kommunismus. Das ist der Sinn unseres Handelns, eine proletarische Identität, ein multikulturelles und internationalistisches „Wir“ zu schaffen.

Mögen alle Zyed, Bouna, Muhittin, David, Aristide, Yahya, Martin, Bruno, Sofiane und Harouna (Opfer der Polizeigewalt zwischen 10. und 27. Oktober 2005) sorglos und ohne Angst von einem Fußballspiel nach Hause gehen können!

Wahrheit und Gerechtigkeit für die Familien und Angehörigen!

Keine Gerechtigkeit, kein Frieden ohne Revolution!

 

(Flugblatt der Organisation Communiste Marxiste-léniniste/Voie Prolétarienne, eigene Übersetzung)

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