Trotz Lohnsteuerreform – die Steuerplünderung geht auch 2016 weiter

Nach monatelanger Schaumschlägerei verkündete die Regierungskoalition im März 2015 ihre Steuerreform. Von der „seit Jahrzehnten größten Entlastungsoffensive“ der Regierung zugunsten der Arbeiter und Angestellten war die Rede (Faymann), andererseits sah sich die Mitterlehner offenbar veranlasst, zu betonen, dass diese Reform „nicht nur ein lächerlicher PR-Gag“ sei („nicht nur“, das ist wahr). Beide waren sehr zufrieden mit dem „fairen“ und „gerechten“ und „vernünftigen“ Ergebnis. Nicht erstaunlich, denn das arbeiter- und volksfeindliche Steuersystem wurde nicht einmal angekratzt, ganz im Gegenteil. Nichts, aber auch schon gar nichts wurde – auch diesmal wieder – aus den „kämpferischen Forderungen“ und Versprechungen der SPÖ, der Arbeiterkämmerer und des ÖGB, um welche zwar ein ganzes Jahr lang ein Wirbel (samt Unterschriftensammlung und TV-Einschaltungen) veranstaltet wurde, die man dann aber wie üblich sang- und klanglos begrub. Das hinderte freilich nicht, gleich darauf zu behaupten, die geforderte „Umstrukturierung des Steuersystems (sei) durch die Steuerreform 2015 zu einem wichtigen Teil bereits erfüllt“ (AK Wien). Inwiefern? Leisten etwa „in Zukunft auch große Vermögen einen fairen Beitrag“? Wurde etwa die monatelang getrommelte „Reichensteuer“ auf Vermögen eingeführt? Wurde, wenn schon die ursprünglich von der SPÖ geforderte und ohnedies zahnlose Vermögenssteuer wie üblich auch diesmal „nicht durchsetzbar“ war, wenigstens die Forderung nach Wiedereinführung einer Erbschafts- und Schenkungssteuer erfüllt? Sonst irgendetwas noch so Klitzekleines in Richtung „Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit“? Fehlanzeige. Ist aber auch egal, denn selbst wenn die aufgeregte, aber selbstverständlich in kapitalistischem Sinne „verantwortungsbewusste“ Agitation des ÖGB zur Gänze umgesetzt worden wäre, wäre es nur lächerliche Augenauswischerei geworden [1]. Keine Rede mehr auch von einer Besteuerung von Finanzmarkttransaktionen, der Börsenspekulation usw., denn das ginge sowieso „nur auf EU-Ebene“ und, weil alle EU-Regierungen das sagen, geht es, wie man ja sieht, eben nicht.

Lassen wir das Geschwätz hinter uns und wenden wir uns zunächst einmal der Lohnsteuer zu. „Der Berg kreißte und gebar ein Mäuschen.“ Von keiner Seite und zu keinem Zeitpunkt wurde während der ganzen „Reformdebatte“ das, was Kern einer Lohnsteuerreform, die diesen Namen verdient, sein müsste, auch nur erwähnt: sie müsste die Steuerfreigrenze drastisch anheben und die Progression vor allem für die niedrigen und auch für mittlere Einkommen drastisch senken, sie aber zugleich für die hohen drastisch erhöhen. Die Lohnsteuerreform 2015 tut das gerade Gegenteil, ist also keine „soziale“, sondern eine asoziale Reform.

 

Kernpunkte einer asozialen Lohnsteuerreform

Die Steuerfreigrenze von 11.000 € steuerpflichtigem Einkommen pro Jahr wurde nicht erhöht. Nach Abzug des Sozialversicherungsbeitrags und Herausrechnen des 13. und 14. Monatslohns entspricht dem ein Monatslohn von 650 € (!). Gerade bei den Niedrigstlöhnern und allermindestens für die 1,2 Millionen Menschen unter der offiziellen „Armutsgrenze“ (13.926 € pro Jahr = 995 € pro Monat) wäre eine deutliche Entlastung besonders wichtig, das Wichtigste an jeder „sozialen“ Lohnsteuerreform gewesen. Genau genommen müsste ein ausreichend hoher überhaupt steuerfreier Mindestlohn/Mindestpension erkämpft werden. Aber weit gefehlt – statt die Steuerfreigrenze massiv zu erhöhen, wird sie faktisch gesenkt, denn wegen der Geldentwertung sind 11.000 € heute nicht mehr dasselbe wie 11.000 € im Jahr 2009. Den Niedrigstverdienern bringt die famose Reform gar nichts.

Die asoziale Progression wird noch asozialer. Zwar gibt es eine geringfügige Progressionsmilderung, aber sie ist mit -2% am stärksten in der obersten Einkommensstufe (über 60.000 €), wo nämlich der bisherige Spitzensteuersatz von 50% auf 48% gesenkt wird. Es ist wahr, eine 25%-Stufe wurde neu eingeführt, um zu vermeiden, dass – wie bisher – ab 11.000 € die Lohnsteuer sofort auf 36,5% springt, aber diese Stufe gilt nur bis 18.000 € (entspricht 1.064 € monatlich), ab dort geht es mit 35% Steuersatz (bisher 36,5%) weiter.

Trotzdem bringt sie für viele ab Jänner 2016 eine geringfügige und zeitweilige Entlastung. Das Finanzministerium stellt aufdringlich einen Brutto-Netto-Rechner [2] zur Verfügung, mit dem sich jeder ausrechnen kann, was ihm persönlich die Lohnsteuerreform bringt, und da in vielen Fällen tatsächlich ein mehr oder weniger nennenswertes Nettoplus ab Jänner 2016 herauskommt, darf er sich darüber herzlich freuen [3].

Es ist nun allerdings so, dass Jahr für Jahr und so auch in den sieben Jahren seit der Lohnsteuerrefom 2009 [4] die Löhne bzw. die Lohnerhöhungen durch die sogenannte kalte Progression an- bzw. aufgefressen werden. So wird auf die Ausbeutung der Lohnabhängigen durch das Kapital noch eins draufgesetzt durch ihre Ausplünderung über das Steuersystem. Während die Lohn- und Gehaltssumme zwischen 2009 und 2013 (Werte aus 2014 wurden noch nicht publiziert) brutto nur um 14% stiegen, stieg das Lohnsteueraufkommen im selben Zeitraum um 24% – mit entsprechenden Folgen für das Netto. Die Lohnsteuerquote stieg dementsprechend von 13,7% im Jahr 2009 auf 14,9% 2013 und schätzungsweise 15,5% (eigene Hochrechnung, aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor) im Jahr 2015.

1+lohnsteuerquoteQuelle: Eigene Berechnungen auf Basis Statistik Austria/Öffentliche Finanzen/Steuerstatistiken/Lohnsteuerstatistik/Hauptergebnisse 2007-2013

Wäre die durchschnittliche Lohnsteuerquote über den Zeitraum seit der letzten Reform (2009 bis 2015) unverändert bei 13,7% geblieben statt seither auf mindestens 15,5% im Jahr 2015 zu steigen, dann wäre das Lohnsteueraufkommen über diesem Zeitraum um 10 bis 11 Mrd. € geringer ausgefallen. Die Steuerreform 2015 tut also nichts anderes, als den Raubzug der letzten Jahre zu einem sehr geringen Teil – nicht einmal zu kompensieren, denn es wird ja nichts zurückgegeben, sondern nur für die nächsten ein, zwei Jahre etwas abzuschwächen.

Dazu kommt die Entwertung des Lohnes durch die Inflation, denn die lächerlich geringen Lohnerhöhungen der letzten Jahre deckten für die niedrigeren Einkommensschichten, wo ja die Wirkung der Geldentwertung wesentlich größer ist als das, was im Verbraucherpreisindex, also der offiziellen Inflationsrate, zum Ausdruck kommt, nicht einmal die Geld- und Kaufkraftentwertung ab. Das alles zusammen – geringe Nominallohnerhöhungen (wenn überhaupt), Inflation und kalte Steuerprogression – führten eben zum Reallohnabbau der letzten Jahre für große Teile der Arbeiterklasse und des Volkes.

Die SPÖ hatte immer eine Lohnsteuerentlastung von 5 Mrd. € als ihr Mindestziel angegeben. „4,9 Milliarden Euro direkt in die Brieftaschen der Menschen“ verkündete Faymann jetzt stolz. Der jüngste Budgetbericht 2016 des Finanzministeriums (Oktober 2015) prognostiziert demgegenüber für 2016 Mindereinnahmen bei der Lohnsteuer gegenüber 2015 in Höhe nur in Höhe von 2,5 Mrd. € (von 27,3 auf 24,8 Mrd. €). Die Hälfte des angeblichen „Mehr-Netto-vom-Brutto“ landet offensichtlich nicht im „Börsel“, sondern ist irgendwie und irgendwohin verpufft. Der Rest wird in den nächsten zwei, längstens drei Jahren verpuffen, denn die kalte Progression geht natürlich nach einer kurzen Atempause unvermindert weiter. Genauso war es auch nach der Reform 2009 gewesen; nach Minuseinnahmen bei der Lohnsteuer von damals 1,4 Mrd. € im Jahr 2009 war bereits 2010 von der „Entlastung“ nicht mehr viel übrig und 2011 wurde das Aufkommen von vor der Reform sogar schon wieder um 0,5 Mrd. € überschritten; es folgte ein jahrelanger satten Anstieg (insgesamt um 25% !). Diesmal wird es genauso kommen. Der Räuber brüstet sich damit, seinen Raubzug zwar ungebremst fortzusetzen, aber für zwei, längstens drei Jahre etwas abzumildern.

Auch zielt die innere Struktur dieser Reform bewusst nicht darauf ab, die Steuerlast der Arbeiterklasse und speziell der Niedrigverdiener substantiell zu erleichtern. Die „Menschen“, die Faymann im Auge hat, sind vornehmlich die Besser- und vor allem die Bestverdiener. Die nachstehende Grafik der BDO (einer bourgeoisen Unternehmens- und Steuerberatungsfirma) zeigt: Wer z.B. 15.000 € steuerpflichtiges Jahreseinkommen hat wird um 300 € im Jahr entlastet, wer 20.000 bis 30.000 € verdient, und das sind die meisten, um vielleicht 800 €, wer 50.000 € verdient schon um wesentlich mehr, nämlich um 1.500 € und wer 120.000 € verdient um 2.200 € [5].

2abgabenentlastung

Von einer „fairen“, „gerechten“ oder gar „sozialen“ Reform ist hier wirklich keine Spur. Das Gerechtigkeitsherz der bürgerlichen Politik schlägt eben für die Bourgeoisie – und dann noch für den „Mittelstand“, der im Gegenzug für eine reaktionäre Stabilität der Bourgeoisgesellschaft bürgen soll. Müsste nicht, wenn schon Lohnsteuerreform, dann dafür gesorgt werden, dass die Entlastung umso größer ist, je weniger man verdient?

Aber, verteidigen sich manche sozialdemokratischen Kreise, haben wir denn nicht mit der „Millionärssteuer“ auch den Spitzensteuersatz ab einem Jahreseinkommen von mehr als 1.000.000 € (!) von bisher 50% auf 55% erhöht (wenn auch nur befristet auf fünf Jahre)? Leider, ist die Antwort, gibt’s nur ein paar Dutzend Leute, die das betrifft, die also über ein Monatseinkommen von über 80.000 € (!) verfügen – und denen ist das komplett wurscht, weil es ihnen erstens nicht darauf ankommt und sie zweitens sowieso ihre legalen und illegalen Wege der „Steueroptimierung“ und „Steuerschonung“ gehen. Vor allem aber könnte sich der normale Arbeiter oder Angestellte, selbst wenn es etwas für die Steuereinnahmen brächte, davon nichts abbeißen.

Die Lohnsteuer ist aber bei weitem nicht alles, was Arbeiterklasse und Volk an Steuerausplünderung zu tragen haben. Wichtiger noch sind die indirekten Steuern, vor allem die Umsatzsteuern, über die daher nicht zufällig der Mantel des Schweigens gebreitet wird. Die Steuerreform erhöht den begünstigten Mehrwertsteuersatz von 10 auf 13% z.B. in Gaststätten und Restaurants, Hotels und bei Tierfutter. Aber diese nominelle Mehrwertsteuererhöhung ist zweitrangig, viel maßgeblicher ist, dass sich alles Mehrwertsteueraufkommen mit der Teuerung automatisch erhöht.

Was also auf der einen Seite, bei der Lohnsteuer, weniger wird, wird bei den indirekten Steuern mehr [6]. Insgesamt soll die Mehrwertsteuer 2016 gegenüber 2015 um 1,9 Mrd. € steigen. Steigen werden auch Tabaksteuer, Mineralölsteuer, KFZ-Steuer und Motorbezogene Versicherungssteuer, Versicherungssteuer usw. – alles zusammen um insgesamt 2,1 Mrd. € [7]. Die viel gepriesene Lohnsteuerersparnis ist damit bereits im selben Jahr schon wieder fast futsch.

3massensteuern

Quelle: Bericht der Bundesregierung/Budgetbericht 2016, S.92

 

Die Segnungen der Lohnsteuerreform sind also erstens, soweit es sich um die angeblichen „4,9 Mrd. € direkt ins Börsel“ handelt, blanke Lüge. Tatsächlich geht es laut Budgetbericht 2016 nur um 2,5 Mrd. €. Zweitens werden damit die allein durch die Geldentwertung und die kalte Progression erlittenen Reallohnverluste der letzten Jahre bei weitem nicht „kompensiert“. Drittens schließlich – das sieht man gut an der obigen Grafik – wird sie „gegenfinanziert“ durch einen Anstieg des sonstigen Massensteueraufkommens. Im Endeffekt hat die Reform nicht einmal im ersten Jahr, 2016, eine nennenswerte positive Auswirkung auf die reale Kaufkraft.

Die famose Reform hätte natürlich auch durch eine Erhöhung der tatsächlich bestehenden Kapitalistensteuern „gegenfinanziert“ werden können, speziell durch eine Erhöhung der Körperschaftssteuer, das ist die Einkommensteuer für Kapitalgesellschaften, sei es des offiziellen Steuersatzes, sei es des faktischen Steueraufkommens (durch Beseitigung von Ausnahmen und Begünstigungen, der Absetzbarkeit nicht konkret begründeter, sondern „bilanzbezogener“ Rücklagen, der sog. „Gruppenbesteuerung“, des zeitlich unbefristeten Verlustvortrags usw.) Aber das stand nicht einmal zur Debatte. Die Körperschaftssteuer liegt auf dem Papier bei 25%, in Wirklichkeit lag er bei den Aktiengesellschaften in der jüngeren Vergangenheit stets unter 10% [8]. 2016 wird sie laut Budgetplanung nochmals sinken, um 300 Mio. €, von 6,6 auf 6,3 Mrd. € – und das trotz des „Aufschwungs“, der angeblich wieder einmal, wie meistens zu Weihnachten, für das nächste Jahr bevorsteht. Zugleich sieht die Steuerreform ein „Wirtschaftspaket“ von 200 Mio. € mit allerhand zusätzlichen Förderungen und Subventionen der Kapitalisten vor (Förderungen für Klein- und Mittelbetriebe, Erhöhung der „Forschungsprämien“ von 10 auf 12%, zusätzliche steuerliche Begünstigung von „Mitarbeiterbeteiligungen“).

Die arbeiter- und volksfeindliche Struktur des Steuersystems wird durch diese Steuerreform nicht nur nicht angetastet, sondern durch die damit verbundene Augenauswischerei und mittels einiger zeitweiliger Konzessionen sogar zementiert.

Die arbeiter- und volksfeindliche Struktur besteht grundsätzlich einmal darin, dass sie die Finanzierung des Staates des Kapitals zum weitaus überwiegenden Teil auf die Volksmassen abwälzt. Die direkten und indirekten Massensteuern machen 2015 83% des Steueraufkommens aus. Dem stellen wir die Losung entgegen, dass sich die Kapitalisten ihren Staatsapparat selber zahlen, nicht aber die Arbeiterklasse und andere Teile des Volkes selbst auch noch den Staat ihres Ausbeuters, Plünderers, Unterdrückers, kurzum ihres Klassenfeinds finanzieren müssen.

Diese Struktur besteht zweitens darin, dass der kapitalistische Profit, jedenfalls der der Kapitalgesellschaften, nicht der „normalen“ Einkommensteuer unterliegt, sondern einem Körperschaftssteuersatz von 25%, der durch die sehr flexiblen „Gestaltungsmöglichkeiten“ systematisch auf unter 10% gesenkt wird. So kommt es, dass das Körperschaftssteueraufkommen seit einem Jahrzehnt kaum gestiegen ist, sondern immer um lächerliche 6 Mrd.€ schwankte.

Die Struktur besteht drittens im Übergewicht der indirekten Steuern. Die indirekten Steuern sind die hauptsächliche und zugleich am wenigsten unmittelbar wahrnehmbare Steuerkeule, denn sie stecken „unsichtbar“ in den Preisen. Sie machen einen deutlich größeren Teil der Massensteuern aus als die Lohnsteuer, werden aber genauso wie diese aus den Löhnen gezahlt. Ohne hier anzusetzen, bleibt alles Herumgerede und Herumgetue in der Steuerfrage Schall und Rauch. Würden – das ist nur eine fiktive Rechenoperation [9] – die indirekten Massensteuern auf die Lohnsteuer umgelegt, würde diese sich – wenn ansonsten das bestehende Steuersystem unverändert bliebe – weit mehr als verdoppeln (genau gesagt um 135% steigen, wenn wir die Zahlen aus 2015 zugrunde legen). Das macht anschaulich, welches Ausmaß die Steuerausplünderung angenommen hat und dass der übergroße Teil der Steuerlast, mindestens 70 der 82 Mrd. € Gesamtsteueraufkommen in 2015, von Arbeiterklasse und Volk getragen werden. In der Gestalt der indirekten Steuern wird der Klassencharakter dieser Steuern verdeckt: sie erscheinen als neutral („jeder zahlt das Gleiche“), obwohl natürlich der Kapitalist oder sonstige „Reiche“, der zehn oder hundert Mal so viel Einkommen hat als der Arbeiter, nicht zehn oder hundert Mal soviel konsumiert, sondern sich allenfalls mit der Kapitalertragssteuer herumschlagen wird müssen (wenn er nicht günstigere Wege – nein, nicht der Steuerhinterziehung, sondern – der „Steuervermeidung“ oder „Steueroptimierung“ findet).

Das Ziel der revolutionären Arbeiterbewegung bestand immer und kann nur darin bestehen, der staatlichen Ausplünderung ebenso wie der Ausbeutung in Produktion und Lohnsystem entgegenzutreten, dafür radikale Losungen und „strategische“ Forderungen zu erheben und letztlich mit dem kapitalistischen Staatsapparat auch das kapitalistische Steuersystem zu zerschlagen.

 

Die Kapitalisten sollen sich ihren Staat selbst finanzieren!

Daher:

Abschaffung aller indirekten Steuern und steuerähnlichen Abgaben!

Einführung einer massiv verstärkt progressiven Einkommensteuer!

Vollständige Steuerfreiheit für Einkommen bis 1.600 € monatlich (d.h. bis zur Höhe eines zu erkämpfenden gesetzlichen Mindestlohns bzw. einer gesetzlichen Mindestpension)!

 

FUSSNOTEN:

[1] Es ist nämlich Augenauswischerei, alle diese Dinge plakativ zu „fordern“, aber von vornherein Betriebs- und Stiftungsvermögen, also das eigentliche kapitalistische Vermögen, auszunehmen. Unter diesen Umständen träfen auch Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer vornehmlich wieder nur den berühmten sozialdemokratischen „kleinen Mann“.

[2] Bei der Arbeiterkammer heißt dasselbe Programm sogar „MEHR-NETTO-RECHNER“, in Großbuchstaben und noch aufdringlicher.

[3] Man kann den Brutto-Netto-Rechner übrigens auch für etwas ganz anderes nutzen, nämlich dafür, verschieden hohe fiktive Löhne/Gehälter einzugeben. Man sieht dann, dass die Lohnsteuerreform umso mehr bringt, je mehr man bereits verdient. Sie verschärft die „Steuerungerechtigkeit“.

[4] Auch die letzte Steuerreform war zur „Konjunkturankurbelung“ gedacht, denn die Krise war damals gerade am Höhepunkt. Wenn schon, dann sollte eine Lohnsteuerreform zumindest auch der Profitmacherei etwas nützen. Dieser keynesianische Gedanke hat allerdings auch damals nicht geklappt; nach einem kurzen Aufflackern versumpfte die Wirtschaft wieder in Stagnation. Es hängt eben nicht alles nur vom Konsum ab, es spielen vornehmlich Profitraste, Kapazitätsauslastung, „Investitionsneigung“ usw. eine, ja die entscheidende Rolle. Richtig ernst gemeint kann übrigens der Gedanke, durch Steuersenkung den Konsum anzukurbeln, eh nicht sein, denn wenn schon dann dürfte man eine solche Reform nicht so strukturieren, dass erst recht wieder die ärmeren Schichten wenig und die besser gestellten wesentlich mehr davon profitieren, so dass erst recht wieder das meiste gerade nicht im Konsum landet, sondern in irgendwelchen Geldvermögen.

[5] Aber wurde da nicht eine Verbesserung bezüglich der „Negativsteuer“ als besonders lobenswert hervorgehoben? Mit diesem Schlagwort wird der Eindruck erweckt, man bekäme eventuell sogar Geld zurück. Aber weit gefehlt: „Negativsteuer ist eine Gutschrift, die Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer, die so wenig verdienen, dass sie keine Lohnsteuer zahlen, durch Einreichen einer Arbeitnehmerveranlagung erhalten. Diese Gutschrift umfasst sowohl 10 Prozent der Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung, als auch – bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen – die Auszahlung bestimmter Steuerabsetzbeträge bzw. Freibeträge, die aufgrund eines geringen Einkommens bei der laufenden Lohnverrechnung nicht oder nicht voll ausgenützt werden können. Die Negativsteuer betrifft vor allem Teilzeitbeschäftigte, Lehrlinge, Ferialpraktikantinnen/Ferialpraktikanten, Pflichtpraktikantinnen/Pflichtpraktikanten und geringfügig Beschäftigte, wenn ein Sozialversicherungsbeitrag geleistet wird. Pensionistinnen/Pensionisten und freie Dienstnehmerinnen/freie Dienstnehmer haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Negativsteuer.“ (help.gv.at) Ab 2016 kriegt der arme Teufel statt 10% des Sozialversicherungsbeitrags, den man ihm vorher abgeknöpft hat, obwohl er eh schon kaum etwas verdient, 50% gutgeschrieben. Das ist alles.

[6] So erklärt sich auch, wieso das Steuer- und Abgabenaufkommen insgesamt – trotz Lohnsteuerreform und obwohl auch die Körperschaftssteuer sinkt – nicht sinkt, sondern sogar ein wenig steigt (von 81,8 auf 81,9 Mrd. €).

[7] Wir haben in nachstehender Grafik unter Massensteuern subsumiert die Lohnsteuer und die indirekten Steuern, d.s. Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Mineralölsteuer, Energieabgabe, NOVA, Versicherungssteuer, Motorbezogene Versicherungssteuer und KFZ-Steuer, weil diese im Wesentlichen Massensteuern sind, auch wenn der eine oder andere Kapitalist ebenfalls davon betroffen ist. Genau genommen müssten man auch einen erheblichen Teil, vielleicht 75% der Stempel- und Rechtsgebühren und der Sonstigen Abgaben (das wären nochmals 3,5 Mrd. €) und auch einen Teil der veranlagten Einkommensteuer (z.B. wenn jemand zwei oder mehr Lohnzettel hat und daher Einkommensteuer nachzahlt) und der Kapitalertragssteuer (z.B. für Sparbuchzinsen) den Massensteuern zuzuschlagen.

[8] 2011 lag die Steuerquote der Aktiengesellschaften bei 8,5%. Seither wird die seit 1955 geführte Aktiengesellschaften-Statistik leider nicht mehr publiziert. Statistik Austria teilt dazu nur lapidar mit: „Werte nur bis 2011 vorhanden, da das Projekt eingestellt wurde.“ Schade, aber sie werden ihre Gründe haben, und es gibt keinen Grund für die Annahme, in den letzten Jahren habe sich an der Diskrepanz zwischen dem ohnedies schon skandalösen offiziellen und dem wirklichen Steuersatz etwas geändert.

9] Das verfügbare Nettoeinkommen, in Kaufkraft ausgedrückt, bliebe in dieser fiktiven Simulation unverändert, es wären bloß – auch wieder nur fiktiv – die Umsatzsteuern aus den Preisen herausgenommen und direkt vom Einkommen abgezogen. In der Realität ginge es natürlich nicht um einen solchen absurden Umlegungsvorgang, sondern darum, die Plünderung durch die indirekten Steuern durch eine massiv progressive direkte Einkommensteuer zu ersetzen bzw. letztendlich, im Sozialismus, die Steuern überhaupt abzuschaffen und durch eine vernünftige Bewirtschaftung des gesellschaftlichen Produkts zu ersetzen.

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